Afrika
Carlos Lopes ist Professor an der Mandela School of Public Governance der Universität Kapstadt (Südafrika) und Hoher Vertreter der Afrikanischen Union für Partnerschaft mit Europa. Er stammt aus Guinea-Bissau und war 2012 bis 2016 Leiter der UN-Wirtschaftskommission für Afrika.
Afrika

„Das Kapital wandert aus dem Süden in den Norden“

Afrika ist von allen Regionen am weitesten davon entfernt, die Armut und den Hunger zu besiegen. Dafür sind auch die Spielregeln der Weltwirtschaft verantwortlich, sagt der Ökonom Carlos Lopes aus Guinea-Bissau – besonders die Regeln im Finanzwesen.

Viele Länder südlich der Sahara sind weit von der Erreichung zahlreicher SDGs entfernt. Stoßen Länder Afrikas, die auf die Umsetzung hinarbeiten, auf äußere Hindernisse, die sie kaum beeinflussen können?
Auf jeden Fall – angefangen mit der Ungerechtigkeit, die mit dem Klimawandel einhergeht: Die Erderhitzung wird von Ländern mit hohen Emissionen verursacht, Afrika leidet aber am meisten darunter. Bisher versucht man, diese Ungerechtigkeit mit Geld für Klimaanpassung anzugehen. Die versprochenen Summen scheinen riesig, sind aber wenig im Verhältnis zu den Weltfinanzströmen und selbst das wird dann nicht gezahlt. Darüber hinaus ist es nicht der richtige Ansatz. Stattdessen sollte man afrikanischen Ländern helfen, eine neue Art Industrialisierung zu erreichen. Warum Rohstoffe aus Afrika nach Asien bringen, um sie dort zu Konsumgütern für Europa zu verarbeiten? Das erhöht unnötig die Emissionen. Ein Strukturwandel der Wirtschaft kann hingegen in Afrika Arbeitsplätze schaffen und die Emissionen aus vielen globalen Wertschöpfungsketten verringern. Das ist viel wichtiger als Klimaanpassung.

Heißt das, Afrika braucht eine Industrialisierung, um den Zielen für nachhaltige Entwicklung näherkommen zu können?
Ja. Und es stimmt nicht, dass man, um Wirtschaftswachstum zu erreichen, den Klimawandel weiter anheizen muss. Afrika kann dank Technik auf andere, neue Art wachsen. Zum Beispiel ist die Erzeugung von erneuerbaren Energien inzwischen so kostengünstig möglich wie die von fossilen Treibstoffen. Für Nachzügler ist es vorteilhaft, bei der Industrialisierung sofort auf Erneuerbare zu setzen. Und man kann in Afrika nicht nur technisch, sondern auch mental ein Stadium überspringen und einen anderen Lebensstil entwickeln als in Europa und den USA, zum Beispiel andere Konsummuster.

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erschienen in Ausgabe 7 / 2020: Der Plan für die Zukunft?

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