19.05.2020

Afrikas Superhelden

Der Sammelband gibt lohnende und anregende Einblicke in die Reise von afrikanischen Comics und Comics über Afrika in eine Zukunft, in der die Comichelden sich aus der kolonialen Vergangenheit lösen. 

Corinne Lüthy, Reto Ulrich, Antonio Uribe (Hg.): KABOOM! Of Stereotypes and Superheroes. African Comics and Comics on Africa. Von Stereotypen und Superhelden. Afrikanische Comics und Comics zu Afrika. Brandes & Apsel, Frankfurt 2020, 156 Seiten, 29,90 Euro
Das zweisprachige Buch, das auf eine Ausstellung der Basler Afrika Bibliographien (BAB) im Jahr 2015 zurückgeht, blickt auf das Afrikabild in Comics früher und heute. Anhand von Comicausschnitten – die meisten davon aus allen Regionen südlich der Sahara — erklären die Autorinnen und Autoren, wie Afrika sowohl von der Außenwelt als auch in dem Kontinent selbst dargestellt wurde und wird. Ohne diese Texte erschließen sich die vielen abgedruckten Comicausschnitte allerdings meist nicht. 

Eine interessante Aussage des Buches ist, dass US-amerikanische Superhelden zwar nach wie vor eine große Anziehung auf junge Leser im anglophonen Afrika ausüben. Doch diese Helden sind heute nicht mehr weiß. Das geht zum Beispiel aus einem Beitrag von Lisa Roulet und Raffaele Perniola über südafrikanische und nigerianische Superhero-Comics und Panafrikanismus im Zeichen Black Panthers hervor. Black Panther ist die Hauptfigur des gleichnamigen Films von Disneys Marvel Studios, eines Superhero-Blockbusters mit überwiegend schwarzen Schauspielern in einem fiktiven afrikanischen Setting, 2018 erschienen. Das Vorbild für die Filmrolle lieferte der erste gezeichnete Superheld afrikanischen Ursprungs, der ab 1966 das US-amerikanische Comicuniversum eroberte und ebenfalls Black Panther hieß. 

Die Anfänge des Superhero-Genres in Afrika gehen auf die 1970er Jahre zurück und standen noch unter starkem ausländischem Einfluss. So wurde 1975 „Powerman“ in England für ein nigerianisches Publikum produziert. Die Investoren kamen aus der Werbebranche und wollten über den Comic auf dem nigerianischen Markt Produkte verkaufen. Dieser erste afrikanische Superheld trug eine Leopardenüberhose und war auch sonst nicht frei von Klischees. Der zweite jener Helden – Mighty Man – war sogar Teil eines Propagandaprojekts der südafrikanischen Apartheid-Regierung. Seine Geschichten spielten sich zwischen 1976 und 1979 in den Townships ab, wo er Kleinkriminelle bekämpfte. 

Von da bis zu dem heutigen Comichelden Kwezi war es ein längerer Weg. Kwezi wurde in Südafrika entworfen und richtet sich an junge, urbane Südafrikanerinnen und Südafrikaner. Der Protagonist, in vieler Hinsicht ein Jugendlicher wie andere auch, entdeckt Superkräfte, die in seiner Kultur verwurzelt sind. Der Comic ist auch ein Beispiel für den Afrofuturismus, eine Kunstbewegung, die schwarze Menschen in Science-Fiction-Welten versetzt oder sogar die traumatische Vergangenheit dadurch revidiert, dass sie Welten ohne die Geschichte von Kolonialismus und Sklaverei erschafft. 

Der Sammelband gibt lohnende und anregende Einblicke in die Reise von afrikanischen Comics und Comics über Afrika in eine Zukunft, in der die Comichelden sich aus der kolonialen Vergangenheit lösen. Das gilt auch für Superheldinnen, die es in einigen Geschichten inzwischen durchaus gibt.

Neuen Kommentar schreiben