Côte d’ivoire

Präsident Alassane Ouatarra ehrt im Juli den verstorbenen Premierminister Amadou Gon Coulibaly, der sein Nachfolger werden sollte

Luc Gnago/Reuters

Côte d’ivoire

Wettbewerb der alten Männer

Erneut strebt ein afrikanischer Präsident eine verfassungswidrige dritte Amtszeit an: Alassane Ouattara in der Côte d’Ivoire. Denn nach dem Tod seines Wunschnachfolgers fehlt ihm ein Plan B.

Die politische Landschaft der Republik Côte d’Ivoire hat sich seit dem Herbst 2019 dramatisch verändert, und das ist ausnahmsweise nicht der Corona-Pandemie anzulasten. Damals gingen alle politischen Beobachter davon aus, dass die Präsidentschaftswahl am 31. Oktober 2020 ein Wettkampf zwischen zwei Personen werden würde: dem ehemaligen Rebellenführer Guillaume Soro, einer politischen Schlüsselfigur während und nach dem Aufstieg des derzeitigen Präsidenten Alassane Ouattara, und Premierminister Amadou Gon Coulibaly, den Ouattara zu seinem Nachfolger erkoren hatte. Doch nun wird keiner von beiden auf dem Wahlzettel erscheinen: Soro wurde von einem ivorischen Gericht in Abwesenheit wegen Veruntreuung und Geldwäsche verurteilt und erwartet in Frankreich eine Anklage wegen Kriegsverbrechen; Coulibaly dagegen ist im Juli unerwartet an Herzversagen gestorben.

Sein überraschender Tod kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Er hat große Unsicherheit in Bezug auf die Wahlen in der Côte d’Ivoire gebracht und könnte das ohnehin gespaltene Land in den kommenden Monaten weiter destabilisieren. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass Ouattara sein eigener Nachfolger wird, obwohl die Verfassung von 2016, deren Verabschiedung er selbst vorangetrieben hatte, eine solche dritte Amtszeit verbietet.

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erschienen in Ausgabe 10 / 2020: Idealismus und Karriere

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