Liebe Leserinnen, liebe Leser,
hier bei uns funkelt jetzt überall die elektrische Weihnachtsbeleuchtung. Welch eine Errungenschaft eine gute und zuverlässige Stromversorgung ist, liest man in unserer neuen Ausgabe mit dem Schwerpunkt Energie. So haben in Subsahara-Afrika 666 Millionen Menschen keinen Zugang zu Strom oder Gas, Kinder müssen bei Kerzenlicht Hausaufgaben machen und es wird auf Holzkohle gekocht, deren Rauch gesundheitsschädlich ist. Anderswo hat sich der Zugang zu Strom stark verbessert, aber auf Kosten von mehr Treibhausgasen, erklärt der Text von Bernd Ludermann: Vier Fünftel des wachsenden globalen Energiehungers werden mit fossilen Energieträgern gedeckt. Zwar geht die Energiewende voran, angetrieben besonders von China. Das Land hat 2024 mehr Windkraft und Photovoltaik installiert als der Rest der Welt zusammen und exportiert Solaranlagen zu Niedrigpreisen in Entwicklungsländer. In dem Text erfahren Sie auch, ob das einen Umbruch im Weltenergiesystem bringt und welche weltpolitischen Folgen es haben kann.
Eine aufschlussreiche Lektüre wünscht Ihnen
Mich macht es fassungslos, wie normal inzwischen eine völlig verrohende Sprache von Politikern zu sein scheint. Jüngstes Beispiel: Donald Trump beschimpft öffentlich Somalier als „Müll“, den er nicht in „unserem Land“ haben will. Auch die demokratisch gewählte somalischstämmige Kongressabgeordnete Ilhan Omar hat er mit diesen Worten beleidigt. Schlimmer als dieser offene Rassismus ist noch, dass Trump damit durchkommt: Dieser Mann kann scheinbar sagen und anordnen, was er will, ohne dass es für ihn irgendwelche nachteiligen Folgen hat – außer vielleicht schlechtere Umfragewerte. Nun weiß man, dass die christlichen Werte, auf die Donald Trump sich immer wieder beruft, ihm eigentlich völlig fremd sind. Aber leider gibt es auch in Deutschland und vor allem bei Unionspolitikern, die das „christlich“ in ihrem Parteinamen tragen, etliche sprachliche „Ausfälle“. Als vergangenen Samstag in Gießen 20.000 bis 30.000 Menschen – laut Bilanz der Stadt mehrheitlich friedlich – gegen die Gründung der neuen Jugendorganisation der AfD demonstriert hatten, sprach Jens Spahn, Fraktionschef der Union, in der Sendung von Caren Miosga von einem „linken Mob auf der Straße (und extremen Rechten im Saal)". Dabei hatten kirchliche Organisationen, Gewerkschaften, Kulturverbände, aber auch Parteien - SPD, Grüne, Linke, FDP und Volt - sowie der Fahrgastverband „Pro Bahn“ zu den Demonstrationen aufgerufen. Die alle dem Linkspopulismus zuzuordnen, wie es auch der Kanzler getan hat, ist realitätsfremd und zeigt, dass Merz und Spahn die Ängste in der Gesellschaft vor der Normalisierung des Rechtsextremismus nicht ernst nehmen und nichts dagegen tun. Übrigens hat Jens Spahn in der besagten Sendung auch gesagt, dass die „deutsche Gesellschaft so polarisiert ist wie selten“. Damit mag er recht haben, aber er selbst sowie der Kanzler und auch Innenminister Dobrindt tragen mit ihrem Schubladen-Denken sowie der Gut-Böse-Rhetorik dazu ein Gutteil bei.
Wien arbeitet an einer Afrikastrategie: Die österreichische Regierung will die Beziehungen zu Afrika auf eine neue Grundlage stellen. Ziel ist es, die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu dem Kontinent auszubauen. Manche Fachleute fürchten, dass dabei die Menschenrechte in den Hintergrund geraten. Milena Österreicher berichtet.
Wer, wo, was? Achim Steiner ist als Chef des UN-Entwicklungsprogramms UNDP ausgeschieden. Die frühere Entwicklungsministerin Svenja Schulze wurde zur ersten Präsidentin der Hilfsorganisation Help gewählt, und Mohamed Javid Abdelmoneim ist neuer Präsident von Ärzte ohne Grenzen. Unsere Personalmeldungen im Dezember.
„Manchmal verzweifle ich ein bisschen“: Friedensarbeit erfordert eine Menge Geduld, erklärt Ali Al-Nasani, Geschäftsführer vom internationalen christlichen Friedensdienst EIRENE, im Fünf-Fragen-Interview. Denn es gelte immer wieder, sich gegen Machtstrukturen durchzusetzen.
"Man muss dranbleiben": Der Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids zeigt lebensrettende Erfolge, aber er ist noch lange nicht gewonnen. Unsere Korrespondentin Birte Mensing war anlässlich des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember zu Besuch in einer Klinik im kenianischen Slum Kibera (mit Video).
Ugandas Kaffeebauern gehen voran: Die Europäische Union verschiebt ihre Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten um ein weiteres Jahr. Die Kaffeebauern in Uganda finden die Verordnung prinzipiell gut und stellen sich bereits auf die neuen Vorgaben ein. Etwas mehr Zeit dafür ist ihnen aber willkommen, berichtet Monika Hoegen.
Wo Abtreibung tödlich sein kann: In Kenia werden viele Frauen ungewollt schwanger und stehen ohne Hilfe da. Weil sichere Abtreibungen in den ärmsten Vierteln Nairobis unerreichbar sind, sind gefährliche und gesundheitsschädliche Methoden gang und gäbe. Sofi Lundin hat mit Betroffenen gesprochen.
Am Samstag ist Nikolaustag: Von jetzt an und an Weihnachten werden wieder massenweise Schoko-Nikoläuse und Schoko-Weihnachtsmänner verschenkt. Nichtstaatliche Organisationen machen unermüdlich darauf aufmerksam, dass viele Arbeiterinnen und Arbeiter auf Kakaoplantagen von großen Konzerne wie Nestlé und Mars ausgebeutet werden. Dass es auch anders geht, zeigt der Artikel von Jonas Gerding aus Angola aus dem vergangenen Jahr. Das Land im Süden Afrikas, das 95 Prozent seiner Exporterlöse mit dem Verkauf von Öl und Gas erzielt, hat sich entschieden, in einer Provinz den Anbau von Kakao zu unterstützen, um die örtliche Schokoladenproduktion voranzubringen, Jobs zu schaffen und Wege aus der Rohstoffabhängigkeit zu finden. Noch immer interessant!
Von Hilfskürzungen verursachter Tod: Die Schließung von USAID durch Donald Trump und damit das Ende von Hilfe für Millionen Menschen hat schon 600.000 Leben gekostet, zwei Drittel davon Kinder, schreibt der Chirurg und Autor Atul Gawande im "New Yorker". Zu sehen gibt es auch einen Dokumentarfilm, der angesichts des vermeidbaren Leids fassungslos macht.
Südostasien erlebt verheerende Fluten: Das hat mehrere Ursachen, erklärt "Eco-Business". Wetterschwankungen bringen infolge des Klimawandels beispiellose Regenmengen; und in Sumatra, wo es die meisten Todesopfer gab, verschlimmert Abholzung die Folgen.
Afrikas reichste Familien: Ihnen gehören Goldminen, Konzerne, Tourismusketten oder Tech-Unternehmen. Sie sind in Politik und Wirtschaft aktiv. Der "Business Insider" stellt die reichsten und einflussreichsten Familien Afrikas vor.
Podcasttipp: Kabul geht rapide das Wasser aus. Ein Podcast von Global Dispatches schildert die dramatische Wasserknappheit in Afghanistans Hauptstadt und erklärt die Ursachen: Klimawandel, verfallene Infrastruktur, regellose Brunnenbohrungen und das Bevölkerungswachstum – befördert von Massenabschiebungen etwa aus Pakistan und dem Iran – erschöpfen die Vorräte schnell. Der hörenswerte Bericht geht auch darauf ein, was international dagegen getan werden könnte.
Die Kriegstreiber von außerhalb: Wie ausländische Mächte auf Konflikte in Afrika einwirken, verändert sich seit zehn Jahren – und das neue Muster der Interventionen fördert Putsche und Kriege, so eine neue Studie, die sich Bernd Ludermann angeschaut hat.
Noch einmal Schokolade: Eine Untersuchung von Global Witness zeigt, dass die großen Schokoladenkonzerne die Abholzung des Regenwaldes in Liberia vorantreiben.
In der Weihnachtszeit sind politische Veranstaltungen eher rar. Aber vielleicht lohnt sich in diesen Wochen ein Kinobesuch: In ihrem sehr persönlichen Dokumentarfilm "Tata" beleuchten Lina Vdovîi und Radu Ciorniciuc die Folgen von Gewalt und Ausbeutung. Die Journalistin aus Moldau und ihr rumänischer Ehemann reisen nach Italien, um ihrem einstmals gewalttätigen Vater zu helfen, der nun selbst von seinem Arbeitgeber misshandelt wird. Unser Rezensent Reinhard Kleber empfiehlt den preisgekrönten Film, der ab heute in den deutschen Kinos läuft.