Liebe Leserin, lieber Leser,
zweihundert Meter hoch ragt das Minarett der Hassan-II-Moschee an der Küste vor Casablanca in den marokkanischen Himmel. Das prächtige Gotteshaus ist eine Machtdemonstration, denn in Marokko sind der Islam und die Monarchie eng miteinander verbunden. Der König beansprucht für sich die Deutungshoheit über den Islam, auch wenn er nicht allein entscheiden kann, was islamisch ist und was nicht, berichtet unsere Autorin Claudia Mende. König Mohammed VI. nutzt die Religion seit seinem Amtsantritt 1999 geschickt als Ressource, um sein Land als Drehscheibe zwischen Afrika und Europa zu positionieren. Dabei greift er unter anderem auf jahrhundertealte Verbindungen zwischen Marokko und Westafrika zurück, wo in vielen Ländern dieselben islamischen Rechtsschulen dominieren.
Das Königshaus nutzt seinen Zugriff auf die Religion auch, um den Dschihadismus zu bekämpfen, etwa im königlichen Institut zur Ausbildung von Imamen. Dennoch gärt es in Marokko, es herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit und die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich. Im vergangenen Jahr haben sich die Spannungen in heftigen Jugendprotesten entladen. Claudia Mende geht in ihrem vielschichtigen Porträt dieses faszinierenden Landes auch der Frage nach, ob der König Antworten darauf hat.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.
Tauziehen um UN-Steuerkonvention: In der vierten Verhandlungsrunde zur UN-Steuerkonvention Anfang Februar bei den Vereinten Nationen in New York sind die Konflikte vor allem zwischen Europa und Afrika, deutlicher geworden denn je. Ute Straub von Brot für die Welt war dabei und hat mir ihre Eindrücke geschildert.
Spannungen in Manipur: Im indischen Bundesstaat Manipur halten die Spannungen zwischen ethnischen Gruppen unterschiedlicher Religionen an. Der neue Regierungschef versucht die Lage zu beruhigen, doch die Minderheitsgruppe vertraut ihm offenbar noch nicht, berichtet Katja Dorothea Buck.
Hoffnung für den Klimaschutz: Zehn Jahre nach dem Klimaabkommen von Paris will eine Gruppe von 80 Ländern den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen vorantreiben. Gut so, kommentiert Bernd Nilles, Geschäftsleiter des Schweizer Hilfswerks Fastenaktion.
Nigerias umstrittene Amnestie: Mit seiner Begnadigung von 175 verurteilten Straftätern hat der nigerianische Präsident Bola Tinubu im Land für Empörung gesorgt. Schließlich nahm er die Amnestie teilweise zurück. Sam Olukoya mit einer weiteren Folge aus unserer Reihe "Was tut sich in ...?"
Iran am Scheideweg: Würde ein Angriff der USA dem iranischen Volk helfen? Der Sohn des Schahs, Reza Pahlavi, sagt ja. Unsere Autorin Fatemeh Hippler hat da ihre Zweifel. Sie glaubt auch nicht, dass Pahlavi ein glaubwürdiger Hoffnungsträger für einen demokratischen Wandel im Iran ist. Wichtig sei jetzt etwas anderes, schreibt sie.
Nur noch freiwillige Auflagen für die meisten Firmen: Der Bundestag debattiert über Änderungen am drei Jahre alten Lieferkettengesetz. Dabei wirke das Gesetz und sei praktikabel, sagen Fachleute und warnen, dass es damit in der Praxis bald ein Ende hat. Marina Zapf berichtet.
Heute kommt in Washington Donald Trumps sogenannter Friedensrat zum ersten Mal zusammen. Der US-Präsident sieht sich ja als den größten Friedensbringer aller Zeiten und hat nun die Welt eingeladen, ihm in seinem segensreichen Wirken zu assistieren. Eintrittspreis: 1 Milliarde US-Dollar. Eigentlich sollte der Rat sich nur um Frieden in Gaza kümmern, aber so kleine Brötchen backt Trump natürlich nicht. Deshalb geht es bei ihm jetzt gleich um den Frieden an sich und überall. Die Zahl seiner Mitstreiter ist mit gut zwanzig Ländern noch überschaubar, darunter einige wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, die sich bislang eher damit hervorgetan haben, Kriege anzufachen als zu beenden. Wir empfehlen dem Rat und seinem Anführer dringend unsere "welt-sichten"-Ausgabe von vor einem Jahr mit dem Schwerpunkt "Der Gewalt entgegentreten" zur Lektüre. Darin berichten Autorinnen und Autoren aus aller Welt, worauf es ankommt in der Friedensarbeit. Und dass es meistens doch mehr braucht als einen flotten Deal.
Lesenswertes Porträt einer fragmentierten Stadt: Die Schweizer Journalistin und "welt-sichten"-Mitarbeiterin Meret Michel beschreibt in ihrem Buch „Beirut. Splitter einer Weltstadt“ anschaulich die prekäre Situation der Menschen in der Stadt und erklärt dabei wichtige Hintergründe und Zusammenhänge zum Libanon. Unsere Rezensentin Anja Ruf war sehr angetan.
Wir kooperieren mit anderen Organisationen, die sich mit dem globalen Süden beschäftigen – etwa der Stiftung Asienhaus, der Werkstatt Ökonomie und dem Forum Umwelt und Entwicklung. Auf unserer Startseite unten im Kasten „Aus unserem Partnernetzwerk“ weisen wir auf neue Beiträge unserer Partner hin – zurzeit etwa zum fragwürdigen Wasserstoffprojekt in Namibia, zum Stellenwert von indigenem Wissen in Südostasien und zum Handelsabkommen der EU mit Indonesien aus entwicklungs- und umweltpolitischer Sicht. Schauen Sie mal rein.