Liebe Leserinnen und Leser,
Kürzungen fast überall: Die USA haben ihre Entwicklungshilfe unter Präsident Donald Trump praktisch abgewickelt – ausgenommen die Kreditagentur, die aber künftig auch Auslandsinvestitionen in reichen Ländern fördern soll. Und viele Länder Europas, darunter Deutschland, die Schweiz und Schweden, kürzen ihre Entwicklungsetats zugunsten von Aufrüstung, wenn auch weniger radikal als die USA. Hat die öffentliche Entwicklungshilfe überhaupt noch eine Zukunft? Nicht in ihrer bisherigen Form, schreibt die indische Ökonomin Jayati Gosh. Doch das alte Hilfsmodell war für sie ohnehin mangelhaft. Gosh plädiert für ein ganz neues Konzept, nach dem Staaten aus Nord und Süd globale öffentliche Güter wie den Schutz vor Pandemien gemeinsam finanzieren – alle nach ihren Möglichkeiten. Mit der schlichten Trennung in Industrie- und Entwicklungsländer soll Schluss sein. Gosh ist überzeugt: Das alte System ist nicht zu retten – neue Ideen sind gefragt.
Anregende Lektüre wünscht
Unter Generalverdacht: Muslime haben in Indiens Bundesstaat Assam seit langem mit Verdächtigungen und Ausbürgerungsversuchen zu kämpfen. Unter der hindu-nationalistischen Regierung weitet sich das nun auf ganz Indien aus – bis hin zu Deportationen, schreibt Abishek Saha.
Mit devoten Grüßen an J.D. Vance: Die EU hat ihr Lieferkettengesetz entkernt. Das ist dem Rechtstrend in Europa und Rufen aus europäischen Firmen zu verdanken, aber auch dem Druck von US-Konzernen und der US-Regierung, kommentiere ich.
Kritische Stimmen unerwünscht? Angesichts von knappen Kassen und dem Rechtsruck in Gesellschaft und Politik gerät in Deutschland die zivilgesellschaftliche Eine-Welt-Arbeit zunehmend unter Druck, berichtet Claudia Mende.
Dialog statt Raketen gefragt: US-Präsident Trump droht, in Nigeria einen „Genozid an den Christen“ militärisch zu stoppen. Bischöfe dort begrüßen, dass er die Gewalt zum internationalen Thema macht. Zugleich fordert die Deutsche Bischofskonferenz Differenzierung und Dialog, schreibt Katja Dorothea Buck.
Mit welcher Energie zu Wohlstand? Der Zugang zu Strom hat sich außer in Subsahara-Afrika stark verbessert, aber auf Kosten von mehr Treibhausgasen. Welche Energien Entwicklung antreiben, ob hier ein Umbruch im Gang ist und was das mit Weltpolitik zu tun hat, erkläre ich in der Einleitung zu unserer neuen Ausgabe mit dem Schwerpunkt Energie.
„Manchmal verzweifle ich ein bisschen“: Friedensarbeit erfordert eine Menge Geduld, sagt Ali Al-Nasani, Geschäftsführer vom internationalen christlichen Friedensdienst EIRENE, im Fünf-Fragen-Interview. Immer wieder müsse man sich gegen Machtstrukturen durchsetzen.
Kein Frieden im Ostkongo: Ruanda und die Demokratische Republik Kongo haben vor wenigen Tagen unter dem Druck der USA ein Friedensabkommen geschlossen – doch die von Ruanda unterstützten M23-Rebellen rücken im Ostkongo weiter vor. Warum die Friedensinitiative der USA aus dem Frühjahr mangelhaft war, kann man in meinem Kommentar vom Mai nachlesen. Und Frederic Mousseau hat schon im Februar gefordert, Ruanda unter Druck zu setzen und ihm insbesondere keine Rohstoffe abzukaufen, die offenbar aus dem Kriegsgebiet im Kongo stammen. Auch wenn die EU inzwischen einige Personen und eine Goldfirma in Ruanda sanktioniert: Leider noch immer lesenswert.
Gegen das Abfackeln: Vor fünf Jahren haben Aktivistinnen der ecuadorianischen NGO „Kriegerinnen für Amazonien“ und weitere Umweltschutzorganisationen dagegen geklagt, dass die staatliche Ölindustrie im Amazonasgebiet Gas abfackelt. Trotz Gerichtsurteil brennen die Abfackelanlagen noch immer. Nun unterstützt Amnesty die Aktivistinnen mit einer Petition. Unser „Mitmachen“
Wir kooperieren mit anderen Organisationen, die sich mit Ländern und Themen des globalen Südens befassen. Auf unserer Startseite im Kasten „Aus unserem Partnernetzwerk“ finden Sie Hinweise auf aktuelle Meldungen und Artikel von ihnen. Der aktuelle Rundbrief unseres neuen Partners, dem Forum Umwelt und Entwicklung, beschäftigt sich mit den zunehmenden Angriffen auf die Zivilgesellschaft und „Shrinking Space“. Und die WÖK/KASA berichtet, dass ein südafrikanischer Aktivist gerade Beschwerde gegen den deutschen Chemiekonzern BASF eingereicht hat. Er beruft sich dabei auf das deutsche Lieferkettengesetz. Schauen Sie doch mal rein!