Wie geht es weiter im Iran?

Liebe Leserinnen, liebe Leser, 

nach jüngsten Berichten sind im Iran bei den Protesten im Dezember und Januar mindestens 7000 Menschen vom Regime getötet worden. Andere Menschenrechtsorganisationen gehen von noch höheren Zahlen aus. Die Massaker seien ein Zeichen dafür, dass das Regime Angst hat, schreibt unsere Autorin Fatemeh Hippler. Doch wie geht es im Iran jetzt weiter? Gibt es eine Opposition, die nach einem möglichen Sturz des Regimes bereitstehen würde? Leider nicht, schreibt Hippler. Weder in der Diaspora noch innerhalb des Landes existiere eine organisierte Opposition – "vor allem aufgrund der systematischen Unterdrückung der Zivilgesellschaft durch das Regime". Deswegen hoffen viele Iranerinnen und Iraner nun auf Rettung von außen: etwa durch Israels Premier Benjamin Netanyahu und US-Präsident Donald Trump oder den Sohn des früheren Schahs, Reza Pahlavi. Warum sie das für fragwürdig hält, erklärt Hippler ebenfalls. 

Außerdem: Unser neues Heft zum Thema Bildung ist erschienen. In der Einleitung dazu haben meine Kollegin Barbara Erbe und ich unter anderem aufgedröselt, wie sich Bildung überhaupt messen lässt, was sie für den Wohlstand eines Landes bedeutet und was sich bei der Mädchenbildung getan hat. 

Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre und ein wenig närrische Ablenkung von der trüben Weltlage - falls Sie denn Fasching, Fasnet oder Karneval feiern.   

Das bewegt die Redaktion

Die neue "welt-sichten"-Ausgabe ist gerade erschienen, aber wir arbeiten schon an den nächsten beiden. Während die Planungen für das Heft mit dem Schwerpunkt „Recht und Gerechtigkeit“ praktisch abgeschlossen sind, können Sie uns für die Juni-Ausgabe mit dem Thema „Klima und Konflikte“ gern noch Ihre Ideen und Anregungen schicken. Bis jetzt soll es darin unter anderem um kritische Wasserknappheit in Mexiko gehen, um Klimaanpassung als friedenspolitischen Ansatz sowie um die Frage, wie militärische Aufrüstung zur Erderhitzung beiträgt. Haben Sie noch weitere Vorschläge oder Ideen? Dann antworten Sie einfach auf diesen Newsletter oder schreiben Sie uns an newsletter@welt-sichten.org

Neu auf welt-sichten

Nur noch freiwillige Auflagen für die meisten Firmen: Der Bundestag debattiert über Änderungen am drei Jahre alten Lieferkettengesetz. Doch dieses wirkt und ist praktikabel, sagen zwei Organisationen und warnen, dass es damit in der Praxis bald ein Ende hat. Marina Zapf berichtet.

„Die Menschen berichten von extremer Gewalt“: Seit April 2023 kämpfen im Sudan die Rapid Support Forces gegen die sudanesische Armee um die Kontrolle über Land und Ressourcen. Der Krieg bringt Hunger und große Not. Bob Kitchen koordiniert die Nothilfe des International Rescue Committee und berichtet, wie es dort Hilfe leistet. Birte Mensing hat mit ihm gesprochen. 

Was die BMZ-Reform für Kommunen bedeutet: Die neue BMZ-Strategie weist Kommunen weiterhin eine wichtige Rolle in der Entwicklungspolitik zu. Dass sie deutsche Wirtschaftsinteressen stärker betont, kann dem kommunalen Entwicklungsengagement helfen, heißt es aus zwei Städten. Claudia Mende berichtet.

Die ADA spart bei der Projektförderung: Österreichische Entwicklungsorganisationen berichten von Planungsunsicherheit, Projektstopps und dem Verlust von Expertise, weil die Austrian Development Agency (ADA) Vorhaben nicht mehr fördert, schreibt Milena Österreicher.

„Dass die Wahlen stattfinden, ist Yunus‘ größter Erfolg“: Heute wird in Bangladesch ein neues Parlament gewählt. Das ist einer der größten Verdienste des Übergangspräsidenten Muhammed Yunus, der seit dem Sturz der Premierministerin Sheikh Hasina die Regierungsgeschäfte leitet. Über seine Bilanz und die Wahlen habe ich mit Philip Gain, Direktor der Organisation SEHD, gesprochen.

Schmerzlicher Wahlsieg der Rechten: In Costa Rica hat Laura Fernández die Präsidentschaftswahl klar gewonnen und im Parlament nun die absolute Mehrheit. Der Rechtpopulismus hat sich in einem Land durchgesetzt, das als erfolgreiches Gegenmodell dazu galt, kommentiert Lars Bedurke, Leiter der Bildungsabteilung von Brot für die Welt.

Was Sie verpasst haben könnten

„Die Gewalt ist ein Zeichen der Schwäche“: In Tansania hat die Regierung unter Präsidentin Samia Hassan die Proteste nach den Präsidentenwahlen im vergangenen Oktober brutal niedergeschlagen; es gab möglicherweise mehr als tausend Tote. Der tansanische Politikwissenschaftler Thabit Jacob erklärt die Hintergründe und gibt einen Eindruck von der aktuellen Lage im Land. 

Hoffen auf die Turbinen von Turkana: Ostafrika ringt um die Zukunft der Energieversorgung: Einige Länder setzen auf Sonnenkraft und Wind, andere weiter auf Öl und Gas, schreibt Gitonga Njeru. Konsens besteht darüber, dass der Ausbau nationaler Netze allein nicht reicht, um mehr Menschen mit Strom zu versorgen. Ein Text aus unserer Ausgabe "Vorsicht, Hochspannung!" 

Noch immer interessant

Annalena Baerbock hat in ihrer Funktion als Vorsitzende der UN-Generalversammlung vor einer Zahlungsunfähigkeit der Vereinten Nationen im Juli gewarnt. „Die UNO befindet sich in einer existenziellen Liquiditätskrise, da einige Mitgliedstaaten ihre Beiträge seit Jahren verspätet oder gar nicht zahlen“, sagte Baerbock am Dienstag in einer Rede im EU-Parlament in Straßburg. Vor allem die starken Kürzungen der USA von bisher 17 Milliarden auf 2 Milliarden US-Dollar bringen die UN in große finanzielle Schwierigkeiten. Wie wichtig der Multilateralismus ist – und auch, dass er nicht tot ist –, hat uns Betty Wainaina nach dem UN-Zukunftsgipfel im Herbst 2024 erklärt. Das Interview mit der Leiterin des Multilateral Reform Program am Center for International Cooperation an der New York University ist noch immer interessant.

Medienschau: Was andere berichten

Epsteins Arm nach Ostafrika: Sexualstraftäter Jeffrey Epstein reiste nach Afrika, stand in Kontakt mit ehemaligen Präsidenten – und besuchte Kenias Menschenhandel-Hotspot Malindi, schreibt Simone Schlindwein in der "taz".

Schon die Kleinsten lieben Schach: Lokale Vereine in Indien bieten Bildungsprogramme an und helfen Gemeinden dabei, das „Spiel der Könige“ zu einem Weg aus der Armut zu machen, berichtet "Reasons to be cheerful"

Nachahmenswerte Transformation: Loja, eine Stadt in den Anden Ecuadors, hat mit grünen Korridoren die Flut- und Hitzegefahr verringert, die Lebensqualität verbessert, Autos zurückgedrängt und den sozialen Zusammenhalt gestärkt. Schöne Reportage vom World Resources Institute

Denkfabrik: Was Fachleute sagen

Jugendproteste - stark vernetzt, schwach vereint: In vielen Ländern haben zuletzt vorwiegend junge Menschen gegen autokratische Regime protestiert – meist ohne zentrale Führung. Das hat Vor- und Nachteile, so eine neue Studie, die sich Barbara Erbe angeschaut hat.
 

Lässt der Klimawandel Hochhäuser einstürzen? Die Gefahr wächst, besonders an Küsten, wenn Meerwasser die Fundamente angreift, erklärt ein Ingenieur auf  "The Conversation". Auch stärkere Winde und Stürme werden für Hochhäuser zur Gefahr. 

Ausblick: Was demnächst ansteht

Der Ukraine-Krieg geht in das fünfte Jahr: Der Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe, Martin Keßler, will am 23. Februar um 18 Uhr bei einem Live-Gespräch mit Andrij Waskowycz, dem Leiter des Regionalbüros in Kyjiw, innehalten und nach vorn blicken. Laut Veranstalter soll es um folgende Fragen gehen: Welche Lebensrealitäten bestimmen den Alltag der Menschen in der Ukraine heute? Welche tiefgreifenden Veränderungen haben stattgefunden, und welche Risiken drohen im kommenden fünften Jahr, national, europäisch und global? Anmelden können Sie sich hier. 

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