Chinesische Internet-Literatur
 Comic-Helden finden sich in China überall – hier in einer Filiale der Fast-Food-Kette KFC in Schanghai.

SIPA Asia via ZUMA Press Wire

Chinesische Internet-Literatur

Unerwünschte Superhelden

Online-Romane ziehen in China zahllose junge Leute in den Bann. Sie sagen mit ihren materialistischen Helden viel über die heutige chinesische Gesellschaft und erregen Unmut in der herrschenden Partei.

Millionenfach und am laufenden Band werden in China Online-Romane produziert, vor allem das Fantasy-Genre boomt. Diese moderne Form der Trivialliteratur ist für die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) zu einem lästigen Problem geworden. Das liegt nicht nur daran, dass die Geschichten oft bissige Parodien auf Menschen in hohen Positionen sind, sondern vor allem daran, dass die von der Regierung propagierten Grundwerte in den massenhaft verbreiteten Internet-Erzählungen kaum eine Rolle spielen. Vielmehr scheint die chinesische Mainstream-Kultur allein den gewinnorientierten, amoralischen Instinkten des Marktes zu folgen.

Der Boom der Internet-Literatur auf dem chinesischen Festland hat die größte Belletristik-Industrie der Welt hervorgebracht. Sie ist bisher noch wirtschaftlich unreguliert und dem freien Spiel der Marktkräfte ausgesetzt. Es gibt keine Eintrittsbarriere, Erfolg hängt ausschließlich von der Nachfrage ab. Autoren mit hoher Leserzahl verdienen Geld, wenn sie pro Seitenaufruf am Gewinn der Plattform beteiligt werden, wo die Geschichten erscheinen. Aber das meiste Geld fließt, wenn ein Unternehmen die Rechte aufkauft und eine Fernsehserie, ein Videospiel oder einen Manga-Comic daraus macht.

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erschienen in Ausgabe 6 / 2022: Afrika schaut auf Europa

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