Klimapolitik
Klimapolitik

Es geht zu langsam voran

Die G20-Staaten haben 2019 ihre CO2-Emissionen verringert, doch bei wirtschaftlichen Aufbauhilfen nach Corona setzen jetzt zu viele auf fossile Energien, kritisiert eine neue Studie. 

Wo stehen die G20-Staaten bei ihren Fortschritten zu Klimaschutz und Klimaneutralität? Das untersucht jedes Jahr der Climate Transparency Report, der von Fachleuten aus 14 Forschungsorganisationen und NGOs in den G20-Staaten herausgegeben wird. Diese 20 Industrie- und Schwellenländer sind für 75 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich.   

Die gute Nachricht zuerst: In den G20-Staaten sind 2019 die CO2-Emissionen ganz leicht gesunken (minus 0,1 Prozent nach einem Plus von 1,9 Prozent in 2018). Außerdem war ein Boom bei den erneuerbaren Energien zu verzeichnen. Im Schnitt ist der Anteil der Erneuerbaren an der Stromproduktion in den G20-Staaten in den vergangenen fünf Jahren laut Report um knapp ein Fünftel auf nun fast 28 Prozent gewachsen. In Deutschland stieg er auf knapp 43 Prozent – allerdings wurde der Zuwachs zuletzt durch einen starken Einbruch beim Ausbau der Windenergie an Land gebremst. Für das Jahr 2020 rechnen die Autoren des Berichts wegen der Corona-Pandemie mit einem Rückgang der CO2-Emissionen um 7,5 Prozent. Sie befürchten aber, dass sie im nächsten Jahr wieder deutlich steigen werden. 

Dabei würden die staatlichen Wiederaufbauhilfen wegen Corona nun Chancen bieten, nachhaltiger zu investieren. Doch viele Länder haben eher die fossile Industrie gestärkt: Laut dem Bericht unterstützen zehn G20-Länder mit ihren Konjunkturpaketen den heimischen Kohlesektor, zehn den Gassektor und neun die Ölindustrie. 15 Länder haben ihre nationalen Fluggesellschaften unterstützt, davon hat nur Frankreich diese Hilfen an Klimaauflagen gebunden. Sieben Staaten stützen ihre Automobilindustrie – bis auf Frankreich und Deutschland ohne Klimavorgaben. Immerhin stützen 17 Staaten der G20 auch grüne Energiesektoren, schreiben die Autoren. 

Besonders schlechte Bilanz im Verkehrssektor

Mit den von manchen Staaten bereits eingeführten Instrumenten wie der CO2-Besteuerung, der Förderung von energieeffizienten Gebäuden und festen Zielen für mehr erneuerbare Energien könne der Weg Richtung Klimaneutralität weitergehen. Zudem, so fordern es die Autoren, müssten Kohlesubventionen bis 2025 abgeschafft, der Transport auf weniger ressourcenintensive Wege wie die Schiene verlagert, die Industrie zu mehr Energieeffizienz verpflichtet und die Abholzung der Wälder bis Ende der 2020er Jahre gestoppt werden. Solche Schritte haben bis jetzt nur wenige G20-Staaten festgelegt. 

Schlecht sieht es in Deutschland vor allem im Verkehrssektor aus: Im Fünf-Jahres-Trend sind die Emissionen im Transportsektor hier zuletzt um 4,4 Prozent gestiegen. Während Japan, Frankreich, Großbritannien und Kanada sich ehrgeizige Fristen für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor gesetzt haben, gebe es in Deutschland keinen ausreichenden Plan für einen klimafreundlichen Individualverkehr, heißt es in dem Bericht. Die deutschen Emissionen im Luftverkehr stiegen vor Corona sogar um 10,1 Prozent zwischen 2012 und 2017, G20-weit bei Flügen gar um 18,7 Prozent im gleichen Zeitraum. 

Dennoch sind die Autoren vorsichtig optimistisch: Immerhin haben zuletzt Länder wie China, Südafrika, Japan und Südkorea angekündigt, bis 2050 klimaneutral werden zu wollen. Auch die EU hat sich dieses Ziel vorgenommen, der Beschluss dazu ist vertagt. Mit Joe Biden als künftigem US-Präsidenten könne man ab nächstem Jahr wieder auf mehr Klimaschutz in den USA hoffen. Allerdings gehe der Ausstieg aus den fossilen und der Ausbau der erneuerbaren Energien in allen G20-Staaten zu langsam voran, kritisieren die Autoren.

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