Ein Friedensmuseum für Sierra Leone

Die Schweizer Stiftung swisspeace befasst sich mit der Frage, wie Dokumente von Wahrheitskommissionen und internationalen Gerichten bewahrt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Oft fehlt es dafür an Geld und an politischem Willen.

Die Untersuchungen von Wahrheitskommissionen und internationalen Gerichten sind irgendwann abgeschlossen. Am Sondertribunal für Sierra Leone etwa läuft noch bis Ende des Jahres ein Berufungsverfahren gegen den ehemaligen Präsidenten von Liberia, Charles Taylor. Er war in erster Instanz wegen Kriegsverbrechen im Nachbarland Sierra Leone zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nach dem Ende des Verfahrens schließt die Institution nach gut zehn Jahren Arbeit ihre Tore.

Zurück bleibt ein Archiv mit unzähligen Unterlagen, die schwere Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen dokumentieren. Doch was geschieht mit all den Dokumenten und Materialien? „Idealerweise werden diese Archive beispielsweise in einem Museum einem breiteren Publikum zugänglich gemacht und zu Forschungszwecken weiter verwendet“, sagt Elisabeth Baumgartner. Sie hat zum Thema in Bern eine Tagung der Schweizer Friedensstiftung swisspeace, des Außendepartements (EDA) und des Bundesarchivs organisiert. „Sie spielen eine wichtige Rolle für die Vergangenheitsarbeit.“

Familien von Verschwundenen helfen

Oft fehle es aber an Geld oder am politischen Willen, die Hinterlassenschaften der Wahrheitskommissionen und Internationalen Gerichte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und zu einem nachhaltigen Frieden beizutragen. So gebe es etwa in Sierra Leone Pläne für ein Friedensmuseum. Aus finanziellen Gründen sei aber noch unsicher, ob sie verwirklicht werden können, sagt Baumgartner, die als Anwältin für das Büro des Anklägers am Sondertribunal mit Sitz in Freetown tätig war.

Die Stiftung swisspeace befasst sich seit 2011 im Rahmen eines Mandats des EDA und des Bundesarchivs mit Archiven und Vergangenheitsarbeit. Die Idee sei bereits 2005 entstanden, sagt Baumgartner. Damals wurde in Guatemala ein Polizeiarchiv mit wichtigen Dokumenten aus der Zeit der Militärdiktatur entdeckt.

Die Dokumente seien gerettet und digitalisiert worden. Kopien der Unterlagen sind im Schweizer Bundesarchiv gelagert. „Die Dokumente dienen unter anderem den Anklägern als Beweismaterial im laufenden Prozess gegen den General Efrain Ríos  Montt vor einem nationalen Gericht“, sagt Baumgartner. Auch seien sie Familien von Verschwundenen eine Hilfe, um herauszufinden, was mit ihren Angehörigen passiert ist.

erschienen in Ausgabe 7 / 2013: Neues Wissen im Blick

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