Rohstoffe
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Das Dilemma der Energiewende

Für die globale Umstellung auf erneuerbare Energien wird der Metallbedarf deutlich steigen, prognostiziert eine Studie. Mehr Recycling und gerechtere Verteilung der Rohstoffe sind in Zukunft dringend nötig. 

Die Fakten sind eindeutig: Um die Erderwärmung zu begrenzen, müssen die weltweiten CO2-Emissionen in den nächsten Jahren massiv gesenkt werden. Das geht nicht ohne Umstellung von fossilen Energieträgern auf erneuerbare. Das heißt, dass viel mehr Windkraft- und Solaranlagen gebaut werden müssen. Aber in ihrer Studie „Heißes Eisen für kaltes Klima“ warnt die nichtstaatliche Organisation Powershift, dass für deren Bau der Hunger nach Rohstoffen und speziell Metallen in den nächsten Jahren deutlich steigen und das wiederum die Klimakrise befeuern wird.

Französische Wissenschaftler haben laut dem Bericht errechnet, was die globale Umstellung auf 100 Prozent Erneuerbare bis zum Jahr 2050 an Material erfordert: 3,2 Milliarden Tonnen Stahl, 310 Millionen Tonnen Aluminium und 40 Millionen Tonnen Kupfer. Leider bleiben die Autoren den Vergleich schuldig, wie hoch momentan der jährliche Verbrauch ist. Deutschland sei schon heute einer der fünf größten Verbraucher dieser Rohstoffe. Mehr als ein Viertel des verwendeten Stahls gehe in den Automobilsektor, ebenso wie knapp zehn Prozent des Kupfers. Sogar die Hälfte des Aluminiums fließe in den Transportsektor. Bei einem Umstieg auf E-Autos würde sich der Kupferbedarf vermutlich vervierfachen, auch der Verbrauch von Aluminium und Stahl würde deutlich ansteigen. 

Die meisten Rohstoffe werden im globalen Süden abgebaut. So stammt etwa 90 Prozent des Bauxits, das in Deutschland zu Aluminium verarbeitet wird, aus dem westafrikanischen Guinea. 30 Prozent der deutschen Kupferimporte stammen aus Peru, Nickel kommt vor allem aus Indonesien und den Philippinen. Überall, wo diese Rohstoffe abgebaut werden, seien Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden dokumentiert, so die Autoren. 

Mehr Rohstoffe recyceln und sie länger nutzen

Es ist ein Dilemma : Um mehr Wind- und Solaranlagen zu bauen, sind in Zukunft viel mehr Rohstoffe nötig. Doch dieser Rohstoffhunger und die energieintensive Weiterverarbeitung treiben andererseits die Klimakrise, Wasserknappheit und Umweltzerstörung weiter an. 

Was also tun? Kreislaufwirtschaft und Recycling sind laut der Studie die Schlüsselwörter. Japanische, australische und deutsche Forscher hätten errechnet, dass die Rohstoffgewinnung aus dem Bergbau noch bis 2030 ansteigen darf. Danach müsse es weniger Bergbau geben und vor allem die Kreislaufnutzung der Rohstoffe überwiegen.  Im Jahr 2050 müssten – je nach Rohstoff – schätzungsweise 54 bis 87 Prozent aus dem Recycling kommen, im Jahr 2100 dann 84 bis 100 Prozent. 

Bisher werde nur ein Drittel der Metalle recycelt, zitieren die Autoren aus einer Studie des Naturschutzbundes. 40 Prozent könnten jedoch der Kreislaufwirtschaft zugeführt werden, wenn alle Potenziale genutzt würden, so der Nabu weiter – für einige Rohstoffe sogar mehr. So hat laut Nabu das Umweltbundesamt errechnet, dass zwei Drittel der produzierten Eisen- und Stahlmengen sowie 90 Prozent der produzierten Kupfer-, Blei-, Aluminium- und Zinkmengen aus Rezyklaten bestehen könnten. „Die Rohstoffe, die wir heute schon nutzen, müssen gerecht verteilt, im Kreislauf und lange in der Nutzung gehalten werden“, fassen die Autoren zusammen. Dass das allein das Klima nicht stabilisiert, ist ihnen klar: Die Erderwärmung könne man nur begrenzen, wenn wir auch unsere Lebens- und Konsumgewohnheiten ändern. Doch die Studie zeigt gut verständlich auf, dass mit der Umstellung auf erneuerbare Energien oder E-Autos neue Probleme kommen, die bei der Bewältigung der Klimakrise mitbedacht werden müssen. 

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