Friedensdenkschrift: Bischof Kramer bleibt beim Nein zu Atomwaffen

Liebe Leserinnen, liebe Leser, 

die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat im November eine neue Friedensdenkschrift vorgestellt. Daran gab es zum Teil viel Kritik, vor allem an dem Passus über atomare Abschreckung. Wie das Vorgängerpapier von 2007 ächtet die neue Denkschrift Atomwaffen als ethisch nicht zu rechtfertigen, erkennt aber an, dass die Drohung mit ihnen einer wirksamen Abschreckung dienen kann. Der Friedensbeauftragte der EKD, Bischof Friedrich Kramer, bekräftigt in einem Interview mit meinem Kollegen Bernd Ludermann hingegen sein uneingeschränktes Nein zu Atomwaffen, die auch nicht zur Abschreckung taugten. "Die Diskussion, dass Deutschland jetzt auch Atomwaffen braucht, finde ich desaströs", sagt er. Ansonsten hält die er die Denkschrift für sehr differenziert und erklärt, wie sich die Friedensethik an die veränderte Weltlage angepasst hat: Sie "sucht angesichts von Autokraten überall auf der Welt, die sich um Recht nicht kümmern, einen realistischen Blick auf den Schutz von Recht und Frieden." Aber er betont, dass Rüstung auf das für Verteidigung, nicht für Kriegführung, Nötige begrenzt werden muss und Europa gegenüber Russland nicht vor allem mehr Waffen braucht, sondern mehr Einigkeit.

Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre. 

Das bewegt die Redaktion

Langzeitherrscher gibt es einige in Afrika: Nachdem im Oktober der 92-jährige Paul Biya in Kamerun die Wahl angeblich gewonnen hat (denn an einer fairen, nicht manipulierten Wahl zweifelt nicht nur die Opposition), will heute auch der 81-jährige Yoweri Museveni in Uganda nach bereits 40 Jahren im Amt erneut zum Präsidenten gewählt werden. Und er tut alles dafür, dass es so kommt. Zwei Tage vor Wahlbeginn ließ er das Internet abschalten, angeblich "um Missinformation einzudämmen und Wahlbetrug zu verhindern". Obwohl sieben Kandidaten - der aussichtsreichste ist der unter dem Künstlernamen bekannte Musiker Bobi Wine - gegen Museveni antreten, wird ihnen kaum eine Chance auf den Wahlsieg ausgerechnet. Schon im Vorfeld der Wahl hat Museveni Oppositionspolitiker durch seine Sicherheitskräfte einschüchtern, verfolgen und inhaftieren lassen. Die UN und Menschenrechtsorganisationen sind besorgt: Allein seit Beginn des Wahlkampfs im September habe es mehr als 300 Festnahmen gegeben, so das UN-Menschenrechtsbüro. Dass sich alte Präsidenten mit Gewalt so lange an die Macht klammern, ist leider nicht neu. Schlimm und falsch ist es trotzdem. Vor allem weil die überwiegend junge Bevölkerung in Afrika es verdient hätte, von Präsidenten regiert zu werden, die sich wirklich für ihre Belange einsetzt, statt sich selbst, ihre Angehörigen und die Eliten zu bereichern.

Neu auf welt-sichten

In Venezuela ist jetzt Besonnenheit nötig: Wie es nach dem Sturz von Präsident Nicolás Maduro weitergeht, hängt nicht nur von den USA ab. Was das Militär und die Bevölkerung jetzt tun, ist entscheidend dafür, ob das Land in Gewalt versinkt oder einen friedlichen Übergang schafft. Ein Politologe im Land sieht fünf Szenarien. 

Auch nichtstaatliche Organisationen sind besorgt über die Lage in Venezuela - die grassierende Armut, die hohe Inflation sowie häufige Stromausfälle - und berichten von großer Ungewissheit im Land. Wie sich die Intervention auf die Bevölkerung und die Stimmung auswirkt, haben wir Mitarbeitende von zwei venezolanischen NGOs gefragt.

Mehr Hilfe im deutschen Interesse: Das Entwicklungsministerium kündigt in einem Reformpapier Änderungen an der Ausrichtung seiner Arbeit an. Die soll künftig stärker dem politischem Einfluss und dem Wohlstand Deutschlands dienen, schreibt Marina Zapf.
 

„Löffelt aus, was Ihr Euch eingebrockt habt!“: Wie in Umfragen vorhergesagt, haben die Chileninnen und Chilenen bei der Stichwahl am 15. Dezember 2025 den rechtsextremen Kandidaten, Unternehmer und Anwalt José Antonio Kast zum Präsidenten gewählt. Die Stimmung in der Bevölkerung schwankt zwischen Empörung und Erwartung. Margarita Pastene berichtet. 

„Friedenspolitik wird enorm geschwächt“: Deutschlands friedenspolitischer Ansatz ist weltweit hoch angesehen. Doch jetzt kürzt die Bundesregierung die Mittel und baut das Auswärtige Amt um. Es droht ein Rückfall in die Außenpolitik der 1980er Jahre, fürchtet der Friedens- und Konfliktforscher Conrad Schetter.

Was Sie verpasst haben könnten

Mit Deutschlands Hilfe zu grüner Energie: Indonesien setzt bislang auf die Kohleverstromung. Eine Partnerschaft für eine sozial gerechte Energiewende, vor allem mit Deutschland, soll dem Land bei der grünen Transformation helfen. Die Schritte gehen in die richtige Richtung, aber der Weg ist noch lang, berichtet Nithin Coca in einem Artikel aus unserer aktuellen Ausgabe "Vorsicht, Hochspannung!".

Waffenhandel als Mittel der Außenpolitik: Die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) rügt die Bundesregierung für ihre Neugewichtung von strategischer Rüstungsdiplomatie. Die Aufhebung des Lieferstopps gegenüber Israel hält sie für verfrüht, berichtet Marina Zapf. 

Noch immer interessant

In Tunesien hat sich im Dezember 2010 der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi selbst angezündet und damit den "Arabischen Frühling" ausgelöst. Der Aufbau einer Demokratie ist dann auch in Tunesien gescheitert. Zwar erlebte die arabische Welt 2011 unter anderem in Libyen, Ägypten und Marokko Proteste und Regimewechsel, doch die Bilanz ist 15 Jahre danach durchwachsen, sowohl wirtschaftlich als auch politisch, berichtet Sarah Mersch. Tunesien hat sich unter Kais Saied, der 2019 zum Staatspräsidenten gewählt wurde, wieder in Richtung Autokratie entwickelt. Das sei auch deshalb möglich, weil die internationale Gemeinschaft und dabei vor allem die EU wieder einmal eher weg- als hinblickten und sich nur für das Thema Migration interessierten, schrieb meine Kollegin Barbara Erbe 2023 in ihrem Leitartikel. Leider ist er immer noch aktuell.

Medienschau: Was andere berichten

„Selbst an den unwahrscheinlichsten Orten gibt es Schönheit“: Vom Bauarbeiter, der einen Studienplatz an der medizinischen Fakultät gewonnen hat, bis hin zu einer Kunstausstellung in einem Land ohne Galerien – der "Guardian" hat Journalistinnen und Journalisten nach ihren optimistischsten Geschichten des Jahres 2025 gefragt.

Fanal am Nachthimmel: Im Iran wankt die Islamische Republik. Warum der Sturz des Regimes möglich ist, aber kaum friedlich verlaufen dürfte, beschreibt Marcus Schneider im "IPG-Journal". 

Taxifahrer in Kamerun: Motorradtaxifahrer in Kamerun schlängeln sich durch die berüchtigten Staus und sehen in ihrer eigenen Misere ein strukturelles Problem. Was Bilder über die fehlende Perspektive unter Präsident Biya erzählen. Eine Fotoreportage der "FAZ". 

Denkfabrik: Was Fachleute sagen

So beugt man keinen Anschlägen vor: Dass die Bundesregierung auf Terroranschläge mit schärferen Regeln für Migranten reagiert, ist nicht nur unwirksam, sondern kontraproduktiv, schreiben Fachleute des BICC in einem Papier, das Bernd Ludermann gelesen hat.

Ende einer Waffenbruderschaft: Im Jemen haben Saudi-Arabien und die Emirate ab 2015 gemeinsam die Huthi bekämpft. Jetzt geraten sie nach dem Sudan auch hier in Konflikt und stützen verfeindete Gruppen; gute Analyse der Gründe in "The Conversation".
 

Nicht alles ist düster: Zehn Verbesserungen für Entwicklungsländer in 2025 listet Homi Kharas bei "Brookings" auf. Nicht alle überzeugen – ist mehr Handel immer gut und lebt der Multilateralismus wirklich noch? –, aber diese Perspektive hilft gegen Defätismus. 

Ausblick

Alles dreht sich um Landwirtschaft: Morgen startet die "Grüne Woche" in Berlin. Bis zum 25. Januar geht es dort laut dem Bundesagrarministerium um Zukunftsfragen der Landwirtschaft und Ernährungssicherung, treffen sich Agrarminister aus aller Welt und können sich Verbraucher auf zahlreichen Messeständen informieren und durchprobieren. Wie jedes Jahr ruft das breite Bündnis "Wir haben es satt" am Samstag, 17. Januar, zu einer Demonstration gegen Agrarkonzerne auf. "Wir kämpfen gemeinsam für eine gentechnikfreie, bäuerliche und umweltverträgliche Landwirtschaft", heißt es in ihrem Aufruf. 

Und wer noch tiefer ins Thema Landwirtschaft einsteigen will, kann vom 28. bis 31. Januar am hybriden Global Food und Agri Summit in Amsterdam oder online teilnehmen. Alle Infos gibt es hier

Unterstützen Sie unseren anderen Blick auf die Welt!
„welt-sichten“ schaut auf vernachlässigte Themen und bringt Sichtweisen aus dem globalen Süden. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Warum denn das?
Ja, „welt-sichten“ ist mir etwas wert! Ich unterstütze es mit
Schon 3 Euro im Monat helfen
Unterstützen Sie unseren anderen Blick auf die Welt!