Guatemala
Stolz auf ihre eigene Kultur: Maya-Priester begehen im August 2012 in der Ausgrabungsstätte Kaminaljuyú in Guatemala-Stadt den Internationalen Tag der indigenen Völker.  
Guatemala

Die ganze Macht den Weißen

Der Staat Guatemala wurde vor 200 Jahren von einer kleinen weißen Elite gegründet. Die rassistische Ausgrenzung der Maya-Bevölkerung prägt ihn bis heute.

Maya-Frauen sitzen als Bettlerinnen auf den Bürgersteigen im Zentrum von Guatemala-Stadt. Sie tragen ihre bunte Tracht und haben meist ein Kind dabei. Andere verkaufen Erdnüsse oder tropische Früchte aus einem Korb oder einer Schubkarre, die sie vor sich herschieben. Maya-Männer – in aller Regel nicht in Tracht – verhökern auf den Straßen Hüllen und Ladegeräte für Mobiltelefone oder Souvenirs für Touristen. Viele stehen in Uniform als Wächter vor Parkplätzen und Einkaufszentren. In Panajachel, dem Ferienort am malerischen Atitlán-See, sind traditionell gekleidete Maya-Kinder folkloristisches Beiwerk für die Besucher. Sie verlangen einen US-Dollar, wenn man ein Foto von ihnen machen will.

Die meisten Maya Guatemalas aber leben im schwer zugänglichen Hinterland. Dort, wo die Böden karg und die Straßen schlecht sind, wo der Staat kaum präsent ist. Viele von ihnen sind Analphabeten und sprechen kein Spanisch, sondern eine der über 20 Maya-Sprachen. Mehr als die Hälfte ihrer Kinder ist chronisch unterernährt, in manchen Gegenden leben über 80 Prozent unterhalb der Armutsgrenze.

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erschienen in Ausgabe 3 / 2019: Rassismus

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