DEG-Investitionen

„Ohne Offshore geht es nicht“

Textilfabrik in Tongi in Bangladesch. Unternehmen in schwierigen Ländern fördert die DEG oft über Fonds in Offshore-Finanzplätzen, weil Privatinvestoren vor einem direkten Engagement zurückschrecken.

Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) in Köln fördert Unternehmen in Entwicklungsländern, teilweise über Fonds in Offshore-Finanzplätzen wie Mauritius. Der Bundestagsabgeordnete der Linken, Niema Movassat, wirft der DEG deshalb vor, sie sei „Teil der perversen Maschinerie der Steuervermeidung international agierender Banken“. Hubertus von Plettenberg von der DEG erklärt, warum es gute Gründe gibt, die Steueroasen zu nutzen.

Warum beteiligt die DEG sich an Fonds?
Wir unterstützen damit vor allem kleine und mittlere Unternehmen, denn das lässt sich von Köln aus nur schwer bewerkstelligen – aus zwei Gründen: Zum einen ist es sehr aufwendig, kleine Förderbeträge mit vielen kleinen Unternehmen direkt zu vereinbaren. Zum anderen brauchen Unternehmen nicht nur Geld, sondern auch persönliche Beratung: Auch der deutsche Handwerksbetrieb will keine Bank in London, sondern möglichst nebenan, weil er mit den Leuten reden muss. Deshalb finanzieren wir kleine Unternehmen in unseren Partnerländern häufig über lokale Banken, wenn es um Darlehen geht, oder eben über Fonds, wenn es um Eigenkapitalbeteiligungen geht. Mit solchen Finanzierungen wurden allein im letzten Jahr 95.000 kleine und mittlere Unternehmen erreicht. Manche Fonds kriegen wir nur über Konstruktionen in Offshore-Finanzplätzen zustande.

Warum?
Wenn wir als DEG allein oder zusammen mit anderen Entwicklungsbanken wie etwa der niederländischen FMO einen Fonds auflegen, dann können wir das meistens direkt im Land tun, in dem die Unternehmen sitzen, die wir fördern wollen. Wir wollen aber mit unseren Finanzierungen private Investoren mitnehmen, die sich sonst nicht trauen würden. Dank dieser Hebelwirkung haben wir im vergangenen Jahr mit unseren 1,1 Milliarden Euro DEG-Finanzierungen insgesamt rund 5,7 Milliarden Euro bewegt. Private Investoren tun sich aber schwer, ihr Geld einem Fonds etwa in Simbabwe oder Bangladesch zu geben, weil es mit diesen Ländern möglicherweise keine Abkommen zum Investitionsschutz oder zur Doppelbesteuerung gibt. Der Vorteil der Offshore-Finanzplätze ist, dass die solche Abkommen haben – und zwar sowohl mit den Ländern, aus denen die Investoren kommen, als auch mit den Ländern, in die die Investitionen fließen. Das sind bewährte Strukturen, die Sicherheit für den Investor schaffen.

Sie sagen, ein Unternehmen braucht Beratung und die Bank nebenan. Was hilft es dem Unternehmer in Indien, wenn der Fonds, der sich an seiner Firma beteiligt, in Mauritius sitzt?
Dazu muss man verstehen, wie eine solche Offshore-Konstruktion funktioniert. Das Geld der Investoren läuft in Mauritius zusammen und geht von dort zum Beispiel nach Indien. Die Mitarbeiter des Fondsmanagers hingegen sind in Indien und stehen dort den Unternehmen zur Verfügung. Außerdem zahlen die vom Fonds finanzierten Unternehmen in Indien Steuern auf die Erträge, die sie dort erzielen. Das wird von uns intensiv geprüft und ist vertraglich geregelt. Der Investor wiederum, der sich an dem Fonds beteiligt, versteuert seine Erträge in seinem Heimatland. Das Doppelbesteuerungsabkommen mit Mauritius verhindert, dass er zusätzlich dort Steuern zahlen muss.

Offshore-Finanzplätze sind bekannt dafür, dass sie es mit der Transparenz oft nicht so genau nehmen. Wie groß ist das Risiko, dass Fonds sich nicht an die Verträge mit der DEG halten und etwa bei Steuerhinterziehung helfen?
Zunächst einmal: Offshore-Konstruktionen dienen uns, weil sie insbesondere privaten Investoren helfen, Risiken zu mindern. Mit den Beteiligungen an Unternehmen schaffen wir Arbeitsplätze und Einkommen und sorgen in den Ländern für Steuereinnahmen; jedes Jahr zahlen die von der DEG finanzierten Unternehmen insgesamt rund anderthalb Milliarden Euro in Entwicklungsländern. Wir achten gerade auch bei solchen Konstruktionen genau darauf, dass Verträge eingehalten werden. Zum anderen: Das Problem ist, dass allgemein von Steueroasen und intransparenten Finanzplätzen die Rede ist. Die Offshore-Finanzplätze aber, in denen Fonds sitzen, mit denen wir arbeiten, stehen alle nicht oder nicht mehr auf der OECD-Liste für intransparente Finanzplätze. Wir halten uns in Abstimmung mit der Bundesregierung strikt an diese Liste.

Nach welchen Kriterien suchen die Fonds die Unternehmen, an denen sie sich beteiligen? Wie stellt die DEG sicher, dass das entwicklungspolitisch sinnvolle Beteiligungen sind?
Man darf sich das nicht so vorstellen, dass wir wie ein Privatanleger schauen, wo wir sinnvoll unser Geld anlegen könnten. Wir sind in der Regel Gründungsmitglieder der Fonds und haben entsprechenden Einfluss bei der Auswahl der Unternehmen, die gefördert werden sollen. Zudem vereinbaren wir vertraglich mit dem Fonds strenge Umwelt- und Sozialstandards, die die geförderten Unternehmen einhalten müssen. Wenn solche Vorgaben verletzt werden, haben wir Möglichkeiten, das abzustellen – bis hin zur Stornierung der Mittelzusage.

Welche Rendite kann ich erwarten, wenn ich etwa in einen Fonds investiere, der sich an kleinen und mittleren Unternehmen in Indien beteiligt?
Ich würde Ihnen abraten, sich als Privatanleger an einem solchen Fonds zu beteiligen: Die Aussichten reichen von ganz ordentlichen Gewinnen bis hin zum Totalverlust. Unsere Absicht ist, eine risikoadäquate Rendite zu erzielen: Je höher das Risiko, desto größer sollte die Rendite sein. Die Gewinne, die wir als DEG erzielen, werden thesauriert: Sie werden nicht ausgeschüttet, sondern fließen in unser Eigenkapital. Wir brauchen zunehmend mehr Eigenkapital, um es den Risiken unserer Investitionen in Entwicklungsländern unterlegen und neue Finanzierungen tätigen zu können. Außerdem wollen wir zeigen, dass es sich auch ökonomisch lohnt, was wir tun. Denn kommerziellen Investoren reicht es nicht, dass sie mit ihrem Geld etwas Gutes tun. Sie müssen auch etwas verdienen.

Risikoadäquate Rendite und entwicklungspolitischer Anspruch: Beides zusammen geht doch nicht.
Doch, im Privatsektor geht beides zusammen. Wenn Sie zum Beispiel in Sierra Leone die Wasserversorgung verbessern wollen, werden Sie damit kein Geld verdienen. Dafür braucht es ein langfristiges subventioniertes Darlehen – eine klassische Aufgabe der staatlichen Finanziellen Zusammenarbeit. Im Privatsektor aber sind auch aus entwicklungspolitischer Sicht die guten Unternehmen die, die erfolgreich sind und wachsen. In der Regel gehen Ertrag und langfristige entwicklungspolitische Wirkung Hand in Hand. Denn erfolgreiche Unternehmen, die Geld verdienen, schaffen stabile Arbeitsplätze und sorgen für verlässliche Einkommen.

Offshore-Finanzplätze haben einen schlechten Ruf. Wäre es politisch nicht klüger, die DEG verzichtete einfach auf solche Fonds-Konstruktionen?
Es wäre für uns angesichts der Diskussionen tatsächlich leichter, das zu lassen. Aber es wäre gelogen, wenn wir sagen würden, was wir erreichen wollen, geht auch ohne solche Konstruktionen. Denn es geht nicht ohne. Es ist deshalb mutig und richtig, das weiterzumachen. Dabei schauen wir uns sorgfältig jeden Fall und die Unternehmen an, die damit in Entwicklungsländern finanziert werden. Ich will es mal so sagen: Es gibt Dinge, für die braucht man einen Hammer. Und ich verzichte nicht auf den Hammer, nur deshalb, weil man ihn auch dazu benutzen könnte, anderen den Kopf einzuschlagen. Offshore-Konstruktionen sind ein finanzwirtschaftliches Instrument, das für sich weder gut noch schlecht ist. Es kommt darauf an, was man damit macht. Und Sie können damit spannende Sachen machen, die anders nicht gingen. Wenn wir uns darauf einlassen, dann wissen wir, was wir tun. Und wir glauben, dass es sich lohnt – im Sinne unseres Auftrags.

Hubertus von Plettenberg ist Bereichsleiter Unternehmensentwicklung bei der DEG. 

Das Gespräch führte Tillmann Elliesen.

erschienen in Ausgabe 7 / 2016: Sicherheit: Manchmal hilft die Polizei

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