Menschenrechte
Ein junger Mann mit Albinismus wehrt sich gegen Diskriminierung.
Menschenrechte

UN-Forum will Hexerei bekämpfen

Menschen mit Albinismus werden in vielen Ländern verstümmelt oder getötet, weil ihre Haut, ihre Haare oder bestimmte Körperteile Wohlstand und Glück bringen sollen. Ältere Frauen, Kinder und Menschen mit Behinderungen fallen ebenfalls häufig dem Glauben an Hexerei zum Opfer. Zum ersten Mal wollen sich jetzt Experten auf UN-Ebene mit diesen Verbrechen befassen.

Die Organisation Under the Same Sun berichtet von mehr als 520 Übergriffen auf Kinder, Frauen und Männer mit Albinismus in den vergangenen zehn Jahren. Geschehen sind sie in 28 afrikanischen Ländern, die meisten in Tansania. Die erbeuteten Körperteile, Haare und Hautstücke werden auf dem Schwarzmarkt gehandelt und von traditionellen Heilern für Zaubertränke und Amulette verwendet.

Die tansanische Regierung arbeitet seit einigen Jahren eng mit der Zivilgesellschaft zusammen, um Menschen mit Albinismus besser zu schützen und an ihnen verübte Verbrechen zu ahnden. Andere Länder wie Mosambik und Malawi müssten viel mehr gegen den illegalen Handel mit Körperteilen tun, fordert die Albinismus-Expertin Charlotte Baker von der Lancaster University.

Aktivisten verlangen schon lange ein größeres Engagement von Regierungen – und sind damit nun zu den Vereinten Nationen durchgedrungen. Am Donnerstag treffen sich in Genf erstmals UN-Experten, Wissenschaftler und Vertreter der Zivilgesellschaft, um über Verstöße gegen die Menschenrechte zu diskutieren, die auf Hexerei beruhen. Dabei geht es unter anderem auch um Übergriffe auf meist ältere Frauen sowie Menschen mit Behinderungen, die übernatürlicher Kräfte bezichtigt werden.

"Großer Schritt nach vorne"

Bei dem zweitätigen Workshop sollen bewährte Beispiele vorgestellt werden, wie den mit Hexerei verbundenen Mythen der Boden entzogen werden kann. Die Teilnehmer wollen außerdem darüber debattieren, mit welchen Gesetzen Menschenrechtsverstöße verhindert und geahndet sowie die Opfer besser geschützt werden können. Bis Ende des Jahres sollen daraus Empfehlungen für Regierungen und NGOs formuliert werden.

Mitveranstalter Gary Foxcroft vom Whitchcraft and Human Rights Information Network spricht von einem „großen Schritt nach vorne“. „Wir möchten, dass die Teilnehmer in ihre Länder zurückkehren und wissen, dass sie in ihrem Kampf nicht allein sind.“

Alleingelassen werden dürfen vor allem die Menschen mit Albinismus nicht. Die Aktivisten von Under the Same Sun haben beobachtet, dass etwa vor Wahlen der Handel mit deren Körperteilen einen Aufschwung erlebt. Denn die wohlhabende und gebildete Elite, die für einen Posten kandidiert, konsultiert gerne einen Heiler für einen erfolgversprechenden Zaubertrank. Und Urnengänge stehen in Afrika in diesem und im kommenden Jahr noch einige an. 

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