Wie Hilfe Zwietracht sät

Sambia
Die Studie eines norwegischen Wissenschaftlers an einer Klinik im ländlichen Sambia zeigt, wie unterschiedliche Arbeitsbedingungen von einheimischen und ausländischen Gesundheitsfachkräften dazu führen können, dass die Bevölkerung vor Ort internationalen Fachkräften mehr vertraut als einheimischen.

Der Begriff des „White Saviourism“, also der „Weißen Retter“, die im globalen Süden Gutes für Einheimische tun, die dazu nicht selbst in der Lage sind, ist seit Jahren ein wichtiges Thema in der humanitären Hilfe. Der Medizinanthropologe James Wintrup vom Chr. Michelsen Institut (CMI) in Oslo hat nun untersucht, wie sich die Anwesenheit US-amerikanischer Freiwilliger – allesamt Fachkräfte aus dem Gesundheitssektor – auf die Arbeitsatmosphäre einer Klinik im ländlichen Raum Sambias ausgewirkt hat. Dazu muss man sagen, dass es sich bei den Freiwilligen um christliche Missionare handelt und damit um eine besondere Gruppe freiwillig Helfender und dass der Zeitraum der Untersuchung zwischen 2014 und 2016 und damit einige Zeit zurück liegt. 13 Monate lang war der Autor damals vor Ort und sprach intensiv und regelmäßig mit örtlichen Fachkräften und rund 25 medizinisch ausgebildeten freiwillige Missionaren sowie mit einer Reihe von Patientinnen und Patienten, die in der Klinik behandelt wurden. Zu den Tätigkeiten der US-Freiwilligen zählten Augenoperationen und Kaiserschnitte ebenso wie die Behandlung von Malaria, Tuberkulose oder HIV. 

Wintrups Hauptthese ist, dass die Freiwilligen vor Ort Schaden anrichteten, obwohl viele Menschen von ihrem medizinischen Sachverstand profitierten. Der Schaden, um den es dem Autor geht, betrifft das Verhältnis der sambischen Gesundheitsfachkräfte zu ihren Patientinnen und Patienten. 

Diese nämlich priesen in der Regel die Freiwilligen, die ihnen mehr Zeit widmeten, über besseres Equipment – beispielsweise Blutdruckmanschetten, Stethoskope oder Glukosetestkits – verfügten und oft in der Lage seien, ihren Patientinnen und Patienten Dinge zur Verfügung zu stellen, die diese bei den örtlichen Fachkräften hätten bezahlen müssen – obgleich sie in derselben Klinik arbeiteten. Die missionarischen Freiwilligen, so Wintrop, konnten sich für einen begrenzten Zeitraum voll und ganz den Menschen vor Ort widmen, ohne sich um einen Alltag jenseits der Klinik kümmern und ihre materielle Existenz sorgen zu müssen. Die US-Freiwilligen hatten – offenbar auf Grundlage eines eigenen Budgets einfach mehr Zeit und Equipment zu bieten, so dass sie ihre einheimischen Kolleginnen und Kollegen in der Gunst der Bevölkerung und schließlich auch bei der Einschätzung ihrer fachlichen Qualifikationen deutlich überragten.  

Aussagen einheimischer Fachkräfte wie die folgende bringen das Dilemma auf den Punkt: „Wenn jemand in die Klinik kommt und lieber von der weißen Freiwilligen als von einer hiesigen Ärztin behandelt werden will, dann fühle ich mich fremd in meinem eigenen Land.“ 

In Zukunft, so der Tenor der Studie, sollten Freiwillige im Gesundheitsbereich und Organisationen, die Freiwilligenarbeit fördern, mehr darüber nachdenken, ob und wie ihre Arbeit die Beziehungen im Gesundheitswesen beeinträchtigt – gerade wenn die Ressourcen knapp sind. Denn es gilt das Verhältnis zwischen dem Gesundheitspersonal und der Bevölkerung vor Ort zu stärken und nicht zu untergraben. 

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