Zertifizierung
Sind die fair? Banane und Ananas mit dem Siegel der Rainforest Alliance. Die Einhaltung von Siegel-Standards ist schwer zu überwachen.  
Zertifizierung

„Wenn Betrug gut geplant ist, kann er jahrelang unbemerkt bleiben“

Von Bio- und Nachhaltigkeits­siegeln erhoffen sich Verbraucher Gewissheit über die Herkunft ihrer Einkäufe. Einer der Geschäftsführer des Zertifizierungsunternehmens CERES, Albrecht Benzing, erklärt, wie er bei der Zertifizierung von Landwirten im Süden vorgeht und warum Verbraucher sich nicht zu hundert Prozent auf die Siegel verlassen sollten.

Herr Benzing, Nachhaltigkeitssiegel sollen sicherstellen, dass zum Beispiel beim Anbau von Kaffee, Kakao oder Tee grundlegende Arbeits- und Menschenrechte eingehalten werden. Wenn ich ein Pfund Kaffee aus Äthiopien kaufe, das von Ihrem Unternehmen mit dem Siegel der Rainforest Alliance ausgezeichnet wurde: Kann ich mich darauf verlassen, dass diese Bedingungen erfüllt sind?
Normalerweise ja, aber solche Systeme funktionieren natürlich nie zu 100 Prozent.

Warum?
Unsere Inspektoren sind gut geschult und entdecken Verstöße gegen die Siegel-Standards – selbst wenn zum Beispiel die Plantagenbesitzer diese vertuschen wollen. Aber wenn der Betrug gut geplant ist, kann es Jahre dauern, bis wir das merken. Wie hoch der Betrugsanteil bei zertifizierten Produkten insgesamt ist, kann ich nicht beziffern. Das schwankt mit Sicherheit auch stark zwischen den einzelnen Standards sowie den Ländern und Zertifizierungsunternehmen.

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erschienen in Ausgabe 3 / 2020: Schuften für den Weltmarkt

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