Frauenkooperative in Afghanistan
 Die Frauenkooperative im afghanischen Herat macht alles selbst: Sie baut den Safran an, erntet ihn, verarbeitet und vermarket ihn.

Ilir Tsouko

Frauenkooperative in Afghanistan

Selbstständig dank Safran

Die Armut in Afghanistan ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Eine ­Frauenkooperative bei Herat bietet ihren Mitgliedern zusätzliches Einkommen und Respekt. Den Kampf gegen die Not unterstützten bislang auch die Taliban.

Wenn diese Geschichte über Frauen mit einem Mann beginnt, dann hat das seinen Grund. Ort der Handlung ist der Pashtun-Zarghun-Distrikt in der Nähe der Stadt Herat, im Westen Afghanistans. Die Landschaft hier ist staubig und trocken, eine Wüste. Am Horizont erstrecken sich die flachen Berge der Dau-Shakh-Kette, durch das breite Flussbett des Hari Rud ziehen sich im Herbst nur Rinnsale. Seit Jahren wartet man auf genug Regen, doch in diesem Sommer fiel so wenig Nass, dass der Weizen noch am Halm vertrocknete und die Hirten der Karakulschafe lange wandern mussten, um Wasser zu finden. Schon immer konnten die Bauern hier ihre Familien kaum ernähren, doch seit diesem Sommer sind die, die über die Runden kommen, arm und die Armen bitterarm. 

Merajudin Shahabi, 54 Jahre alt, aus dem Dorf Gabighan hat sich schon viele Jahre an der Trockenheit abgearbeitet.  Der Bauer, ein großer Mann mit breiten kräftigen Händen, baut Kartoffeln und Zwiebeln an, hält einige Schafe und Kühe und schafft es in guten Jahren, 3000 Afghani (umgerechnet 30 Euro) im Monat zu verdienen. In schlechten Jahren sind es nur 2000 Afghani – weniger als ein 25-Kilo-Sack Reis kostet. Bis vor zwei Jahren lag die gesamte Last des Geldverdienens allein auf seinen Schultern, und wenn ein Hüne wie Shahabi sagt: „Ich fühlte mich sehr allein“, dann lässt das die Größe dieser Last ahnen. 

...

erschienen in Ausgabe 12 / 2021: Das Spiel der großen Mächte

Neuen Kommentar schreiben