So beugt man keinen Anschlägen vor

Terrorprävention in Deutschland
Dass die Bundesregierung auf Terroranschläge mit schärferen Regeln für Migranten reagiert, ist nicht nur unwirksam, sondern kontraproduktiv, schreiben Fachleute des BICC.

Die Bundesregierung und mehrere Landesregierungen haben auf Anschläge, die Geflüchtete 2024 oder 2025 begangen haben, mit Schritten gegen irreguläre Migration, mehr Abschiebungen sowie Demokratiebildung speziell für muslimische Zugewanderte reagiert. Das verfehlt die Ursachen von Radikalisierung und behindert ungewollt noch die Integration von Zugewanderten, weil einzelne Gruppen stigmatisiert werden, schreiben Fachleute des Bonn International Center for Conflict Studies (BICC) in einem neuen Papier.

Die neuen staatlichen Sicherheitsmaßnahmen stellen danach Migration als Problem der inneren Sicherheit dar und Zuwanderung als eine Ursache von Radikalisierung; und sie stigmatisieren Muslime. Alle drei Unterstellungen stünden im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und behinderten sinnvolle Schritte zur Vorbeugung gegen Extremismus, die in den Sicherheitspaketen auch benannt würden. 

Ausgrenzung erhöht noch die Gefahr

Zum Beispiel gebe es für die Mehrheit der Attentäter mit Fluchtgeschichte keine Hinweise, dass sie bereits vor der Einreise radikalisiert waren – das könne sehr wohl aufgrund von Erfahrungen in Deutschland passiert sein. Arbeitsverbote, die ihnen Perspektiven in Deutschland nehmen, sowie Stigmatisierung und kollektive Verdächtigung leisteten einer Radikalisierung noch Vorschub. Sie förderten auch ein Wir-Gefühl als Benachteiligte und Ausgeschlossene, das Menschen mit Persönlichkeitsstörungen – und Geflohene seien oft von Traumata belastet – für extremistische Gruppen ansprechbarer mache. Um dem vorzubeugen, müsse man die psychosoziale Betreuung und die Integration von Zugewanderten verbessern, statt wie zuletzt die Mittel dafür zu kürzen.

Die Fachleute betonen, dass die Gründe und Wege einer Radikalisierung für Migranten und Einheimische, Muslime und andere ganz ähnlich sind. Sie empfehlen, von der Kita bis zur Oberstufe die Resilienz von Kindern und Jugendlichen dagegen zu fördern, beispielsweise indem persönliche Orientierungslosigkeit, Einsamkeit oder Frustration zum gemeinsamen Thema gemacht werden.

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