Japans mongolische Sumoringer
 Auf ihn sind sie besonders stolz: Terunofuji wirft im Januar in Japan einen Gegner auf die Matte.

The Asahi Shimbun via Getty Images

Japans mongolische Sumoringer

Sumo-Meister aus der Steppe

Das Sumoringen gehört in Japan zur Nationalkultur, und doch finden die Profis zu wenig Nachwuchs. Junge Männer aus der Mongolei nutzen die Chance und füllen die Lücke.

Japan gehört zu den reichsten Nationen der Welt, die Mongolei hingegen gilt als Land mit unterem mittlerem Einkommen. Die Bevölkerungszahl ist vierzig Mal und das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen zehn Mal kleiner als in Japan, ein Drittel der Mongolen lebt unter der nationalen Armutsgrenze. Doch auf dem geheiligten Boden des japanischen Sumorings feiern Mongolen glänzende Siege.

Sumo gehört zu den ursprünglichsten Ausdrucksformen der traditionellen japanischen Kultur. Die in hohen Ehren gehaltene Kunst war Ausländern lange verschlossen. Doch als während der 1970er und 1980er Jahre der Wohlstand in Japan stieg, fanden sich immer weniger Nachwuchsringer, die bereit waren, das äußerst harte Leben eines Sumotori auf sich zu nehmen. Dazu tritt ein Teenager in eine spezielle Schule ein, einen „Stall“, wo ihn ein spartanisches Leben erwartet. Ein strikter Zeitplan regelt die Tage vom Aufwachen bis zum Einschlafen – Details der Körperpflege, Dienstpflichten gegenüber Höherrangigen, Kochen, Essen und vor allem das Training. Jeder Augenblick im Leben eines Sumo-Novizen wird vom Stallmeister und den älteren Ringern kontrolliert. Als wäre das nicht hart genug, werden die jungen Sportler oft noch von den Älteren geschlagen.

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erschienen in Ausgabe 3 / 2021: Sport im Süden

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