Ein Devisenhändler in Lagos zählt seine Naira-Scheine, die er auf dem Schwarzmarkt tauschen will.

Zurück in den roten Zahlen

Viele Länder Afrikas sind erneut gefährlich hoch im Ausland verschuldet. Das liegt vor allem an Rahmenbedingungen, auf die sie kaum Einfluss haben.

Afrika galt noch vor wenigen Jahren als „Löwe auf dem Sprung“ – als Boomkontinent, der den Rendite-Appetit der internationalen Investoren anregte. Nun ist Ernüchterung eingekehrt und seit 2016 mehren sich Warnungen vor einer neuen Schuldenkrise.
Dabei ist es keine Generation her, dass eine schwere Schuldenkrise viele Länder in Afrika südlich der Sahara wirtschaftlich zerrüttet und dem Kontinent in den 1980er und 1990er Jahren verlorene Jahrzehnte beschert hatte. Damals gingen die Pro-Kopf-Einkommen zurück, Sozialsysteme brachen zusammen, die extreme Armut stieg an. Bescheidene Ansätze zur Industrialisierung wurden gestoppt oder zurückgedreht und der Anteil des informellen Sektors an der Wirtschaft wuchs.

Schließlich musste die Gebergemeinschaft quasi offiziell anerkennen, dass die von ihr, der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) auferlegten Strukturanpassungsprogramme gescheitert waren. Diese sollten durch Einsparungen im Staatshaushalt, Deregulierung und Privatisierung die Wirtschaft der verschuldeten Länder ankurbeln und so die Schuldenlast mindern. Sie produzierten aber im Gegenteil Stagnation, Staatsversagen und Arbeitsplatzverluste und verstärkten die Abhängigkeit vieler afrikanischer Länder von Rohstoffexporten. Vor allem trugen sie nicht dazu bei, die Schuldenlast zu mindern.
Stattdessen mussten die Schulden gestrichen werden, zunächst ab 1996 im Rahmen der HIPC-Initiative (Heavily Indebted Poor Countries, HIPC). Es folgte 2005 ein weiteres Programm, das auch die Schulden bei multilateralen Geldgebern – insbesondere dem IWF und der Weltbank – dadurch verringerte, dass Geberstaaten sie übernahmen. Beide Initiativen waren nicht auf Afrika begrenzt, aber von den 36 begünstigten Ländern lagen 30 in Afrika.

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erschienen in Ausgabe 6 / 2018: Neu ist Kult

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