Liebe Leserinnen und Leser,
die Tigermücke überträgt Viren, die schwere, teils lebensgefährliche Krankheiten verursachen wie das Dengue-Fieber. Das Zika-Virus, mit dem diese Mücke vor zehn Jahren in Brasilien Tausende Menschen infizierte, galt aber zunächst als harmlos – die leichten Beschwerden, die es auslöst, gehen nach wenigen Tagen vorbei. Doch dann fanden Ärzte heraus, dass das Virus bei Schwangeren schwere Missbildungen des Embryos verursachen kann. Einige Tausend Kinder wurden damals mit Hirnschäden geboren und leben mit schweren Behinderungen. Sarah Fernandes hat einige besucht. In ihrer Reportage schildert sie, wie die Kinder und ihre Mütter heute leben und welche Hilfen sie vom Staat erstritten haben. Und sie erklärt, warum eine solche Epidemie wieder passieren und wie man dem vorbeugen kann.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.
Europa hat zwei Handelsabkommen über die Ziellinie gebracht, über die Jahrzehnte verhandelt und gestritten wurde: mit dem Mercosur in Lateinamerika und nun mit Indien. Das könnte man als Zeichen sehen, dass Handelsschranken weiter abgebaut und Volkswirtschaften noch enger verflochten werden. Tatsächlich sind diese Abkommen aber auch eine Reaktion darauf, dass dieser Trend sich umkehrt. Mit der Globalisierung sind viele Volkswirtschaften vom reibungslosen Funktionieren komplexer Liefer- und Finanzketten abhängig geworden, und das wird immer öfter als politisches Druck- und Erpressungsmittel eingesetzt. Nicht nur, aber vor allem von den USA. Die haben mit dem Dollar und ihrer dominierenden Rolle im Weltfinanzsystem einen besonders großen Hebel für wirtschaftlichen Zwang. Natürlich wurden Wirtschaftssanktionen schon immer genutzt, auch von Europa – zum Beispiel, um den Iran vom Bau einer Atombombe abzuhalten. Doch nun hat sich ihre Funktion grundlegend gewandelt, sagt der US-amerikanische Geoökonom Edward Fishman: Viele sollen nicht mehr kurzfristig andere Staaten zu spezifischen Verhaltensänderungen drängen, sondern auf Dauer die Macht von Rivalen schwächen. Die US-Sanktionen gegen China sind ein Beispiel – nur dass Peking hier mit der Kontrolle über einen Großteil der Weltproduktion an Selten-Erd-Metallen eigene Erpressungsmittel besitzt und sich damit wehrt. Auch Europa ist hierfür verwundbar. Fishman erwartet, dass international tätige Firmen sowie Staaten nun mehr auf sichere statt auf möglichst billige Lieferketten setzen, etwa auf mehrere Lieferländer. Auch deshalb hat es Europa nun eilig, den Handel mit Indien und Lateinamerika per Vertrag auszubauen. Was die geopolitische Zeitenwende in der Weltwirtschaft auslöst, ist kaum absehbar, aber es dürfte schwerwiegend sein.
Viel Geld für wenig Waldschutz: Der Tropenwaldfonds, den der Klimagipfel in Belém beschlossen hat, gilt als ein Lichtblick. Das ist bei näherem Hinsehen zweifelhaft. Problematisch ist sowohl, wie das Geld aufgebracht wird, als auch seine Verwendung, meint Georg Schäfer.
Unter der Knute der M23-Rebellen: Seit einem Jahr kontrolliert die von Ruanda unterstützte Truppe die Millionenstadt Goma im Osten des Kongo und terrorisiert die Bevölkerung, berichtet Constantin Leclerc vom Evangelischen Pressedienst.
Wegweisende Notlösung: Seit Kurzem erlaubt die thailändische Regierung Geflüchteten aus Myanmar, offiziell im Land zu arbeiten. Gut so: Das hilft den Geflüchteten ebenso wie der Wirtschaft des Landes, kommentiert Barbara Erbe.
Vom Hudson an den Rhein: Das UN-Entwicklungsprogramm UNDP soll aus New York nach Bonn umziehen. Dass feiern deutsche Politiker als Vertrauensbeweis. Für die Weltorganisation ist der Umzug eher aus der Not geboren, berichtet Marina Zapf.
Keine Behandlung möglich: Wer in Gaza an Krebs erkrankt war, hatte nur in Ostjerusalem im Krankenhaus des Lutherischen Weltbunds auf dem Ölberg eine Chance auf Behandlung. Aber dorthin lassen die israelischen Sicherheitskräfte Patienten aus Gaza nicht mehr, berichtet Katja Dorothea Buck – eine der vielen alltäglichen, tragischen Folgen des Gaza-Krieges.
Ein guter Plan für die Entwicklungspolitik: Reem Alabali Radovans Reformkonzept ist wohltuend unaufgeregt, setzt vernünftige Prioritäten für Zeiten knapper Kassen und entgeht der Versuchung, die Entwicklungspolitik zu überfrachten, kommentiert Tillmann Elliesen.
Vertreibung der Armen: Mit Schwimmbaggern hat die Regierung der nigerianischen Metropole Lagos Ende Januar zahlreiche Holzhütten in Makoko zerstört. In dieser auf Pfählen gebauten informellen Siedlung in der Lagune wohnten geschätzt 30.000 Menschen, viele als Fischer – und viele stehen jetzt vor dem Nichts, berichtet der "Guardian". Das hat sich abgezeichnet: Dass die Behörden Makoko und andere Armenviertel loswerden wollen und dazu auf Gesundheitsgefahren verweisen, gegen die sie selbst nie etwas tun, hat schon vor zehn Jahren Sam Olukoya für uns berichtet. Und auch, was eine sinnvolle Alternative zu solchen Vertreibungen wäre: schwimmende Häuser.
Absurdes Gewalttheater: Die USA haben in Nigeria zu Weihnachten Bomben abgeworfen und nach eigenen Angaben ranghohe Islamisten getötet, um Christen vor Verfolgung zu schützen. Unsinn, sagt die Nigeria-Expertin Amaka Anku: Nigerias Regierung hat die USA ein fast menschenleeres Gebiet bombardieren lassen. Welche unterschiedlichen Kalküle beider Regierungen zu der Inszenierung geführt haben und wo das Vorgehen für Nigeria riskant ist, nimmt Anku im Podcast von "Global Dispatches" auseinander. Spannend wie ein Polit-Krimi.
Funktionierender Multilateralismus: Das neue UN-Hochseeabkommen tritt in Kraft – eine völkerrechtliche Grundlage für eine nachhaltige Nutzung der Hohen See und den Schutz ihrer Artenvielfalt, berichtet "ConversationUK".
Kohle für die Energiewende: Der Nickelbedarf für Batterien und Magnete wächst rasant. Der weltgrößte Nickelproduzent Indonesien baut daher speziell für die Bergwerke Kohlekraft enorm aus – trotz auch aus Deutschland unterstützter Energiewende im Stromnetz, schreibt "Eco-Business".
Untaugliches Vorgehen: In Libyen wollen westliche Regierungen einen stabilen Frieden fördern. Doch das kann ohne tiefgreifende Wirtschaftsreformen nicht gelingen, analysiert eine Studie von Chatham House. Ich stelle ihre Ergebnisse vor.
Wo das Ackerland verschwindet: In Tansania wird der fruchtbare vulkanische Boden weggespült, riesige Gräben entstehen. Forscher finden die Ursachen in Entwaldung und Übernutzung des Bodens und zeigen Landwirten Wege, das aufzuhalten – was sie jetzt ohne Hilfe des Staates aber nicht mehr können, schreiben sie in "ConversationUK".
Das 32. Afrika-Filmfestival beginnt heute in Frankfurt am Main. Bis zum 22. Februar zeigen das Filmforum Höchst und das Deutsche Filmmuseum zahlreiche Filme aus Afrika – neue und Klassiker, Spielfilme und Dokumentationen. Daneben gibt es ein Eröffnungskonzert am 31.1. sowie Lesungen und ein Kinderfest. Infos und Programm hier.