Nigerianischer Soldat
Ishola Williams war fast 30 Jahre lang Soldat in der nigerianischen Armee. Mit seiner Meinung hat er nie hinterm Berg gehalten. 
Nigerianischer Soldat

Ein alter Kämpe ist ausgestiegen

Ein Soldat der nigerianischen Armee blickt auf seine Dienstzeit zurück: Generalmajor Ishola Williams hat als nigerianischer Soldat den Biafra-Krieg, etliche Staatstreiche und den erfolglosen Kampf gegen Dschihadisten miterlebt. Diesen Kampf hält er für nötig, wirft aber dem Militär Korruption, Planlosigkeit und Mangel an Professionalität vor. Gar nichts hält er davon, wenn die Armee sich in die Politik einmischt. 

Als der 1943 geborene Ishola Williams 1966 zur Verteidigungsakademie der nigerianischen Streitkräfte zugelassen wurde, sagte der heutige Generalmajor im Ruhestand seinem Vater das zunächst nicht. „Wie sollte ich meinen Eltern beibringen, dass ich zur Armee wollte? Eltern aus Westnigeria wollten ihre Kinder damals generell nicht beim Militär sehen“, erinnert er sich. Sein Vater erfuhr von dem Schritt erst, als der Sohn in den Ferien von der Militärakademie nach Hause kam. „Er war außer sich vor Ärger, aber er konnte mich nicht mehr davon abhalten. Es hat mehrere Jahre gebraucht, bis er sich mit mir versöhnt hat.“ 

1966, als Williams auf die Militärakademie ging, schien die Lage ruhig. Aber als er ein Jahr später seine Ausbildung abschloss, befand sich das Land im Bürgerkrieg zwischen der Volksgruppe der Igbo und dem Rest Nigerias. Die Igbo im Südosten hatten sich von der Zentralregierung losgesagt und einen eigenen Staat namens Biafra ausgerufen. Der frisch gebackene Absolvent kam direkt an die Kriegsfront. Er diente in der zweiten Division der nigerianischen Armee und war an einigen der blutigsten Kämpfe während des 30 Monate dauernden, grausamen Bürgerkriegs beteiligt. 

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erschienen in Ausgabe 9 / 2020: Die wahre Macht im Staat?

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