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Wie man Skeptiker erreicht

Entwicklungspolitik wird in den Medien insgesamt eher verzerrt dargestellt, findet eine Mehrheit der Deutschen. Gefragt sind fundierte und glaubhafte Informationen, heißt es in einer Studie.

Über welche Kanäle informieren sich die Deutschen über Entwicklungspolitik? Mit welcher Art Information erreichen Medien und entwicklungspolitische Organisationen die Bürgerinnen und Bürger am besten? Diesen Fragen hat das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) eine Studie gewidmet, in der es Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage sowie aktuelle Daten des Aid Attidudes Tracker (AAT) zusammenfasst. Der von der Gates-Stiftung finanzierte AAT erfasst seit 2013 regelmäßig in verschiedenen Geberländern Einstellungen und Wissen der Bevölkerung zu entwicklungspolitischen Themen.

Ein wesentliches, wenig überraschendes Ergebnis der Studie ist: Junge Leute informieren sich eher über digitale Medien, die über 50-Jährigen eher über traditionelle Medien wie die Zeitung oder das Fernsehen. In Kontakt mit Entwicklungspolitik kommen die meisten über Themen wie Krieg, Flucht und Migration sowie Klimawandel. Das heißt, für die meisten Mediennutzer ist Entwicklungspolitik zunächst einmal mit schlechten Nachrichten verbunden. Umso wichtiger sei es, in der Berichterstattung Handlungs- und Lösungsansätze und Beispiele für Fortschritte zu zeigen, um Interesse zu wecken und aufrechtzuerhalten, heißt es in der Studie.

Skeptiker mit fundierten Informationen erreichen

Das DEval unterscheidet in der Studie wie bereits in einem früheren Papier zu den Ergebnissen des Aid Attidudes Tracker zwischen Unterstützern, Skeptikern und Gegnern der Entwicklungspolitik sowie zwischen Leuten, die ihr unschlüssig gegenüberstehen. Aus entwicklungspolitischer Sicht seien vor allem die Skeptiker interessant: Sie seien interessiert an dem Thema, hätten aber Vorbehalte. Um sie zu erreichen, sei es wichtig, fundierte und glaubhafte Informationen zu bieten, die auch die Schattenseiten und Fehlschläge von Entwicklungspolitik zeigen. Laut der Studie wird die Berichterstattung in Medien und die Informationsarbeit von entwicklungspolitischen Organisationen insgesamt als verzerrt und zu schwarzseherisch wahrgenommen.

Für wenig sinnvoll hält das DEval, ausgemachte Gegner über die Medien erreichen zu wollen. Denn diese Gruppe, deren Mitglieder sich selbst politisch eher rechts verordnen, haben weder eine gute Meinung von den meisten Medien noch von der Entwicklungspolitik. Man könne versuchen, ihnen das Thema schmackhaft zu machen, indem man auf vermeintliche Vorteile von Entwicklungspolitik für Deutschland hinweise, etwa in Form von Aufträgen für die deutsche Wirtschaft oder in einer Verringerung von Flüchtlingszahlen. Das sei aber eine riskante Strategie, weil das wiederum ernsthaft interessierte Mediennutzer abschrecken könnte.

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