Ebola-Forschung
Ebola-Forschung

„Unser Hauptziel ist, die Krankheit zu verstehen“

Was passiert mit den Blutproben von Patienten einer Ebola-Epidemie? Gespräch mit Stephan Günther

###bild-1-31###Einer britischen Zeitung zufolge haben Forschungsinstitute während der Ebola-Epidemie 2014 bis 2016 in Westafrika Blutproben unter undurchsichtigen Umständen ins Ausland geschafft. Stimmt das?
Ich kann nur für unser Institut sprechen, aber ich würde sagen, die große Mehrheit hat die Proben korrekt in Zusammenarbeit mit den Ländern außer Landes geschafft. Wichtig ist, dass man unterscheidet zwischen Blutproben aus klinischen Studien und solchen, die während der Diagnostik übrig bleiben. Letztere, sogenannte left-over-Proben, sind der schwierige Fall. Die meisten ausländischen Institute sind ja nicht ins Ausbruchgebiet gegangen, um Proben zu sammeln, sondern um mit mobilen Laboren Patienten zu testen und so die Ausbruchskontrolle zu unterstützen. Die meisten Proben aus der Diagnostik werden vernichtet, aber wir haben gesagt, da ist wertvolles Material dabei, das heben wir auf und bringen es nach Hamburg. Die Länder in Afrika sind ja noch nicht in der Lage, derart gefährliches Material nach internationalen Biosicherheitstandards zu lagern.

Haben die Patienten dem zugestimmt?
Nein, und das ist das Komplizierte. Es gibt keine Einverständniserklärung, da die Proben für die Diagnostik entnommen wurden. Aber für alle Proben, die wir außer Landes geschafft haben, haben wir Forschungsvereinbarungen mit den verantwortlichen Einrichtungen in Sierra Leone und Guinea. Darin ist geregelt, woher die Proben kommen, was wir damit machen wollen und welchen Nutzen die Länder von der Diagnostik in Zusammenarbeit mit uns haben. Und es steht drin, dass die Proben weiter Sierra Leone und Guinea gehören und dorthin zurückgehen, sollten sie einmal in der Lage sein, sie sicher zu lagern. Zudem regeln die Vereinbarungen, wie neues geistiges Eigentum geteilt wird, das aus der Arbeit mit diesen Proben entstehen könnte.

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erschienen in Ausgabe 6 / 2019: Arznei und Geschäft

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