Degradation
Degradation

Die Wüste wird grün

Mit traditionellen Methoden ist es in Burkina Faso gelungen, die Degradation der Böden zu stoppen. Eine Fläche so groß wie das Saarland wurde wieder nutzbar gemacht

Traditionelle Techniken wie die Pflanzlöcher Zaï haben bei der Begrünung geholfen.Terra Verde
Information und Aufklärung allein reichten allerdings nicht immer aus. Die meisten Bauern benötigen weitere Anreize, um die verbesserten Anbaumethoden  anzunehmen. Die Hemmschwellen bei ärmeren Bauern in Plateau Central waren unter anderem fehlende Betriebsmittel wie Dünger, die möglicherweise teuer oder knapp sind, aber auch die beträchtlichen Arbeitskosten für den Bau von Steinwällen, Zaïs und Halbmonden sowie für Schutzmaßnahmen gegen Überweidung und Erosion. Eine großflächige Übernahme dieser Techniken war nur möglich, weil staatliche und nichtstaatliche Entwicklungsorganisationen Hilfe leisteten.

Mehr Geld ist nötig, um Kleinbauern bei der Übernahme verbesserter, nachhaltiger Methoden zu unterstützen, und die verfügbaren Mittel müssen zielgerichtet eingesetzt werden. Die Beteiligten – von den Bauern bis hin zu großen internationalen Gebern – haben sich zuweilen zu wenig untereinander abgestimmt. Mehr strategische Planung und Koordination hätten die Wirkung deutlich steigern können. Würden sich die Geber untereinander abstimmen, könnten Projekte miteinander verknüpft werden und für die Gemeinschaft mehr Früchte tragen. Man könnte von erfolgreichen Maßnahmen andernorts lernen und Doppelarbeit vermeiden.

Die Anbaumethoden sind ökologisch gesehen effizient, sie können aber noch verbessert werden, damit insbesondere sehr arme Bauern sie leichter anwenden können. Ärmere Haushalte haben kaum Zugang zu Eselskarren oder Lastwagen, die nötig sind, um das Material für den Bau von Steinwällen zu transportieren. Innovationen mit geringeren Transportanforderungen würden ihnen helfen, diese Techniken zu übernehmen. Darüber hinaus ist die vermehrte Produktion von Biomasse und Kompost wichtig, um die landwirtschaftlichen Erträge zu steigern. Innovationen bei organischen Düngemitteln sind unerlässlich, um bei der Übernahme nachhaltiger landwirtschaftlicher Methoden landesweit Fortschritte zu machen.

Die nächste große Hürde besteht darin, das Land in die Lage zu versetzen, nicht nur die Krise abzumildern, sondern die Ernährungssicherheit der Bevölkerung langfristig zu verbessern. Wachstumsstörungen bei Kindern (Stunting) gelten als langfristiger Indikator für Unter- und Mangelernährung; in Burkina Faso haben sich die Werte kaum verbessert. Es muss deutlich mehr getan werden, um in dem Land eine angemessene Versorgung mit nahrhaften Lebensmitteln sicherzustellen. Die Lücke zwischen den höheren Ernteerträgen einerseits und der unzureichenden Ernährungssicherheit zeigt, dass die besseren Anbautechniken stärker wirken könnten, wenn Verteilung und Vermarktung verbessert würden.

Autorin

Amanda Lenhardt

ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Overseas Development Institute in London.
Internationale Organisationen sind sehr an der Entwicklung nachhaltiger Anbaumethoden und der Rückgewinnung von Land interessiert, auch wenn zunächst die Länder selbst verantwortlich sind, nicht nachhaltige landwirtschaftliche Techniken zu ändern. Doch in manchen Ökosystemen ist es schwierig, ohne Geld und technische Unterstützung aus dem Ausland Fortschritte zu machen. Hinzu kommt, dass die Rückgewinnung von Ackerland und der Schutz von Wasserressourcen und Böden für die Lebensmittelproduktion ein globales Anliegen ist; die Vorteile einer nachhaltigen Landwirtschaft können als globales öffentliches Gut betrachtet werden. Darüber hinaus sollte die Förderung nachhaltiger Landwirtschaft Teil jeder Strategie zur Armutsbekämpfung sein, da die Mehrzahl der ärmsten Haushalte weltweit zumindest teilweise von der Landwirtschaft abhängt und viele von ihnen kleine Felder in Randlagen bearbeiten.

Neue Chancen könnten sich aus neuen Finanzmitteln für den Klimaschutz und zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels ergeben. Doch die damit verbundenen hohen Transaktionskosten und der potenzielle Konflikt zwischen Klimaschutz und Entwicklungszielen haben bislang verhindert, dass diese Mittel Wirkung entfalten. Diese Probleme müssen angegangen werden, denn funktionierende Ansätze zur Finanzierung des Klimaschutzes könnten für diejenigen, die an vorderster Front gegen den Klimawandel kämpfen, großen Nutzen bringen.

Aus dem Englischen von Barbara Kochhan

erschienen in Ausgabe 12 / 2014: Früchte des Bodens

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