Bildwitz
Rassistisch? Wolfgang Ammers Zeichnung zum digitalen Kolonialismus für „welt-sichten“ 12/2017.
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„Es ist nicht das Ziel einer Karikatur, jemanden zu beleidigen“

Asiaten mit Schlitzaugen, Afrikaner mit großen Lippen: Das Risiko ist groß, als Karikaturist auf solche Stereotypen zurückzugreifen, sagt „welt-sichten“-Zeichner Wolfgang Ammer – und erklärt, wie er das vermeidet und warum die Karikatur wirksamer ist als der geschriebene Kommentar. Gespräch mit Wolfgang Ammer

Herr Ammer, macht es einen Unterschied für Sie, ob Sie schwarze oder weiße Menschen zeichnen? Haben Sie bei Schwarzen eher eine Schere im Kopf?
Es kommt ja immer auf den Zusammenhang an – also darauf, wo eine Zeichnung erscheint. Daher würde ich sagen: Ja, manchmal, aber wirklich nur ganz leicht. Bei den Zeichnungen für „welt-sichten“ überlege ich schon hin und wieder, wie gehe ich da nun achtsam ran. Nehmen Sie meine Zeichnung zum digitalen Kolonialismus, in der die Afrikaner als Gefangene der Weißen zu sehen sind. Wäre das in einer anderen Zeitschrift gedruckt worden, wäre das vielleicht als rassistische Darstellung kritisiert worden.

Worauf achten Sie, wenn Sie schwarze Menschen zeichnen, um dem Vorwurf des Rassismus zu entgehen?
Ich versuche den Personen, die ich zeichne, mit Respekt und einer gewissen Umsicht zu begegnen. Auch Satire kann respektvoll sein. Ich kann sehr kritisch sein, aber muss dabei in der Zeichnung gar nicht stark übertreiben. Es sind immer die Klischees oder die Stereotype, die als Rassismus gedeutet werden. Ich versuche dem zu entkommen, indem ich die Charaktere zeichne, also die individuellen Merkmale einer Person. Wenn man das macht, greift der Rassismusvorwurf meiner Ansicht nach nicht.

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erschienen in Ausgabe 3 / 2019: Rassismus

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