Entwicklungsforschung
 Diese Bäuerin in Gambia profitiert 2010 vom Projekt einer britischen Firma für biologischen Anbau. Auch soziale Nebenwirkungen im Dorf sollten aber stets im Blick sein.

Daniel Rosenthal/ laif

Entwicklungsforschung

"Wichtig sind gute Kenntnisse der Machtverhältnisse"

Wie hat ein partizipativ angelegtes Entwicklungsvorhaben auf Dorfgemeinschaften in Gambia gewirkt? Der Frankfurter Ökonom Simon Heß kommt in seiner Dissertation zu nachdenklich stimmenden Ergebnissen.

 Simon Heß ist Ökonom an der Universität Frankfurt/Main. Für seine Doktorarbeit hat er den diesjährigen Nachwuchsförderpreis für Entwicklungsforschung der KfW Entwicklungsbank und des Vereins für Socialpolitik erhalten.privat
Was ist das wichtigste Ergebnis Ihrer Arbeit?
Wir haben mit quantitativen Methoden gezeigt, dass ein partizipativ angelegtes Entwicklungsprogramm in Dörfern in Gambia die Netzwerke informeller Transaktionen zwischen den Dorfbewohnern langfristig schwächt. Betroffen waren davon vor allem Haushalte, die von dem Entwicklungsprogramm weniger profitiert haben als andere. 

Was war das für ein Entwicklungsprogramm?
Die beteiligten Dörfer haben von der Weltbank Finanzmittel erhalten unter der Auflage, dass Gremien und Entscheidungsträger der Dörfer das Geld verwalten und in Projekte investieren. Solche partizipativen Programme – man spricht von „community-driven development“, also von der Gemeinschaft vorangetriebene Entwicklung – sind heute weit verbreitet. Die Idee ist, dass das Geld passgenauer investiert wird, als wenn das jemand in Frankfurt oder Washington entscheidet. Zudem sollen auf diese Weise lokale Verwaltungs- und Regierungsstrukturen gestärkt werden. Die beteiligten Dörfer haben mit dem Geld vor allem landwirtschaftliche Geräte wie Getreidemühlen und handbetriebene Wasserpumpen sowie Produktionsmittel wie Saatgut und Dünger gekauft, manchmal sogar einen Traktor.

...

erschienen in Ausgabe 11 / 2021: Leben im Dorf

Neuen Kommentar schreiben