Miteinander reden – nicht schießen

Von Tillmann Elliesen

Seit je kämpfen Viehhirten im Süden Äthiopiens um Land, Wasser und um Kühe. Sie bekriegen und versöhnen sich. Doch die Konkurrenz um politischen Einfluss und um staatliche Finanzhilfen sowie die zunehmende Verbreitung von Kleinwaffen haben die Konflikte verschärft. Der äthiopische Staat, einheimische und ausländische Friedensfachleute sind um Ausgleich und Vermittlung bemüht – mit einigem Erfolg, aber auch mit unerwünschten Nebenwirkungen.

Emaran Lokodo hat schon lange kein Wasser mehr den Kibbish hinab fließen sehen. Ein heißer Wind bläst feinen Sand über das trockene Flussbett, das die Grenze zu einem von Kenia kontrollierten Stück Niemandsland markiert. In der Mittagshitze schöpfen die Hirten aus metertiefen Gruben Grundwasser für ihre Kühe und Ziegen. Emaran hockt im Schatten eines Baumes und schaut dem Treiben zu. Der hagere Mann, der aussieht wie 70, aber eher Mitte 50 sein dürfte, ist einer der Ältesten vom Stamm der Nyangatom. Das Kalaschnikow-Sturmgewehr zwischen den Knien erzählt er, wie es vor langer Zeit zum Krieg mit den Nachbarn vom Stamm der Karo kam: „Damals herrschte eine große Dürre. Ein paar von uns gingen zu den Karo, um etwas zum Essen zu kaufen. Aber die Karo haben sie getötet.“

Zwei Autostunden weiter östlich hört sich die Geschichte anders an. Hier ist Karo-Land. Biua, der nur diesen einen Namen nennt, trägt den traditionellen Federschmuck auf dem Kopf. Die schmückenden Narben auf seiner Brust weisen ihn als erfahrenen Kämpfer aus. Mit einem Dutzend anderer Männer sitzt er im Dorf-Pavillon, in dem die Ältesten sich zu Beratungen treffen. In der Ebene schlängelt sich der Omo-Fluss durch die staubige Landschaft, gesäumt von üppigem Grün an beiden Ufern. „Die Nyangatom haben meine Ziegen gestohlen“, sagt Biua mit lauter, zorniger Stimme, „immer und immer wieder. Ich habe sie im Wald erwischt, als sie die Tiere gebraten und gegessen haben. Erst habe ich sie nur geschlagen, aber als sie nicht aufhörten, habe ich einen von ihnen getötet. So fing der Krieg an. Aber seit zwei Jahren herrscht Frieden zwischen uns.“

Karo und Nyangatom sind zwei von 16 Ethnien in South Omo, einer Provinz von der Größe Hessens im äußersten Südwesten von Äthiopien. Andere Stämme heißen Mursi, Hamar und Dassanech. South Omo hat etwa 580.000 Einwohner, die Mehrzahl davon Pastoralisten – Viehhirten –, die von ihren Kühen, Ziegen und Schafen leben. Einige Stämme pflanzen zusätzlich Mais, Sorghum und Getreide an, vor allem wenn sie wie die Karo am Ufer des Omo leben, der Lebensader der Provinz. Die Männer und ihre Söhne ziehen mit den Tieren über das Land auf der Suche nach Weidegebieten und Wasserstellen, Frauen und Töchter bleiben zuhause. Zwischen den Stämmen kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Meistens geht es um Land, Wasser, gestohlenes Vieh oder einfach um Rache. „Die Leute hier verstehen es seit je, Krieg gegeneinander zu führen. Sie verstehen es aber ebenso gut, wieder Frieden zu schließen“, sagt der Mainzer Ethnologe Ivo Strecker, der seit Jahrzehnten über die Völker von South Omo forscht. Das klingt so, als sei in dieser Gegend die Zeit stehen geblieben. Doch die Bedingungen, unter denen die Pastoralisten sich bekriegen und wieder versöhnen, haben sich verändert.

Die Viehhirten im äthiopischen Tiefland sind ärmer als die Bauern im Hochland, und South Omo nimmt unter den benachteiligten Regionen nochmals eine Sonderstellung ein. „Der Unterschied zwischen den Somalis im Osten und South Omo ist so wie der zwischen New York und Addis Abeba“, sagt ein äthiopischer Fachmann, der seinen Namen nicht gedruckt sehen möchte. Die Somalis sind Geschäftsleute und verkaufen ihre Kamele bis auf die arabische Halbinsel. Die Viehhirten in South Omo dagegen leben von der Hand in den Mund: Sie haben keinen Zugang zu überregionalen Märkten, das Fleisch und die Häute ihrer Tiere genügen ohnehin nicht den Exportstandards. Es mangelt an Ärzten und Kliniken, Lehrern und Schulen. Offiziell besucht in der Provinz jedes zweite Pastoralistenkind eine Grundschule, wahrscheinlich sind es jedoch deutlich weniger.

Das Volk der derzeit 17.000 Mitglieder zählenden Nyangatom hat bis heute genau vier Hochschulabsolventen hervorgebracht. Einer davon ist Admasu Kidewa, der dieses Jahr seinen Uniabschluss in Englisch und Literatur machen will. Vor zwei Jahren hat er zusammen mit anderen Männern aus seinem Stamm die Organisation Atowoykesi Eksil Pastoralist Development Association (AEPDA) gegründet, die das Los der Pastoralisten in South Omo verbessern will. Laut Admasu drehten sich Konflikte zwischen den Stämmen früher oft „um die Ehre und darum, dass ein junger Mann seine Stärke beweist, indem er jemand von einem anderen Stamm tötet“. Das sei heute nicht mehr so wichtig. „Heute geht es vor allem um Wasser, Weideland, aber auch um Vieh für die Mitgift“, sagt der 26-Jährige. Will zum Beispiel bei den Mursi ein Mann heiraten, kostet ihn das 38 Kühe und ein Kalaschnikow-Gewehr. Hat er nicht genug, kann er seine Eltern oder Geschwister darum bitten. Oder ein paar Freunde zusammentrommeln und sie sich mit Gewalt beim Nachbarstamm holen.

Darüber hinaus hat der professionelle Viehdiebstahl zugenommen, nicht nur in South Omo, sondern am gesamten Horn von Afrika. Auch die Nyangatom sind nach eigenen Angaben davon betroffen: Kämpfer vom Stamm der Turkana auf der kenianischen Seite des Kibbish verbündeten sich hin und wieder mit kenianischen Milizen und raubten in Äthiopien große Mengen Kühe, um sie auf Märkten in Ostafrika zu verkaufen. Die Provinzregierung von South Omo bestätigt das.

Fachleute nennen den in Äthiopien praktizierten „ethnischen Föderalismus“ als weiteren Faktor, der Konflikte verschärft, wenn nicht sogar auslöst. Seit dem Sturz von Diktator Mengistu Haile Mariam 1991 hat die Regierungspartei EPRDF die politische Macht auf der Grundlage ethnisch definierter Territorien dezentralisiert: Die Grenzen politischer Einheiten wie der Regionalstaaten, Provinzen oder Landkreise (Woredas) orientieren sich an den traditionellen Siedlungsgebieten der mehr als 80 Ethnien in Äthiopien. Die Verfassung von 1995 räumt ihnen das Recht auf Selbstbestimmung bis hin zur Sezession ein. Die äthiopischen Kaiser und Mengistu Haile Mariam, der die Dynastie 1974 stürzte, hatten versucht, die Stämme mit Gewalt zu assimilieren und unter das Dach des Zentralstaates zu zwingen. Die EPRDF-Regierung hingegen, die selbst aus mehreren regionalen Befreiungsbewegungen hervorgegangen ist, sah im ethnischen Föderalismus die einzige Chance, im Vielvölkerstaat Äthiopien Frieden zu schaffen und ihn als Ganzes zu erhalten.

Allerdings verstärkt diese Regelung zuweilen den Drang der Ethnien, sich voneinander abzugrenzen – und verschlimmert damit das Problem, das sie bekämpfen will. Denn der Zugang zu politischem Einfluss und staatlichen Mitteln hängt davon ab, ob eine Gruppe als politisch relevante Ethnie anerkannt wird. Das setzt voraus, dass sie ein bestimmtes Territorium „besetzt“ und als ihres markiert. Die Nyangatom beispielsweise waren früher Teil eines mehrere Ethnien umfassenden Landkreises. Vor zwei Jahren wurden die Grenzen neu gezogen, sie erhielten einen eigenen Kreis und können jetzt selbstständiger über die Verwendung von Finanzhilfen der Zentralregierung entscheiden. Seitdem gehe es ihnen deutlich besser, bestätigt der Chef des neuen Landkreises.

Doch der Drang nach einem eigenen Territorium und nach Abgrenzung von anderen Ethnien kollidiert mit der pastoralen Lebensweise. Seit je überschreiten die Viehhirten auf der Suche nach Weideland und Wasser Grenzen und durchqueren die Siedlungsgebiete anderer Stämme oder lassen sich dort vorübergehend nieder. „Das hat schon immer zu Auseinandersetzungen geführt“, sagt die äthiopische Ethnologin Alemmaya Mulugeta. „Aber der ethnische Föderalismus lädt die traditionellen Konflikte um natürliche Ressourcen zusätzlich politisch auf.“ Sie sieht darin heute die wichtigste Ursache für Pastoralistenkonflikte in Äthiopien.

Auch die Verbreitung moderner Kleinwaffen hat die Konflikte verschärft. Je weiter man in South Omo nach Südwesten Richtung Kenia und Sudan kommt, desto offener tragen Männer ihre Gewehre, in der Regel Schnellfeuerwaffen vom Typ Kalaschnikow oder Heckler & Koch G3, aber auch ältere Karabiner. Woher bekommen sie die Waffen? „Warum willst du das wissen?“ fragt der Karo-Älteste Buia misstrauisch zurück, antwortet dann aber doch bereitwillig: „Du kannst sie überall kaufen: in der nächsten Stadt, an der Grenze, wo du willst. Ein Gewehr kostet vier bis sechs Bullen.“

Die Waffen kommen vor allem aus den Krisenregionen Somalia und Südsudan nach Äthiopien. „Der Handel ist unmöglich zu kontrollieren“, räumt Nigatu Danssa ein, der Chef der Provinzverwaltung von South Omo. „In ganz Ostafrika tragen die Pastoralisten Gewehre. Das ist einfach Teil ihrer Kultur.“ Die meisten Viehhirten sagen, dass die modernen Waffen alles noch schlimmer gemacht haben: Auseinandersetzungen eskalieren schneller, die Zahl der Toten und Verletzten ist gestiegen. Aber gleichzeitig behauptet jeder, er trage das eigene Gewehr selbstverständlich nur zur Verteidigung.

Das zeigt, dass zwischen den Stämmen kein Vertrauen besteht. Wenn die Ältesten der Karo und der Nyangatom betonen, es herrsche Frieden zwischen ihnen, dann heißt das nur, dass derzeit nicht gekämpft wird. Doch jeder richtet sich darauf ein, dass es zu neuer Gewalt kommen könnte. Alemmaya Mulugeta hält es deshalb für falsch, von „traditionellen Verfahren zur Konfliktlösung“ zu sprechen. Wenn die Ältesten zweier Stämme sich nach einer Auseinandersetzung zusammensetzen, gehe es selten um vertrauensbildende Maßnahmen, sagt die Ethnologin. Meistens werde nur über die Wiedergutmachung von Schäden verhandelt, etwa über die Zahl der Kühe, die ein Angreifer für Todesopfer zahlen muss.

Die Autorität der Ältesten schwindet ohnehin – auch wenn die das nicht wahrhaben wollen und selten zugeben. Junge Männer gehen häufig ohne ihre Einwilligung auf Raubzug, zum Beispiel für eine Mitgift oder um Rache zu üben. Die allgegenwärtigen Gewehre senken ihre Hemmschwelle zusätzlich. „Die Jungen fordern immer den Kampf, wenn es Streit mit anderen Stämmen gibt“, sagt Emaran Lokodo, der Nyangatom-Älteste in Kibbish. „Wir dagegen wollen die Sache friedlich regeln. Es ist ein ständiges Kräftemessen mit der Jugend.“

Konflikte zwischen den Pastoralisten eskalieren leicht, weil für Angriffe der gesamte Stamm verantwortlich gemacht wird. Die Idee individueller Schuld, wie sie der staatlichen Justiz zugrunde liegt, ist weitgehend unbekannt; Gerichte spielen bei der Auf arbeitung von gewaltsamen Zusammenstößen in South Omo praktisch keine Rolle. Oft wissen die Verantwortlichen gar nicht, wer für einen Überfall verantwortlich ist. „In vielen Pastoralistengebieten ist ein Machtvakuum entstanden“, sagt Alemmaya Mulugeta: „Die Ältesten verlieren Einfluss und der Staat kann diese Lücke nicht schließen.“

Die Pastoralisten wissen, dass sie den Kontakt zueinander suchen müssen, um Konflikten vorzubeugen. „Miteinander reden schafft Frieden“, sagt Emaran Lokodo. Doch oft herrscht buchstäblich Sprachlosigkeit zwischen den Stämmen: Nyangatom und Karo leben nur einige Dutzend Kilometer voneinander entfernt, sprechen jedoch unterschiedliche Sprachen. An diesem Punkt setzen der äthiopische Staat sowie lokale und internationale Organisationen mit ihren Versuchen an, in Konflikten zu vermitteln und Gewalt zu verhindern.

Häufig bringen lokale Behörden nach gewaltsamen Zusammenstößen Gespräche zwischen den Streitparteien in Gang. Die Stammesältesten haben damit kein Problem; auf lokaler Ebene stehen staatliche Initiativen nicht in Konkurrenz zu den traditionellen Verfahren, sondern sind längst ein Teil davon. Meistens gehören die Behördenvertreter ohnehin den beteiligten Ethnien an. Das verkleinert die Kluft zwischen der Verwaltung und traditionellen Autoritäten, kann aber auch Konflikte zusätzlich anheizen – wenn die Vertreter des Staates nicht vermitteln, sondern nur die Interessen ihrer eigenen Ethnie durchsetzen wollen. Oder wenn bei einem Konflikt innerhalb eines Landkreises einer der beteiligten Stämme keinen politischen Vertreter hat.

Internationale Geberagenturen und nichtstaatliche Hilfsorganisationen sowie lokale Initiativen fördern seit einiger Zeit die Einrichtung so genannter „Friedensausschüsse“ (Peace Committees). Darin sollen Vertreter verschiedener Pastoralistenstämme regelmäßig zusammenkommen und drohende Konflikte frühzeitig entschärfen. Ein großes Treffen Ende 2007 war die Initialzündung für viele dieser Ausschüsse. Damals versammelten sich auf Einladung der Nyangatom Vertreter aller Stämme aus South Omo, einiger Stämme aus benachbarten Provinzen sowie der Turkana aus Kenia und der Toposa aus Sudan. Sie diskutierten im Schatten einer riesigen Schirmakazie fünf Tage lang über die Ursachen ihrer Auseinandersetzungen, wie man sie abstellen könnte und welche Strafen für Viehdiebstahl und Mord angemessen wären. Viele Stämme begegneten sich dort erstmals aus friedlichem Anlass.

Admasu Kidewa von der Pastoralistenorganisation AEPDA hat das Treffen mit organisiert. Für ihn war die Beteiligung der Viehhirten aus Kenia und Sudan besonders wichtig. Denn Konflikte über nationale Grenzen hinweg sind noch schwerer zu bearbeiten als solche zwischen den Stämmen in South Omo. „Der Austausch, etwa über den Handel, ist noch geringer zwischen den Gruppen in Äthiopien, Kenia und Sudan. Und im Falle von Zusammenstößen ist oft nicht klar, wer auf der anderen Seite auf politischer Ebene der richtige Ansprechpartner ist.“ AEPDA ist deshalb seit kurzem mit einer kenianischen Pastoralistenorganisation im Gespräch, um Auseinandersetzungen zwischen den Nyangatom und den Turkana besser vorzubeugen. Vorbild ist ein grenzüberschreitender „Friedensausschuss“ von Dassanech und Turkana, der laut Vertretern der beteiligten nichtstaatlichen Organisationen geholfen hat, die Spannungen zwischen den beiden Stämmen abzubauen.

Die Einmischung von außen hat aber auch eine Kehrseite. Alemmaya Mulugeta spricht zugespitzt von einer „Kommerzialisierung der Konfliktbearbeitung“: Geber, nichtstaatliche Organisationen und der äthiopische Staat sponsern Friedenskonferenzen, richten Friedensausschüsse ein und bezahlen Fortbildungskurse für die Pastoralistenvertreter. Für die Stammesältesten, die mitmachen dürfen, ist das durchaus attraktiv: Es winken Ehre und Anerkennung – und manchmal auch Geld. Admasu Kidewa hält das für eine bedenkliche Entwicklung: „Die NGOs machen sich teilweise Konkurrenz und locken die Ältesten mit finanziellen Anreizen wie Tagegeldern.“ Zuweilen bringt das die Ältesten in eine prekäre Lage zwischen dem Staat und anderen Institutionen von außen auf der einen Seite und ihren Stämmen auf der anderen Seite und beschädigt ihre Autorität.

Darüber hinaus mangelt es an Abstimmung. In der Vergangenheit haben in South Omo verschiedene Organisationen Friedensausschüsse mit teilweise überlappenden Zuständigkeiten geschaffen, ohne dass der eine vom anderen wusste. Ein Beispiel: Zwei Ausschüsse mit Vertretern der Nyangatom und der Dassanech beschlossen unterschiedliche Regeln für die Kompensation von Konfliktschäden. Nach einem Zusammenstoß zwischen den Stämmen mit Toten und Verletzten gab es dann Streit darüber, welche Regel anzuwenden sei. Immerhin: Im Dezember 2008 vereinbarten die wichtigsten Hilfsorganisationen in South Omo und die Provinzregierung, in der Friedensarbeit künftig an einem Strang zu ziehen. Auch der Deutsche Entwicklungsdienst will mit seinem Zivilen Friedensdienst die vielen staatlichen und nichtstaatlichen Kräfte in der Region stärker bündeln (siehe Seite 16).

Die Zentralregierung in Addis Abeba sieht derweil die pastorale Lebensweise als das eigentliche Problem. Für sie wird es Krieg und Konflikt, Armut sowie Mangel an Bildung und Gesundheit in den Pastoralistengebieten geben, solange die Viehhirten ständig von Ort zu Ort ziehen. Die Politiker in der Hauptstadt wollen deshalb möglichst viele von ihnen von den Vorzügen eines sesshaften Lebens überzeugen und zur Landwirtschaft bringen – zum Beispiel an den Ufern des Omo, wo in den kommenden Jahren in Bewässerungsanlagen investiert werden soll.

Emaran Lokodo hält das für keine gute Idee. Der Nyangatom- Älteste blickt an der äthiopisch-kenianischen Grenze weiter in das staubtrockene Kibbish-Flussbett und sieht den Männern und Frauen bei der Viehtränke zu – so wie er das schon immer getan hat. „Weißt du was passiert, wenn wir zum Omo gehen und dort bleiben? Die Turkana kommen und nehmen sich dieses Land hier. Das lassen wir nicht zu, denn hier ist unsere Heimat.“

Tillmann Elliesen ist Redakteur bei „welt-sichten“.