Myanmars Bürgerkrieg und die christliche Minderheit

Liebe Leserinnen und Leser,

zu den großen Krisen, die weitgehend aus dem Blick geraten sind, gehört der anhaltende Bürgerkrieg in Myanmar. Dort verbindet sich der Kampf von Demokraten gegen das Militärregime mit dem alten Kampf vieler Minderheitenvölker um Selbstbestimmung – und in einem Fall auch um Religionsfreiheit: im Gebiet der Chin an der Grenze zu Indien und Bangladesch. David Bruckmeier hat dieses Gebiet besucht, das die Militärregierung – ähnlich wie mehrere andere Minderheitengebiete – nicht mehr kontrollieren kann. Deshalb blockiert sie den Zugang aus Myanmar und bombardiert Chin-Rebellen und die Bevölkerung aus der Luft – auch gezielt Kirchen. Die Chin sind, anders als die große Mehrheit im Land, mehrheitlich Christen. Bruckmeier schildert, wie sich einige von ihnen für die Versorgung der Menschen, darunter viele Vertriebene, ebenso einsetzen wie für Demokratie und Glaubensfreiheit. Und die wird auch von Widerstandsgruppen nicht immer geachtet.

Interessante Lektüre wünscht

Neu auf welt-sichten

Weltoffen im Osten: In Ostdeutschland stoßen entwicklungspolitische Bildung und Eine-Welt-Arbeit in vielen Orten auf Desinteresse oder sogar Feindseligkeit. Wie gehen Engagierte damit um? Tillmann Elliesen über einen Streifzug durch drei Bundesländer zwischen Elbe und Oder.

Dicke Luft aus Indien: Im Herbst versinkt Sri Lankas Hauptstadt Colombo regelmäßig im Smog. Der Dreck kommt hauptsächlich vom großen Nachbarn Indien herüber, berichtet Devana Senanayake in unserer Serie „Was tut sich in…“.

Auslandsadoptionen verbieten oder nicht? Nach Fällen von Missbrauch wollte die Schweizer Regierung Adoptionen aus dem Ausland verbieten. Nach Kritik aus dem Parlament will sie nun zusätzlich einen alternativen Vorschlag vorlegen, schreibt Samanta Siegfried.

Das Saarland gilt jetzt als fair: Nach mehr als 900 Fairtrade Towns ist es als erstes Bundesland Fairtrade-zertifiziert. Die Meinungen gehen auseinander, ob das dem fairen Handel dient oder nicht nur dem Image des Saarlands, berichtet Claudia Mende.

Was Sie verpasst haben könnten

"Es geht darum, die Gesellschaft zu spalten“: Viele Errungenschaften, etwa zu Gleichberechtigung und Vielfalt, werden gerade infrage gestellt oder zurückgedreht. Der Sozialwissenschaftler Jerker Edström erklärt, warum Populisten und Rechtsextreme Minderheiten dämonisieren.

„Erfahrene Institutionen werden zur Seite gedrängt“: Humanitäre Hilfe wird nicht mehr nur von den UN und NGOs geleistet, sondern inzwischen verstärkt von privaten Firmen. Welche Gefahren das birgt und ob politische Einflussnahme dahinter steckt, erklärt Ralf Südhoff, Direktor des Centre for Humanitarian Action. 

Noch immer interessant

Paul Biya hat mit 92 Jahren noch einmal die Präsidentschaftswahl in Kamerun gewonnen – oder richtiger, die ihm wohlgesonnene Wahlkommission hat ihn zum Sieger erklärt. Ob er im biblischen Alter wirklich noch regiert? Das muss man sich schon lange fragen: Markus Spörndli hat schon 2019 geschildert, dass sich Biya lieber in einem Luxushotel in Genf aufhielt als in dem Land, dessen Staatschef er seit 1982 ist. Die Hotelleitung räumte dann immer ein ganzes Stockwerk für ihn und sein Gefolge, was den Staat Kamerun Millionen kosten musste. Noch immer lesenswert!

Mitmachtipp

Eine Stimme für Bäume: Um die tropischen Regenwälder zu schützen, kommt es auf alle an, betont die Tropenwaldstiftung OroVerde. Mit ihrer Kampagne „Wenn Bäume sprechen könnten“ ruft sie auf, an heimischen Bäumen auf den Wert des Regenwalds hinzuweisen. Unser "Mitmachen" im Oktober. 

Buchtipp

Viele Fragen, wenige Forderungen:  Ein Rezept dafür, wie die Ernährung der Welt wirklich funktioniert, präsentiert Vaclav Smil in seinem Buch mit diesem Titel nicht – äußert sich aber in Bezug auf die Zukunft dennoch zuversichtlich. Als Fakten-Guide betitelt beantwortet das Buch viele Fragen, auf die man selbst kaum gekommen wäre, schreibt unsere Rezensentin Anja Ruf. Allerdings stecke in seinen Forderungen und Thesen wenig Neues. 

Aus unserem Partnernetzwerk

Wir kooperieren mit anderen Organisationen, die sich mit Ländern und Themen des globalen Südens beschäftigen. Auf unserer Startseite im Kasten „Aus unserem Partnernetzwerk“ finden Sie Hinweise auf aktuelle Meldungen und Artikel unserer Partner. Die Stiftung Asienhaus schreibt über die Hintergründe des Grenzkonflikts zwischen Thailand und Kambodscha. Und die Infostelle Peru informiert darüber, dass viele Indigene den neuen Präsidenten José Jerí nicht unterstützen. Schauen Sie mal rein! 

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