Ernährung
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Milchwirtschaft in Nigeria

Nigeria wird von Milchpulver-Importen aus Europa geflutet. Dabei hat das Land eigentlich genug Kühe. Ein Bericht der Organisation Grain legt dar, was nötig wäre, um ernsthaft in die lokale Milchwirtschaft in Afrika zu investieren.

Nigeria und Kenia haben eines gemeinsam: Beide Länder sind Heimat riesiger Rinderherden, oft von nomadischen Viehhirten, die mit ihren Tieren durchs Land ziehen. Der Unterschied: Kenia deckt seinen Milchbedarf zu 90 Prozent aus eigener Produktion, während Nigeria fast vollständig von Importen abhängig ist. Laut einem Bericht der Organisation Grain kommen 98 Prozent der in dem westafrikanischen Land verbrauchten Milch aus dem Ausland, vor allem in Form von Milchpulver. Kenia schützt seinen Milchmarkt schon seit langem mit Zöllen, während Nigeria ihn fast vollständig liberalisiert hat.

Dem Bericht zufolge hat die nigerianische Regierung wiederholt zaghafte Anläufe unternommen, die einheimische Milchwirtschaft vor der Importflut zu schützen. In solchen Fällen hätten aber große Konzerne wie Friesland aus den Niederlanden oder Arla aus Dänemark, die den nigerianischen Milchmarkt dominieren, stets mit Zuckerbrot und Peitsche interveniert, um ihren Zugang zum wachsenden Markt in Nigeria nicht zu verlieren. Das Zuckerbrot besteht laut Grain oft aus dem Angebot der Konzerne, zusammen mit Entwicklungsorganisationen aus den Geberländern und der Gates-Stiftung in die lokale Milchwirtschaft zu investieren und die einheimische Produktion anzukurbeln. Folgt man Grain, dann sind das aber häufig nur Alibiprojekte, von denen viele nach kurzer Zeit wieder eingestellt werden, weil sie sich angesichts des von denselben Konzernen aufrecht erhaltenen Importdrucks nicht rentieren.

Europäische Hochleistungskühe in Afrika

Unternehmen aus Europa, den USA und Neuseeland versuchen gemeinsam mit Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit die Milchwirtschaft in vielen Ländern Afrikas zu „modernisieren“, heißt es in dem Bericht. Dafür werden dann etwa europäische Hochleistungskühe eingeführt, die allerdings nicht zu den vor Ort herrschenden klimatischen Bedingungen passen. Zudem sind sie für die Verhältnisse, unter denen afrikanische Kleinbäuerinnen und Viehhirten arbeiten, viel zu empfindlich. Laut Grain gibt es in Afrika mindestens 150 einheimische Kuhrassen, die mit den lokalen Bedingungen viel besser zurechtkommen.

Grain plädiert dafür, ernsthaft in die lokale Milchwirtschaft in Afrika zu investieren, um deren Potenzial auszuschöpfen. Den Viehhirten und Kleinbauern müsse der Zugang zu den wachsenden Märkten in den Städten erleichtert werden. Einfache Hilfsmittel wie kleine Kühltanks oder Anlagen zur Pasteurisierung könnten da einen großen Unterschied machen. Zudem plädiert Grain dafür, beim Stichwort Milch nicht bloß auf Kühe zu starren, sondern auch Ziegen und Kamele in den Blick zu nehmen.

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