China
Ein Uigure und seine Enkeltochter in ihrem Haus in Turpan in der Provinz Xinjiang. Han-Chinesen spähen im Auftrag des Staates das Leben solcher Familien aus.
China

Big Brother im eigenen Haus

Chinas Regierung will die Uiguren im Westen des Landes auf Linie bringen – und schickt dazu Chinesen in deren Dörfer. Einige folgen widerwillig, andere glauben an ihre Erziehungsmission.

Häufig erschienen die „großen Brüder und Schwestern“ in Wanderkleidung. Sie tauchten in den Dörfern in Gruppen auf mit prall gefüllten Rucksäcken, in denen elektrische Wasser- oder Reiskocher und andere nützliche Geschenke für ihre Gastgeber steckten. Ihnen war hier, fern von ihrer Heimat, sichtlich nicht ganz wohl bei der Sache, und sie ließen wenig Lust auf das primitive Landleben erkennen. Aber diese „Verwandten“ – so waren sie angewiesen, sich zu nennen – hatten einen Auftrag zu erfüllen. Also traten sie erhobenen Hauptes in die Häuser der Uiguren und machten klar, dass sie so schnell nicht wieder gehen würden.

Die Dorfkinder hörten, wie die Fremden versuchten, in der lokalen Sprache zu grüßen. Sie sahen die schimmernden chinesischen Fahnen und das runde Gesicht von Mao Zedong, das die Fremden sich auf die Brust geheftet hatten, und wussten, was nun von ihnen erwartet wurde: „Ich liebe China“, riefen die Kinder enthusiastisch, „ich liebe Xi Jinping“, Chinas Staatspräsidenten.

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erschienen in Ausgabe 2 / 2019: Jugend und Bildung

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