Rassistische Klischees
Rassistische Klischees

„Afrikaner gelten als faul und unzuverlässig“

Was Chinesen von Afrika halten und was die Staatsmedien in China verbreiten. Gespräch mit Mao Yishu

###bild-1-31###Viele Afrikaner fühlen sich in chinesischen Firmen in ihrem Land übel behandelt. Ist das ein Zeichen für Rassismus?
 Nach meiner Ansicht sind heute viele in China rassistisch. Aber ihr Rassismus unterscheidet sich grundlegend von dem, der in den USA und Europa verbreitet ist oder früher war: Er hebt auf kulturelle Unterschiede ab, nicht auf biologische. Ich habe rassistische Einstellungen in der Gesellschaft anhand des sozialen Mediums Zhihu untersucht; da stellen Leute Fragen wie „Was denkst du über Afrika?“ oder „Welche Erfahrungen hast du mit Afrikanern?“. Von denen, die antworten, haben viele in Afrika gearbeitet. Ich habe die Antworten auf Stereotypen abgeklopft.

Welche haben Sie gefunden?
Faulheit wird sehr oft Afrikanern zugeschrieben, auch Unzuverlässigkeit. Häufig wird Promiskuität genannt, etwa dass ein Mann fünf Freundinnen gleichzeitig habe. Dann natürlich Armut sowie Ineffizienz und eine Neigung zu Kriminalität – etwa dass afrikanische Angestellte Toilettenpapier oder Büromaterial stehlen. Es heißt auch, dass Afrika und China beide unter Kolonialherrschaft standen; China habe es geschafft, wieder mächtig zu werden, während Afrika noch immer sei wie früher. Chinesen sehen ihre Arbeitsethik als Kontrast zur Faulheit von Afrikanern. Aber es heißt nicht, dass Afrikanern Intelligenz fehlt oder sie körperlich unterlegen sind.

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erschienen in Ausgabe 3 / 2019: Rassismus

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