Liebe Leserinnen, liebe Leser,
können Sie sich daran erinnern, wann bei Ihnen das letzte Mal der Strom ausgefallen ist, sagen wir für länger als fünf Minuten? Ich nicht. In einem Land wie Deutschland mit flächendeckendem Netz, das reibungslos funktioniert, sind Blackouts extrem selten. Wenn sie trotzdem passieren, sorgen sie für großes Durcheinander. In manchen anderen Ländern hingegen sind die Menschen gewohnt, dass das Licht immer mal wieder ausgeht oder der Computer nicht funktioniert.
Und dann gibt es noch Regionen, in denen viele Menschen gar keinen Zugang zu Elektrizität haben und bei Kerzenschein lesen und auf Holzfeuer oder mit Kohle kochen müssen. Wo liegen die Länder, in denen mehr als ein Drittel der Bevölkerung keinen Strom hat? Fast ausnahmslos in Afrika. Die Karte, die das zeigt, finden Sie im Artikel von Bernd Ludermann, der noch einige weitere interessante Fragen zum globalen Energiesystem beantwortet – etwa die, ob der Umbruch zu grüner Energie unaufhaltsam ist oder nicht.
Für Indonesien, wo fast der gesamte Strom aus Kohlekraftwerken kommt, ist der Weg dahin noch lang. Nithin Coca berichtet, wie Deutschland dem Land bei der Energiewende hilft. Uruguay bezieht seinen Strom heute schon komplett aus erneuerbaren Quellen; Wolfgang Ecker erklärt, warum das trotzdem nicht immer klimaschonend ist. Und der Ökonom Moussa P. Blimpo plädiert im Interview dafür, in Afrika zuerst dort Versorgungslücken zu schließen, wo der Strom produktiv genutzt wird und Einkommen schafft – nicht bloß, um abends Licht zu haben.
Ständige Stromausfälle waren einer der Gründe für die Proteste vor allem junger Leute in Madagaskar, die dort zum Sturz der Regierung geführt haben, berichtet Solofo Randrianja. Der Misereor-Hauptgeschäftsführer Andreas Frick erläutert im Interview, wie das Hilfswerk mit Mittelkürzungen umgeht und was er von der Bundesregierung erwartet. Und ich habe auf einer Reise durch Brandenburg, Sachsen und Thüringen gesehen, wie dort Eine-Welt-Arbeit funktioniert: schwierig, aber mit der richtigen Einstellung keineswegs unmöglich.
Eine anregende Lektüre und eine schöne Adventszeit wünscht Ihnen