Es ist vorbei mit El Salvadors Pressefreiheit

Liebe Leserinnen und Leser,

wo Autokraten erstarken, sind freie Medien eines ihrer ersten Angriffsziele. In El Salvador hat der wachsende Druck auf Journalistinnen und Journalisten nun eine langjährige Mitarbeiterin von „welt-sichten“ zur Flucht gezwungen: Cecibel Romero musste ihr Heimatland verlassen, über das sie viele Jahre klug und unabhängig berichtet hat. Im Interview schildert sie Barbara Erbe, warum sie nach Guatemala geflohen ist und wie unter Präsident Nayib Bukele die Meinungs- und Pressefreiheit schleichend abgeschafft wurde. Wer wie Cecibel Romero zum Beispiel über Korruption berichtete, wurde erst Ziel von Shitstorms und Verleumdungen, an die man sich irgendwie gewöhnte. Dann wurden alle Informationsquellen verstopft und bürokratische Schikanen erlassen. Als zuletzt führende Köpfe unter fadenscheinigen Anklagen inhaftiert wurden, sah Cecibel Romero sich direkt bedroht. Was sie schildert, bestätigt die alte Lehre: Wehret den Anfängen!

Bleiben wir aufmerksam. Beste Grüße,

Neu auf "welt-sichten"

Symbolische Macht: Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan hat bei ihrer Nahostreise versucht, gegen Israels Annexions- und Vertreibungspolitik Zeichen zu setzen. Im Bundeskanzleramt wurde das nicht alles für gut befunden, berichtet Marina Zapf.

Ungeduld: In Bangladesch hat eine Demokratiebewegung vor einem Jahr die langjährige Staatschefin gestürzt. Jetzt sind zivilgesellschaftliche Organisationen enttäuscht, dass die Übergangsregierung kaum Reformen zustande bringt, erklärt Catherine Davison.

Bildung in Gefahr: Kürzungen der Entwicklungshilfe werden dazu führen, dass einige Millionen mehr Kinder nicht zur Schule gehen können. Gerade bei Grundbildung zu kürzen, ist falsch und beraubt sie ihrer Zukunft, kommentiert Melanie Kräuter.

Melting Pot Wien: Fast jeder zweite in der österreichischen Hauptstadt hat Wurzeln im Ausland. Die Zugewanderten prägen Wien, beeinflussen aber auch gesellschaftliche Einstellungen in ihren Herkunftsländern, schreibt Milena Österreicher.

Was Sie verpasst haben könnten

Hilfe am Ende? Afrika sollte nicht für ausfallende Zahlungen aus den USA Ersatz suchen, sondern die Abhängigkeit von Entwicklungszusammenarbeit verringern. Denn die ist allzu oft an Interessen der Geber ausgerichtet, schreibt William Gyude Moore in unserem aktuellen Schwerpunkt "Zeit für Widerspruch", der Südsichten zum Nord-Süd-Verhältnis präsentiert.

Kirchen für und gegen den Staatschef: Der kenianische Präsident William Ruto hofiert Evangelikale und Freikirchen, während Führer der Protestanten, Katholiken und Anglikaner die junge Protestbewegung gegen die Regierung unterstützen. Katja Dorothea Buck hat die Hintergründe.

Noch immer interessant

Letzte Hürde für das Mercosur-Abkommen: Die EU-Kommission hat die Ratifizierung des Handelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Ländern auf den Weg gebracht; ob das Europäische Parlament und alle Mitgliedstaaten es billigen, ist offen. Widerstand gibt es unter anderem aus Sorge vor billigen Agrarimporten auf Kosten des Regenwaldes. Dass diese Kritik irrig ist und die Veränderungen in der brasilianischen Landwirtschaft ignoriert, hat Ingo Melchers im März in „welt-sichten“ detailliert dargelegt. Weiterhin lesenswert!

Buchtipp

Simbabwisch-deutsche Lyrik: Die ugandische Autorin Stella Nyanzi erhebt mit ihrem Gedichtband "Im Mundexil" ihre Stimme gegen die Diktatur in ihrem Heimatland und drückt ihre Zerrissenheit im deutschen Exil aus. Rita Schäfer empfiehlt das Buch.

Aus unserem Partnernetzwerk

Wir kooperieren mit anderen Organisationen, die sich mit Ländern und Themen des globalen Südens beschäftigen. Auf unserer Startseite im Kasten „Aus unserem Partnernetzwerk“ finden Sie Hinweise auf aktuelle Meldungen und Artikel unserer Partner, jetzt etwa auf eine Analyse der politischen Lage in Peru vor den nächsten Wahlen und auf einen Artikel über die geopolitischen Spannungen im Südchinesischen Meer. Schauen Sie mal rein!

Unterstützen Sie unseren anderen Blick auf die Welt!
„welt-sichten“ schaut auf vernachlässigte Themen und bringt Sichtweisen aus dem globalen Süden. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Warum denn das?
Ja, „welt-sichten“ ist mir etwas wert! Ich unterstütze es mit
Schon 3 Euro im Monat helfen
Unterstützen Sie unseren anderen Blick auf die Welt!