06.02.2020

Populärer als Hollywood-Filme

Fatima Bhutto führt durch die Medienwelt Indiens, der Türkei und Südkoreas und spinnt dabei auf lebendige Weise ein Netz zwischen Geschichte, Politik und Kultur des globalen Ostens.

Fatima Bhutto: New Kings of the World, Dispatches from Bollywood. Dizi, and K-Pop, New York, Columbia Global Reports, 206 Seiten, ca. 13 Euro
Die pakistanische Journalistin und Schriftstellerin Fatima Bhutto erkundet in ihrem Werk drei einflussreiche Popkulturen, die ihrer Einschätzung nach die Spielregeln der Branche neu gestalten: Bollywood aus Indien, TV-Serien (Dizi) aus der Türkei und K-Pop aus Südkorea. Die Autorin erläutert, dass die meisten Hollywoodfilme jenseits westlicher Länder hauptsächlich die wirtschaftlichen und kulturellen Eliten ansprachen und -sprechen. Viele Zuschauer außerhalb dieser Eliten könnten und wollten sich nicht mit Hollywood-Stereotypen, wie etwa der Schauspieler Brad Pitt oder eine Serie wie „Sex and the City“ verkörpern, identifizieren. So zitiert Bhutto einen peruanischen Bollywood-Fan, der im gesellschaftlichen Abseits steht und sich überhaupt nicht mit Filmen mit einem Happy End à la Hollywood anfreunden kann. Immer wieder stützt sich die Autorin in ihrer Beurteilung auf Gespräche mit Menschen aus ländlichen Gebieten Perus und Indiens sowie mit syrischen Flüchtlingen. Ihre Schlussfolgerung: Jenseits der gesellschaftlichen Eliten sei eine zunehmende Abkehr vom „perfekten“ Hollywood und eine Zuwendung zu traditionelleren Popkulturen wie der indischen oder der türkischen zu erkennen.

Das Buch beschreibt größtenteils die Position der indischen Filmindustrie in der Welt, welche als aufstrebende kulturelle Macht und neue „Soft Power“ dargestellt wird. Neben Bollywood wird auch dessen größter Star beleuchtet: der indische Schauspieler Shah Rukh Khan. Er wurde nicht nur in Indien zur Identifikationsfigur, sondern begeisterte durch sein allzu menschliches Auftreten auf der Leinwand Zuschauer in aller Welt.

Darüber hinaus beleuchtet Bhutto in zwei kürzeren Abschnitten Aufstieg und Anziehungskraft türkischer Dizis – das sind den Soap Operas ähnliche Fernsehserien, die sich an klassische türkische Literatur anlehnen – sowie des südkoreanischen K-Pops, also der koreanisch-sprachigen Popmusik, die es mit Produktionen wie Gangnam Style auch in die westlichen Charts geschafft hat.

Insgesamt beschreibt sie detailreich und auf lebendige Weise drei aufstrebende „kulturelle Mächte“ und bringt dabei neben Zahlen und Fakten auch eigene Erfahrungen mit ein. Aufgewachsen in Pakistan zur Zeit der Militärdiktatur, erlebte sie die Bedeutung von Filmen aus Indien und der Türkei in ihrer Gesellschaft als stillen Protest gegen das damalige Regime.

Es werden zahlreiche Originaltitel östlicher Produktionen aufgeführt, die zwar von der Autorin übersetzt und erläutert werden, allerdings den Lesefluss etwas erschweren. Im Gesamten ist das Buch aber einfach und eingängig zu lesen und macht Lust auf Filme und Serien des Ostens.

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