Migration und Klima
Migration und Klima

Gibt es „Klimamigration“?

Lassen sich "Klimamigranten" von anderen Migranten unterscheiden? Nein, heißt es in einer neuen Studie. Betroffene sehen den Klimawandel nicht als Ursache, sondern als ein weiteres Symptom ihrer Probleme.

Laut Weltbank könnten im Jahr 2050 die Folgen des Klimawandels 216 Millionen Menschen in aller Welt dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen. Die meisten der Betroffenen werden im eigenen Land bleiben und nicht etwa ins Ausland gehen. Solche Zahlen werden in der Debatte über den Zusammenhang von Erderhitzung einerseits und Flucht und Migration andererseits häufig politisch instrumentalisiert: von den einen, um auf die Dringlichkeit hinzuweisen, etwas gegen den Klimawandel zu tun; von denen anderen als Mahnung, schon jetzt etwas gegen anschwellende Migrationsströme aus dem globalen Süden Richtung Nordhalbkugel zu unternehmen.

Eine Studie der von der Europäischen Union geförderten Kampagne #ClimateOfChange übernimmt die Zahl der Weltbank, hat aber ausdrücklich zum Ziel, der Panikmache in der Debatte etwas entgegenzusetzen. So heißt es gleich zu Beginn, dass Menschen seit jeher im Angesicht von Umweltveränderungen ihre Heimat verlassen haben, dass jedoch diese Veränderungen niemals die alleinige Ursache waren. Und so ist das auch heute im Klimawandel. Die Studie zeigt an vier empirischen Untersuchungen in Guatemala, Kambodscha, Kenia und Senegal, dass der Klimawandel bereits bestehende Probleme etwa der Landbevölkerung verschärft und somit die Entscheidung beeinflusst, den Ort zu wechseln. Es sei aber unmöglich, „Klimamigranten“ von anderen Migranten klar zu unterscheiden.

Gemeinsam ist den vier Fallstudien, dass politische und wirtschaftliche Entscheidungen vielen Menschen das Leben schwer machen, die in und von der Natur leben – etwa der Ausbau von Plantagen, die Ausbeutung von Wasserressourcen oder die Überfischung von Küstengewässern. Das gilt für Waldbewohner in Kambodscha ebenso wie für Fischer im Senegal oder halbnomadisch lebende Viehhirten in Kenia. Wenn sich dann noch aufgrund des Klimawandels das lokale Wetter dramatisch verändert, kann das den Ausschlag geben, die Heimat zu verlassen.

Die Forschung vor Ort habe deutlich gemacht, heißt es in der Studie, dass die betroffenen Menschen den Klimawandel nicht als Ursache, sondern als ein weiteres Symptom ihrer Probleme sehen. Die Rede von „Klimamigranten“ sei deshalb auch riskant: Sie lenke davon ab, dass die Ursachen für Migration und Flucht nicht natürlich, sondern von Menschen gemacht sind: in den untersuchten Ländern, wo Politiker nichts gegen Umweltzerstörung tun und der Bevölkerung nicht helfen, und im reichen Norden, wo nicht genug gegen die Erderhitzung unternommen wird.

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