Liebe Leserin, lieber Leser,
mögen Sie Akupunktur? In mehr als hundert Ländern ist diese traditionelle Heilmethode zur Behandlung von Krankheiten gang und gäbe. So wie viele andere Anwendungen wie Yoga, Ayurveda oder Qi Gong, die bei uns eher unter Wellness und Lifestyle fallen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO anerkennt traditionelle Methoden und Mittel wie Tinkturen und Tees, wenn ihr therapeutischer Nutzen erwiesen ist, berichtet meine Kollegin Barbara Erbe in ihrem Artikel. Wobei dieser Nachweis nicht immer mittels klinischer Studien erbracht werden muss, sondern auch auf Erfahrung und Beobachtungen ruhen kann.
Den Verfechtern traditioneller Medizin geht es gar nicht um einen Ersatz für wissenschaftlich fundierte Schulmedizin, schreibt Barbara Erbe. Vielmehr sollten beide miteinander verzahnt werden und sich gegenseitig ergänzen. Damit befasst sich auch der WHO-Gipfel zur traditionellen Medizin diese Woche in Neu-Delhi. Wie wäre es also bei der nächsten Erkältung zunächst mit einem Kräutertee statt 400 Milligramm Ibuprofen?
Ich wünsche Ihnen ein schönen 4. Advent ohne Schnupfen und andere Blessuren.
So richtig weihnachtlich zumute wird mir angesichts der Politik unserer Bundesregierung gerade nicht. Sie lässt gefährdete Afghaninnen und Afghanen im Stich, denen eigentlich die Aufnahme in Deutschland zugesagt wurde. Sie ignoriert Deutschlands Verpflichtungen im Umsiedlungsprogramm des UN-Flüchtlingswerks, bei dem besonders schutzbedürftige Männer, Frauen und Kinder aus Flüchtlingslagern geholt und anderswo untergebracht werden. Zwei Familien aus dem Sudan haben sich nun vor Gericht die Aufnahme in Deutschland erstritten. Geholfen hat ihnen dabei die Organisation Pro Asyl. Gut, dass es solche Initiativen gibt, die so gut es geht einspringen, wenn der Staat versagt oder sich vor seiner Verantwortung drückt.
Das gilt auch für die humanitäre Hilfe. Die hat die Koalition aus SPD und CDU/CSU dieses Jahr halbiert. Die Zahl von Migranten und Flüchtlingen reduzieren wollen und zugleich bei der Hilfe für Menschen in Kriegs- und Krisengebieten sparen: dass das nicht zusammenpasst, so weit reicht die Fantasie von Merz, Klingbeil, Dobrindt und Co offenbar nicht. Wohl aber bei fünf Abgeordneten der Fraktion der Grünen. Frustriert davon, dass sie die heftige Kürzung der humanitären Hilfe im Bundestag nicht verhindern konnten, rufen sie nun zu Spenden für die zivilgesellschaftliche "Aktion Deutschland Hilft" auf. Bis Heiligabend können Sie hier spenden. Für jede Spende ab zehn Euro geben die fünf Grünen jeweils ein Euro dazu, also insgesamt fünf Euro. Vergessen wir die Regierung und sorgen selbst dafür, dass uns etwas weihnachtlich zumute wird.
Für starke ukrainische Kommunen: Die deutsche Entwicklungspolitik unterstützt dezentrale Verwaltungsstrukturen, etwa in Asien und Afrika. In der Ukraine hat sich das nach dem russischen Angriffskrieg besonders bewährt, berichtet Marina Zapf.
OECD-Mindeststeuer paradox: In der Schweiz fließen drei Viertel der Mehreinnahmen aus der globalen Mindeststeuer an die Kantone - und die geben einen Großteil davon an die Konzerne weiter, die mit der Steuer eigentlich zur Kasse gebeten werden sollen. Meret Michel hat die Hintergründe.
Vergiftetes Angebot aus Washington: Nach der Zerstörung von USAID lockt die Trump-Regierung Afrika mit neuen entwicklungspolitischen Abkommen. Die entpuppen sich bei genauerer Betrachtung allerdings als unvernünftig und unverschämt, kommentiere ich.
Bäume für den Arztbesuch: In einer Klinik im Westen Borneos in Indonesien bezahlen Patienten die Behandlung mit Saatgut und Setzlingen. Denn die Klinik will nicht nur Menschen kurieren, sondern auch dem Raubbau an den Wäldern entgegenwirken. Eine weitere Folge aus unserer Serie "Was tut sich in ...?"
Die Entwicklungshilfe ist tot! Es lebe die Investition in globale öffentliche Güter. Schreibt die indische Ökonomin Jayati Gosh. Schluss mit der alten Nord-Süd-Hilfe, die es ohnehin nie so gebracht habe. Die Zukunft liegt in länderübergreifender finanzieller Zusammenarbeit, zu der alle beitragen, schreibt Gosh.
Unter Generalverdacht: Muslime haben in Indiens Bundesstaat Assam seit langem mit Verdächtigungen und Ausbürgerungsversuchen zu kämpfen. Unter der hindu-nationalistischen Regierung weitet sich das nun auf ganz Indien aus – bis hin zu Deportationen, schreibt Abishek Saha.
Mit devoten Grüßen an J.D. Vance: Die EU hat ihr Lieferkettengesetz entkernt. Das ist dem Rechtstrend in Europa und Rufen aus europäischen Firmen zu verdanken, aber auch dem Druck von US-Konzernen und der US-Regierung, kommentiert Bernd Ludermann.
Haben Sie alle Weihnachtsgeschenke zusammen? Nein? Sehr gut. Gehen Sie nicht einkaufen, bleiben Sie zu Hause und lesen Sie stattdessen ein Buch. Oder die aktuelle Ausgabe von "welt-sichten". Sie wollen aber einkaufen? Dann aber bitte keine neuen Klamotten, die wahrscheinlich ohnehin nur im Schrank liegen werden, kaum getragen, und irgendwann in den Müll oder die Altkleidersammlung wandern. Der Anteil der Hosen, die weniger als ein Jahr im Schrank bleiben, ist seit 2015 von sechs auf elf Prozent gestiegen. Bei Jacken und Mänteln hat sich der Anteil laut einer von Greenpeace beauftragten Umfrage sogar von zwei auf acht Prozent vervierfacht. Fast Fashion nennt man das. Was dahintersteckt und welche Folgen für die Gesundheit der Textilarbeiterinnen und für die Umwelt dieser traurige Trend hat, hat meine Kollegin Melanie Kräuter vor drei Jahren aufgeschrieben. Noch immer lesenswert - gerade zur Weihnachtszeit.
Was Somalis in den USA fühlen: US-Präsident Trump hat aus Somalia stammende Zuwanderer unlängst als "Abfall" bezeichnet, den er nicht in seinem Land haben wolle. Unter den Somalis in den USA, von denen einige Trump sogar als Hoffnungsträger gesehen haben, hat das die Furcht vor Diskriminierung und Verfolgung genährt, berichtet Abdalle Ahmed Mumin in "The New Humanitarian".
Milliarden für die KI-Landwirtschaft: Die Gates-Stiftung will in den kommenden vier Jahren 1,4 Milliarden US-Dollar in KI-gestützte Wettervorhersagen und ähnliche Hightech-Anwendungen für Bauern im globalen Süden stecken. Fachleute bezweifeln, dass denen das hilft, mit Extremwetter im Klimawandel umzugehen, berichtet "Devex".
Podcasttipp: Die Bundeszentrale für politische Bildung widmet die jüngste Folge ihres Podcasts zu „Aus Politik und Zeitgeschichte“ der Lage in Syrien ein Jahr nach dem Sturz von Baschar al-Assad. Die Journalistin und Syrienexpertin Kristin Helberg schildert die wirtschaftliche Lage und die politischen Konflikte im Land und erklärt das Vorgehen des neuen Präsidenten. Sehr hörenswert!
Asiens kostbares Nass: Die Versorgung mit sauberem Wasser hat sich in den meisten Ländern Asiens deutlich verbessert. Gleichzeitig haben sich die Verschmutzung natürlicher Gewässer und der Raubbau an der Natur, der die Wassersicherheit gefährdet, verschärft. Zu diesem Befund kommt ein Bericht der Asiatischen Entwicklungsbank, den Bernd Ludermann gelesen hat.
Klare Steueragenda aus Afrika: Anfang November fand in Nairobi die dritte Verhandlungsrunde zur UN-Steuerkonvention statt. Während die afrikanischen Staaten gut vorbereitet waren, hätten die Europäer Nachhilfe vertragen können, fasst das Global Policy Forum zusammen. Und wer die Position der Globalen NGO-Allianz für Steuergerechtigkeit im Detail nachlesen will, wird hier fündig.
Haiti wohin? Auf der Karibikinsel haben sich die mächtigsten Gangs zusammengeschlossen - als Antwort auf die neue UN-Truppe, die ihre Macht brechen und für Sicherheit sorgen soll. Droht eine weitere Gewalteskalation, unter der vor allem die Zivilbevölkerung leiden würde? Die Crisis Group erörtert die Lage und macht Vorschläge, wie das verhindert werden könnte.
Romantik und Feminismus: Angélica Lopes‘ Roman "Die Frauen der Familie Lopes" verbindet eine spannende Handlung mit den großen Themen des brasilianischen Feminismus, erzählt über ein Jahrhundert hinweg. Wer Spannung und Romantik sucht, ist hier gut bedient, findet unser Rezensent Sven Beck.