Gute Journalisten, schlechte Bedingungen

Wie Care-Pakete fallen sie vom Himmel – die „Abwurf-Trainer“, die eben noch in der Mongolei und jetzt in Namibia lokale Journalisten ausbilden, aber keine Landeskenntnisse haben. Eine Medienförderung, die die politischen Rahmenbedingungen zu wenig beachtet, stößt zunehmend auf Kritik. Experten fordern mehr Koordination und ganzheitlichere Ansätze.
„Wir konzentrieren uns auf das Journalistentraining und vernachlässigen das medienpolitische Umfeld und die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit von Medien“, resümiert Christoph Dietz von der katholischen Medienberatung CAMECO die Ergebnisse einer aktuellen Befragung von deutschen Organisationen, die Medienprojekte durchführen. Im Vergleich zur ersten Erhebung 2002 gebe es weniger Geld, aber viele neue spezialisierte Organisationen, erklärte Dietz auf einer internationalen Fachkonferenz des Forum Medien und Entwicklung und der Konrad-Adenauer-Stiftung Anfang November in Wesseling bei Bonn.
 

Autorin

Bärbel Röben

ist freie Journalistin und Medienwissenschaftlerin.

Ein Student der Deutsche Welle Akademie berichtete von einem Beispiel fehlender Nachhaltigkeit in Äthiopien: Dort hatte die norwegische Entwicklungsorganisation Norad eine Journalistenschule gefördert. Als ein norwegischer Minister die Menschenrechtssituation in Äthiopien kritisierte, mussten die Entwicklungshelfer das Land verlassen – mit dem Ergebnis, dass die Journalistenschule nun in Händen der äthiopischen Regierung ist.

Was passiert, wenn die Förderung endet?

Auch in der Demokratischen Republik Kongo stellt sich die Frage nach der Lebensfähigkeit von Medienprojekten. „Niemand will Radio Okapi an die Regierung übergeben“, betont die britische Beraterin Mary Myers mit Verweis auf das Erfolgsprojekt im Kongo. 2002 mit Unterstützung der Schweizer Fondation Hirondelle als UN-Radio gegründet, erhielt Radio Okapi dieses Jahr den Preis für Pressefreiheit des International Press Institute. Der Sender vernetzt lokale Stationen und wird mittlerweile von einem Drittel der Bevölkerung gehört. Seine durchweg kongolesischen Mitarbeiter hätten Leibwächter und würden gut bezahlt, so dass sie nicht auf Bestechungsgelder angewiesen sind, erklärt Myers.

Doch was passiert mit Radio Okapi, wenn die UN-Friedensmission im Kongo endet? Nachhaltigkeit darf nicht nur heißen, einen neuen Geldgeber für ein Projekt zu fin-den, sagt der Schweizer Medienforscher Christoph Spurk. Die viel beschworene ganzheitliche Medienförderung westlicher Geberorganisationen zielt zumeist auf Demokratisierung und Partizipation. Ein übergreifender Ansatz, der sowohl die Journalisten, die Medienunternehmen und die nationale politische Ebene in den Blick nimmt, fehle aber noch, so Spurk.

Welche Lehren in Richtung eines solchen übergreifenden Ansatzes gezogen werden können, zeigt das Engagement der Deutschen Welle Akademie in Laos – einem autokratisch regierten Land mit einem staatlich gelenkten Rundfunk. 2008 startete sie dort ein Radioprojekt: In einer Modellredaktion wurde ein Morgenmagazin mit Alltagsthemen entwickelt, für das Reporter seit 2009 unterhaltsam gestaltete Beiträge aus den Provinzen liefern. Doch irgendwann wollten die Reporter nicht mehr in entlegene Gebiete fahren, weil sie befürchteten, auf ihren Benzinkosten sitzen zu bleiben. Der Grund: Die Vorgesetzten entschieden immer erst im Nachhinein nach undurchschaubaren Kriterien, ob die Kosten erstattet werden. „Da merkten wir, wie blauäugig wir uns auf die Journalistenebene konzentriert hatten“, sagt Projektmitarbeiter Simon Didszuweit. „Uns wurde klar, dass wir die Führungsebene stärker einbeziehen müssen.“

Das soll in der 2010 vereinbarten Kooperation mit dem Nationalen Fernsehen in Laos geschehen. Bisher zeigen die Programme meist„Ministerreden mit Kameraschwenk zum Publikum“, so Didszuweit. Die Bevölkerung sei aber weitaus mehr an Gameshows und Berichten über den Aufstand der Rothemden im thailändischen Fernsehen interessiert, das sie über Satellitenschüsseln empfangen können. Mit Hilfe des Projekts, das Informationen und Stimmen aus den Provinzen aufbereiten soll, wollen das Management des Senders und der Parteiapparat wieder mehr Zuschauerinteresse für das Staatsfernsehen wecken.

erschienen in Ausgabe 12 / 2010: Staatsaufbau - Alles nur Fassade?

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