Ein Sieg und nur Verlierer

Die Regierung in Sri Lanka steht kurz vor dem militärischen Sieg über die tamilische Rebellenorganisation LTTE. Damit könnte der mehr als 25-jährige Bürgerkrieg zu Ende gehen – vorläufig. Denn die Gefahr, dass die Rebellen den Kampf mit Terroranschlägen und Selbstmordattentaten fortsetzen, ist groß. Politisch kann der Konflikt nur mit Reformen gelöst werden, die von allen Parteien getragen werden.

Sarath Fonseka hat sein Ziel fast erreicht. Vor gut einem Jahr hatte Sri Lankas Armeechef angekündigt, er werde die „Befreiungstiger von Tamil Eelam“ (LTTE) bis August besiegen. Nun sieht es so aus, als würde mit einigen Monaten Verzögerung ein militärischer Sieg über die Rebellenorganisation erreicht: Ihre Hochburg Kilinochchi und der strategisch wichtige Elefantenpass, die Verbindung zur Halbinsel Jaffna im Norden Sri Lankas, sind unter Kontrolle der Armee. Ende Januar nahmen die Regierungstruppen nach eigenen Angaben mit Mullaittivu auch die letzte Bastion der LTTE-Kämpfer – Schätzungen zufolge noch 1500 bis 3000 – ein.   

Doch soll damit der mehr als 25-jährige Bürgerkrieg um einen autonomen Tamilenstaat im Norden und Osten Sri Lankas wirklich beendet sein? Niemand erwartet ernsthaft, dass die LTTE aufgibt, selbst wenn sie auf dem Schlachtfeld vernichtend geschlagen wird. Sie ist bereits früher nach Niederlagen zunächst abgetaucht und hat sich dann neu organisiert.

Als Regierungstruppen 1995 die Halbinsel Jaffna zurückerobert hatten, reagierten die Befreiungstiger mit Bombenanschlägen in der Hauptstadt Colombo. Es ist zu befürchten, dass sie auch dieses Mal einen Guerillakampf mit Terroranschlägen im gesamten Land starten werden, denen unzählige Zivilisten zum Opfer fallen. Frieden oder gar Versöhnung werden so nicht gefördert. Auch die Forderung nach Autonomie und Gleichberechtigung für die tamilische Minderheit wird Staatspräsident Mahinda Rajapaksa mit einem militärischen Sieg über die LTTE nicht ersticken können. Nicht zuletzt die große tamilische Diaspora in den USA, in Asien und Europa wird sich weiter dafür einsetzen. Eine politische Lösung setzt voraus, dass die singhalesisch dominierte Regierung ernsthaft das Gespräch über föderale Strukturen aufnimmt, die der ethnischen, religiösen und sprachlichen Vielfalt Sri Lankas gerecht werden. Vorschläge in diese Richtung hat das „All-Parteien-Komitee“ Anfang vergangenen Jahres gemacht. Allerdings war die größte Tamilenpartei Tamil National Alliance (TNA) damals nicht beteiligt. Und nicht einmal den vorsichtigen Vorschlägen der Kommission ist Rajapaksa gefolgt. Der militärische Erfolg dürfte dem chauvinistischen Lager unter den Singhalesen nun weiter Auftrieb geben und Zugeständnisse an die Tamilen noch weiter in die Ferne rücken.

(gwo)

 

 

 

erschienen in Ausgabe 2 / 2009: Migration: Zum Schuften in die Fremde