Kenia: Guter Riecher für Absurditäten

Eine Comedy-Serie aus Afrika – das stand am Anfang von Hussein Kurjis Projekt. Als Stoff wählte er das wuchernde Biotop von privaten Hilfsorganisationen. So entstand die Persiflage „The Samaritans“.

Auch die bisher 21 Darsteller, von denen nur wenige ausgebildete Schauspieler sind, wurden teilweise über das Internet ausgesucht. Vor zehn Monaten fanden die Dreharbeiten für die Pilotsendung und die erste Folge statt, die anschließend bei der Discop, einer jährlichen Messe für TV-Serien in Südafrika, gezeigt wurden. Das Echo war positiv. Nun prüft Kurji verschiedene Finanzierungsmodelle für die weiteren Folgen, darunter Investoren, Partnerschaften mit Filmstudios und TV-Ketten oder die Unterstützung durch ausländische Filmfördergelder.

Kurji gibt sich zuversichtlich, dass er die Serie in der ganzen Länge produzieren kann. Er räumt ein, dass Figuren und Handlungsstränge an Substanz zulegen müssten, um über sechzig Folgen hinweg zu tragen. In den ersten beiden Episoden gehören alle Rollen der gleichen Altersgruppe an und wirken etwas blutleer. Kurji verspricht für künftige Folgen eine zweite NGO, die Konkurrenz von nebenan sozusagen. Man kann sich auf weitere Abgründe im moralischen Verhalten der selbsternannten Wohltäter gefasst machen.

„Ich bin Afrikaner! Wenn jemand ein Problem damit hat, dann ist es jedenfalls nicht meins.“

Kurjis Familie wanderte vor mehr als hundert Jahren aus Indien nach Kenia ein und zählt unter ihren engeren und weiteren Angehörigen mehrere erfolgreiche Geschäftsleute. Indischstämmige Kenianer bewegen sich häufig auf einem schmalen Grat zwischen Anpassung und Außenseitertum. Macht ihn der Hintergrund als „Nicht-Afrikaner“ vorsichtiger, als er es gerne wäre? „Nein“, antwortet Kurji. „Ich bin Afrikaner! Wenn jemand ein Problem damit hat, dann ist es jedenfalls nicht meins.“ Es ist das einzige Mal im Gespräch, dass er heftig wird.

Neben Kurji liegt ein dickes Taschenbuch auf dem Tisch, „Assegai“ von Wilbur Smith. Das lese er nicht aus Vergnügen, sondern wegen des Stoffs, der in Ostafrika vor dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt ist, erläutert er. Neben „The Samaritans“ führt Kurji weitere Projekte im Portfolio. „Das muss man so machen. Wenn du TV-Managern gegenübersitzt, fragen sie: ‚Was haben Sie sonst noch anzubieten?‘".

In Kurjis Ideen-Mappe liegen eine historische Mini-Serie, für die „Assegai“ die Ideen liefern soll, sowie je ein Trickfilm, ein Kurzfilm, ein Actionfilm und eine Reality-Show. Die Handlungsideen sind vage, aber es sollen Mythen und Gangstertum in Afrika darin vorkommen. Am weitesten gediehen ist „The Samaritans“. Wenn die Finanzierung klappt, sollen die restlichen elf Folgen der ersten Staffel noch dieses Jahr gedreht werden.

erschienen in Ausgabe 5 / 2014: Durchlass hier, Mauer dort

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