Diaspora

Ferne Bürger mischen mit

Traditionen pflegen in der Fremde: Chinesische Einwanderer zeigen 2017 in New York die Kampfkunst Tai Chi beim chinesischen Neujahrsfest, ihrem ­wichtigsten Feiertag.  
Der politische und ökonomische Einfluss von Diasporagruppen wächst. Viele Regierungen nutzen sie inzwischen als Brücken­köpfe im Ausland. Doch nicht alle Migranten fühlen sich ihrem Herkunftsland eng verbunden.

Diasporagruppen gelten als wichtige Mitspieler in der Weltpolitik. Sie wirken daran seit einigen Jahrzehnten in zunehmend unterschiedlichen Rollen mit: Sie fördern im Herkunftsland wirtschaftliche Entwicklung, unterstützen dort Demokratisierungsprozesse oder beteiligen sich daran, am Wohnort die Öffentlichkeit zugunsten des Herkunftslandes zu beeinflussen (public diplomacy). Ein Grund für ihre wachsende politische Bedeutung ist die Verbreitung neuer Informations- und Kommunikationstechnik. Sie macht es leichter, Verbindungen über große Distanzen zu pflegen und ein „grenzüberschreitendes Leben“ zu führen. Damit ist auf Seiten von Regierungen, politischen Parteien, internationalen Organisationen und Gruppen der Zivilgesellschaft das Interesse gewachsen, in der globalisierten Welt ihre Ziele mit Hilfe von Diasporagruppen zu verfolgen.

Was genau eine Diaspora ist, ist manchmal schwer zu beantworten – über die Definition wird gestritten. Nicht alle, die ins Ausland abwandern, betrachten sich als Teil einer Diaspora oder engagieren sich politisch für ihr Herkunftsland. Umgekehrt sind nicht alle, die sich als Mitglieder einer Diaspora verstehen, auch Migranten: Viele „klassische“ Diasporagruppen wie die der Juden oder der Armenier bestehen großteils aus Menschen, die nicht selbst ausgewandert, sondern Nachkommen von Migranten oder Flüchtlingen sind; einige haben nie einen Fuß in ihr sogenanntes Heimatland gesetzt, fühlen sich diesem aber trotzdem verbunden.

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erschienen in Ausgabe 2 / 2018: Diaspora: Zu Hause in zwei Ländern

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