Liebe Leserinnen, liebe Leser,
glaubt man rechtsgerichteten Parteien und Bewegungen, dann gefährden Zuwanderer unsere Kultur. Palermo wird im Gegenteil von ihnen bereichert, berichtet aber Ismail Einashe, der aus Somalia stammt. Er schildert etwa, wie dort Einheimische und Zugewanderte Speisen und Bräuche voneinander übernehmen und alltäglich eine lebendige Mischung der Kulturen praktizieren. Migranten erleben die Stadt als ungewöhnlich offen.
Nun sollte es eigentlich niemanden wundern oder ängstigen, dass Kulturen sich mischen; das war und ist die Regel. Wer in Städten wie Frankfurt am Main U-Bahn fährt oder über die Einkaufsmeile schlendert, sieht, dass hier längst Menschen verschiedenster Herkunft, Muttersprache und Kultur leben. Nicht ohne Spannungen, aber zivilisiert und überwiegend ohne Gewalt oder Anfeindung. Wieso nehmen dann Ressentiments gegen Fremde und Minderheiten sowie Rückschläge gegen Frauenrechte in vielen Ländern stark zu? Weil mächtige Interessengruppen das schüren, sagt der Sozialwissenschaftler Jerker Edström: Sie nutzen aus, dass in unsicheren Krisenzeiten der Aufruf verfängt, wieder auf die Familie und die eigene Nation als Garanten von Ordnung und Sicherheit zu setzen. Und soziale Medien können Hetze begünstigen, schreibt Tillmann Elliesen.
Multikulti heißt aber nicht, dass lokale Besonderheiten und Identitäten verschwinden sollen. Zum Beispiel sollten in Afrika einheimische Muttersprachen im Schulunterricht ihren Platz haben, erklärt Daniel Ochieng’ Orwenjo. Und Pedro Uc Be schildert Sandra Weiss, was in Mexiko die kollektive Identität der Maya gefährdet und wie er hilft, sie zu bewahren.
In Myanmar will die Militärjunta dieses Jahr noch wählen lassen, obwohl der Bürgerkrieg anhält. Die Volksgruppe der Chin dort, die Christen sind, muss im Kampf gegen die Diktatur auch um Religionsfreiheit kämpfen, erklärt David Bruckmeier. Simone Knapp blickt auf das südafrikanische Swasiland – offiziell Eswatini –, das König Mswati III. wie seinen persönlichen Besitz behandelt. Auch zwei unterschiedliche Blicke auf Frauenrechte finden Sie in diesem Heft: Monika Bremer hat sich angeschaut, warum in Ägypten nach wie vor viele Mädchen beschnitten werden, obwohl das längst verboten ist. Und Laura Fornell schildert, wie Mayafrauen sich das Recht auf Sport genommen und damit traditionelle Frauenbilder verändert haben.
Spannende Lektüre wünscht