Was Ugandas Kaffeebauern von der EU-Entwaldungsverordnung halten

Liebe Leserin, lieber Leser,

vieles, was sich die Europäische Union in ihren Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zum Schutz von Umwelt und Menschenrechten ausgedacht hat, wird seit Monaten wieder infrage gestellt, abgeschwächt oder sogar gestoppt. Zum Beispiel die EU-Verordnung zu entwaldungsfreien Lieferketten. Die hat das Europäische Parlament gestern um ein weiteres Jahr verschoben - die Verordnung tritt nun erst Anfang 2027 in Kraft. Umweltorganisationen kritisieren das, während die Kaffeebauern in Uganda ganz froh sind über den Aufschub, berichtet Monika Hoegen. So haben sie mehr Zeit, sich darauf vorzubereiten und die Kaffeeproduktion transparent und umweltfreundlich zu gestalten. Dass sie das tun müssen, sehen sie nicht als Zumutung, sondern als Chance. Insofern stehen die ugandischen Bauern hinter den Zielen der EU-Verordnung und werden sie weiter verfolgen, egal ob Brüssel daran festhält oder nicht.

Eine anregende Lektüre und einen schönen ersten Advent wünscht Ihnen

Neu auf "welt-sichten"

Abtreibung mit Bleichmittel: Viele Frauen in Kenia, die ungewollt schwanger wurden, stehen ohne Hilfe da. Weil sichere Abtreibungen in den ärmsten Vierteln Nairobis unerreichbar sind, sind gefährliche und manchmal tödliche Methoden weit verbreitet, berichtet Sofi Lundin.

Querbeet mit dem Rotstift: Das Entwicklungsministerium (BMZ) muss auch im nächsten Jahr mit weniger Geld auskommen. Während bei der Ernährungssicherung und dem Wiederaufbau nach Krisen teils deutlich gespart wird, gibt es für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft sogar mehr. Marina Zapf hat alle wichtigen Zahlen.

Gespaltene Anglikaner: Der Streit um die Sexualethik droht die anglikanische Weltgemeinschaft zu zerreißen. Der Auslöser ist, dass eine als liberal bekannte Bischöfin Oberhaupt der Church of England und damit der Anglikaner weltweit werden soll, erklärt Katja Dorothea Buck.

Österreich lässt Klima-NGOs hängen: Entwicklungspolitische Organisationen kritisieren, dass für dieses Jahr angekündigte Fördermittel nicht ausgezahlt wurden. Das behindert laufende Vorhaben zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel, berichtet Milena Österreicher.

Was Sie verpasst haben könnten

Zurück in die Trümmer: Unser Bundeskanzler findet, Syrer hätten keinen Grund mehr, in Deutschland Schutz zu suchen. Meret Michel hat das Land besucht und zeigt mit ihrem Bericht, dass Merz es sich hier wieder einmal zu einfach macht. 

Nehmt die Reichen in die Pflicht: 30 Jahre nach dem ersten UN-Weltsozialgipfel fand Anfang November in Doha der zweite statt. Die Abschlusserklärung enthält viele Versprechen, aber keine Zusagen. Dabei wären mutige Reformen nötig, kommentiert Melanie Kräuter.

Noch immer interessant

Im Gipfelmarathon der vergangenen drei Wochen ist das Spitzentreffen zwischen Afrikanischer und Europäischer Union nach der UN-Klimakonferenz COP 30 und dem G20-Treffen fast vollständig untergegangen. Schlimm? Nicht wirklich, denn viel herausgekommen ist beim AU-EU-Gipfel in der angolanischen Hauptstadt Luanda Anfang dieser Woche nicht. Da wurde einmal mehr versichert, wie wichtig Europa für Afrika und Afrika für Europa sei, und auf gute Zusammenarbeit auf allen möglichen Politikfeldern angestoßen. Ganz oben auf der Tagesordnung steht seit Jahren das Thema Migration, und auch wenn jetzt wieder einmal "maßgeschneiderte Lösungen" im beiderseitigen Interesse beschworen wurden, wird es hier wohl auch in Zukunft ordentlich knirschen. Denn die EU und ihre Mitglieder tun alles, um Afrikanerinnen und Afrikaner fernzuhalten - verweigern Visa, lassen sie in elenden Lagern in Libyen im Stich oder im Mittelmeer ertrinken. Wie sähe eine Migrationspolitik aus, von der wirklich beide Seiten profitieren, Afrika und auch Europa? Das haben wir vor knapp einem Jahr Paddy Siyanga von der Progressive Migration Group gefragt. Ihre Antworten sind immer noch lesenswert. 

Buchtipp

Zukunft der Ernährung: Fünf Jahre noch, dann sollen die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung erreicht sein. Einem davon, der Überwindung von Hunger, widmet sich ein internationales Forscherteam der London School of Economics mit Fokus auf Afrika in einem neuen Sammelband. Rita Schäfer fasst die wichtigsten Punkte zusammen.

Aus unserem Partnernetzwerk

Wir kooperieren mit anderen Organisationen, die sich mit Ländern und Themen des globalen Südens beschäftigen. Auf unserer Startseite im Kasten „Aus unserem Partnernetzwerk“ finden Sie Hinweise auf aktuelle Meldungen und Artikel unserer Partner. So hat das Magazin "Südostasien" in seiner aktuellen Ausgabe zum Thema "Männlichkeiten und Demokratisierung" mit der Aktivistin Nandar aus Myanmar über Geschlechterrollen, militarisierte Männlichkeiten und Feminismus gesprochen. Und die Infostelle Peru berichtet, dass ein Tochterunternehmen des Schweizer Bergbaukonzerns Glencore wegen gravierender Umweltzerstörung zu einem Bußgeld verurteilt wurde.

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