Nicolás Maduro
 Nicolás Maduro spricht im Januar vor der Verfassung­gebenden Versammlung. Ihm fehlt das Charisma seines Vorgängers – wie hält er sich trotz Wirtschafskrise an der Macht?

Manaure Quintero/REUTERS

Nicolás Maduro

Starker Mann im schwachen Staat

Nicolás Maduro hält trotz des wirtschaftlichen Zusammenbruchs geschickt das Militär bei der Stange. Und die Opposition hat es ihm leicht gemacht, sie zu spalten. Eine neue Bürgerbewegung könnte das nun ändern.

Nicolás Maduro wird von den meisten wichtigen westlichen Staaten nicht als Präsident Venezuelas anerkannt. Unter seiner Regierung ist die Wirtschaft zusammengebrochen und das Bruttosozialprodukt um mehr als 70 Prozent geschrumpft. Eine politische Krise hat über Jahre Massenproteste gebracht, fünf Millionen Bürgerinnen und Bürger sind aus dem Land geflohen. Maduros Zustimmungsrate liegt heute nur knapp über zehn Prozent. Auf den ersten Blick ist verblüffend, dass er trotzdem das Land fest im Griff hat. 

Übergänge zur Demokratie im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts haben die allgemeine Überzeugung genährt, Diktaturen seien von Natur aus instabil und machten zwangsläufig Demokratien Platz. Diese Annahme ist aber irreführend. Studien über nichtdemokratische Regierungen gehen seit 50 Jahren sogar von der Prämisse aus, dass diese tendenziell recht stabil sind. Dass dort das Kommando in einer Hand liegt, löst viele Koordinationsprobleme. Und Diktatoren sind darauf spezialisiert, das Aufkommen von Opposition zu verhindern oder, wenn sie doch entsteht, ihre Spaltung zu betreiben. Kann sich so ein unpopulärer, wenig charismatischer Führer wie Maduro an der Macht halten?

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erschienen in Ausgabe 7 / 2021: Entwicklung wohin?

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