Afghanistan
Kabul im November 2018: Ein Fernsehreporter berichtet vom Ort eines Anschlags mit einer Autobombe.
Afghanistan

„Reporter sollten Helme und schusssichere Westen tragen“

13 der 54 Journalisten, die laut des internationalen Komitees zum Schutz von Journalisten im vergangenen Jahr weltweit getötet wurden, waren Afghanen. 2018 war damit das tödlichste Jahr für den afghanischen Journalismus seit 2002. Der Radiojournalist Mujeeb Khalvatgar, der sich zugleich für Pressefreiheit in Afghanistan engagiert, macht dafür nicht zuletzt die Regierung verantwortlich. Er sieht aber auch Hoffnungsschimmer für den Journalismus in seinem Land.

Vor einem Jahr, am 30. April 2018, verloren neun Journalisten bei einem Anschlag in Kabul ihr Leben. Das war traumatisch für den afghanischen Journalismus. Was ist seitdem passiert? 
Bis heute sind wir uns nicht sicher, wer den Anschlag verübt hat, ob es die Taliban waren oder der IS. Obwohl die Regierung eine gründliche Untersuchung des Anschlags versprochen hat, haben wir immer noch keinen umfassenden Bericht erhalten. Ich zweifle daran, dass man sich dabei wirklich Mühe gibt, aber wir werden weiter Aufklärung fordern. Im Vergleich zu 2017 ist die Gewalt gegen afghanische Journalisten im vergangenen Jahr um mehr als fünfzig Prozent gestiegen. Dies liegt nicht nur an der insgesamt schlechteren Sicherheitslage in Afghanistan, sondern auch daran, dass die Regierung nicht fähig und willens ist, die Journalisten des Landes angemessen zu schützen. 

Worin sehen Sie den Grund für den Anstieg der Gewalt gegen Journalisten? 
Bewaffnete Gruppen wie der IS und die Taliban kümmern sich nicht um die Menschenrechte, zu denen auch die Pressefreiheit gehört. Unsere Journalisten werden mit jedem Tag professioneller darin, die Hintergründe hinter Taliban-Verbrechen aufzudecken und die Verursacher von Menschenrechtsverletzungen an den Pranger zu stellen. Die Extremisten sorgen sich um ihr Image in den afgha­nischen Medien; deshalb tun sie alles, was in ihrer Kraft steht, um Journalisten Angst einzujagen, damit sie ihre Arbeit einstellen.

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erschienen in Ausgabe 7 / 2019: Multilaterale Politik: Zank auf der Weltbühne

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