Ein Visum wird zum Gnadenakt

Partnerschaft auf Augenhöhe, stärkerer politischer Austausch: Diesen Anspruch hat die Ampelregierung an die deutsch-afrikanische Zusammenarbeit. Doch leider sind das mehr schöne Worte als die Realität. Hilfswerke wie Brot für die Welt und Misereor laden regelmäßig Fachleute aus Afrika ein, damit diese bei Kongressen oder Seminaren sprechen. Die Konferenzen werden lange im Voraus geplant, trotzdem bekommen Eingeladene aus dem globalen Süden oft nicht rechtzeitig ihr Visum für Deutschland. 

Betroffene sprechen bei der Visavergabe von "Schikane", vor allem für Afrikaner, denn die Wartezeiten seien viel zu lang und es würden so viele Dokumente wie für eine Doktorarbeit verlangt. Das erschwert nicht nur die Entwicklungszusammenarbeit, sondern wirft auch ein schlechtes Bild auf das Auswärtige Amt und Deutschland insgesamt. Unsere Berlin-Korrespondentin Marina Zapf ist der Sache nachgegangen.

Eine aufschlussreiche Lektüre wünscht Ihnen

Melanie Kräuter 

Neu auf welt-sichten

Wider den kolonialen Blick auf die Welt: In vielen internationalen Medien kommen Konflikte und Krisen in Regionen des globalen Südens bestenfalls am Rande vor. Das muss sich ändern – nicht zuletzt dadurch, dass einheimische Journalisten mehr Gelegenheit bekommen, darüber zu berichten, meint Anjan Sundaram.

Zweifelhaftes Referendum: In der Zentralafrikanischen Republik hat die Regierung am 30. Juli über eine neue Verfassung abstimmen lassen, das Ergebnis wird bis 7. August erwartet. Die katholische Kirche sieht den Vorgang kritisch und die Opposition klagt, der Präsident wolle sich den Verbleib an der Macht sichern, berichtet Katja Dorothea Buck.

Gegen Folter kann die Schweiz mehr tun: Der Antifolterausschuss der Vereinten Nationen hat seinen achten Bericht zur Schweiz veröffentlicht. Dieser wirft auch ein Schlaglicht darauf, wie die Schweiz internationale schwere Menschenrechtsverletzungen bekämpft und wo das Mängel hat. Meret Michel hat ihn sich angeschaut. 

Wer, wo, was? Die Rechtsanwältin Tirana Hassan ist neue Direktorin von Human Rights Watch und Åsa Månsson ist die neue Geschäftsführerin des Dachverbands deutscher Entwicklungsorganisationen VENRO. Unsere Personalmeldungen im August.

Die Treibhausgase für die Nahrung: Für Ernährung wird ein Drittel aller Treibhausgase freigesetzt, wenn man die ganze Lieferkette mitrechnet. Und der Anteil für Verarbeitung und Kühlung wächst, findet eine neue Studie, die Bernd Ludermann zusammengefasst hat.

Noch immer interessant

Seit dem heutigen Donnerstag ist in Kolumbien ein Waffenstillstand zwischen der Regierung und den ELN-Guerilla in Kraft, während dieser sechs Monate soll es auch Friedensgespräche geben. Kolumbiens Präsident Gustavo Petro hatte bei seinem Amtsantritt vor rund einem Jahr versprochen, Verhandlungen mit allen bewaffneten Gruppen des Landes aufzunehmen, um einen „totalen Frieden“ zu erreichen. Wie Versöhnung zwischen früheren Kriegsgegnern oder ihren Angehörigen in Kolumbien gelingen kann, zeigt dieser Text aus unserem Heft über Mode im globalen Süden aus dem vergangenen Jahr: Knut Henkel schreibt darin über die Modemarke „Manifiesta“, für die frühere Guerilleros nähen, aber auch Angehörige von Soldaten, die der Guerilla zum Opfer gefallen sind. 

Buchtipp

Feministische Friedenskonzepte: Die Forscherinnen Sarah Smith und Keina Yoshida lassen in ihrem Buch "Feminist Conversations on Peace" Friedensaktivistinnen aus Krisenregionen und Nachkriegsländern zu Wort kommen. Ein lesenswerter Sammelband, findet unsere Rezensentin Rita Schäfer. 

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