Liebe Leserinnen, liebe Leser,
seit Samstagmorgen hat die Welt noch einen unnötigen und vermeidbaren Krieg mehr - mit unvorhersehbaren Folgen für die Menschen im Iran, in der Region und darüber hinaus. Ich kann mir kaum vorstellen, dass US-Präsident Donald Trump zu Ende gedacht hat, welches Pulverfass er mit diesem "war of choice", also diesem selbst gewählten Krieg, in Brand setzt. So schlimm es ist, man hat sich ja schon fast daran gewöhnt, dass Trump auf das Völkerrecht nichts gibt, aber von unserem Bundeskanzler habe ich doch anderes erwartet. Friedrich Merz und Außenminister Johann Wadephul räumen zwar ein, dass der Krieg möglicherweise gegen zentrale Grundsätze des Völkerrechts verstößt. Sie rechtfertigen ihn aber trotzdem damit, dass er die iranische Bevölkerung von einem üblen Regime befreien und Israel, den Nahen Osten und auch Deutschland sicherer machen könne. "Das ist eine erschreckend schlichte und abwegige Einschätzung der politischen Lage", kommentiert mein Kollege Bernd Ludermann. Zwar könnten die Iraner vielleicht nach dem Tod von Ayatollah Khamenei auf ein weniger brutales Regime hoffen, aber ein Regimewandel sei noch nirgendwo nur mit Bomben erreicht worden. Zudem war es bisher aus guten Gründen sogar im Krieg tabu, den Staatschef eines anderen Landes einfach zu töten.
Ich wünsche Ihnen einen aufschlussreiche Lektüre - und trotz allem Zuversicht und Hoffnung auf baldigen Frieden in diesen Zeiten.
Wie Russland Soldaten in Afrika rekrutiert: Russland hat für den Krieg in der Ukraine rund 1000 Kenianer angeheuert. Auch aus anderen afrikanischen Ländern sind Söldner im Front-Einsatz. Für ihre Familien bleibt ihr Schicksal oft ungewiss, berichtet Birte Mensing.
„Der Glaube ist für viele Menschen sinnstiftend“: Vier von fünf Menschen auf diesem Planeten sind gläubig. Eine werteorientierte Außenpolitik kommt deshalb an der Religion nicht vorbei, sagt Thomas Rachel, Beauftragter der Bundesregierung für Religionsfreiheit, im Interview mit Katja Dorothea Buck.
Hilfe für Studierende aus dem Iran: Viele Studentinnen und Studenten aus dem Iran leben in Österreich am Existenzminimum. Seit der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste im vergangenen Dezember und dem neuen Krieg hat sich die Lage noch verschärft. Jetzt bietet die Regierung in Wien Unterstützung an, berichtet Milena Österreicher.
Heute wird in Nepal gewählt: Welche Parteien antreten, wer welche Erfolgschancen hat und wie die GenZ, die letztes Jahr die Regierung zu Fall gebracht hat, zukünftig in der Politik mitmischen will, beschreibt unser Nepal-Korrespondent Bibek Bhandari.
Gemeindebibliotheken sorgen für Bildungschancen: In Indien schaffen öffentliche Gemeindebibliotheken wichtige Lernorte und Chancengleichheit. Benachteiligte Jugendliche organisieren diese Netzwerke oft selbst – gemeinsam mit Freiwilligen und Aktivisten trotzen sie so dem Mangel an staatlicher Unterstützung. Rishabh Jain berichtet darüber in unserer aktuellen Ausgabe "Ab in die Schule".
Am 8. März ist Weltfrauentag: In den vergangenen Jahrzehnten hat sich ohne Frage viel für die Gleichberechtigung getan. Zeit sich auf diesen Erfolgen auszuruhen, gibt es aber nicht. Denn seit einigen Jahren erleben wir, wie populistische Parteien, konservative Eliten, religiöse Führer und autoritäre Präsidenten diverse Errungenschaften bei Frauen- und Minderheitenrechten wieder zurückdrehen wollen. Auch bei uns im wohlhabenden Norden ist in den meisten Familien die Care-Arbeit nicht gleich verteilt, verdienen viele Frauen selbst bei gleicher Tätigkeit weniger als Männer und landen aufgrund von Teilzeitarbeit in der Armutsfalle. Was die Ursachen dafür sind, aber auch welche guten Entwicklungen es für Frauen im globalen Süden gab, habe ich in einem Artikel 2019 beschrieben. In der Regel können Frauen nur arbeiten gehen, wenn die Kinderbetreuung gesichert ist. In Mexiko leisten dies nicht Kindergärten wie bei uns, sondern vor allem die "Oma-Mamas", wie Sandra Weiss sie bezeichnet. Ebenfalls in Mexiko haben Frauen neben ihren traditionellen Aufgaben ein erfolgreiches Softball-Team gegründet. Ihre Männer haben erst die Nasen gerümpft, dann fanden sie es toll. Alles noch immer interessante Artikel - nicht nur zum Weltfrauentag!
Die Schuld nicht auf die Verbraucher schieben: Die österreichische Wirtschaftsexpertin und Greenpeace-Sprecherin Ursula Bittner beschreibt in ihrem Buch "Greenwashing. Das schmutzige Geschäft mit deinem Gewissen", wie sich Unternehmen als Umweltretter inszenieren und gleichzeitig die Klimakrise verschärfen. Ein lesenswertes Buch für alle, die sich kein schlechtes Gewissen einreden lassen, aber trotzdem etwas tun wollen, findet unsere Rezensentin Bärbel Röben.
Wir kooperieren mit anderen Organisationen, die sich mit dem globalen Süden beschäftigen – etwa der Stiftung Asienhaus, der Werkstatt Ökonomie und dem Forum Umwelt und Entwicklung. Auf unserer Startseite unten im Kasten „Aus unserem Partnernetzwerk“ weisen wir auf neue Beiträge unserer Partner hin – zurzeit etwa auf eine Analyse der Stiftung Asienhaus zum Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha. Die KASA ordnet die Rede an die Nation von Südafrikas Präsident Cyril Ramophosa ein und die Infostelle Peru beschäftigt sich mit drängenden Umweltthemen im Wahlkampf. Schauen Sie mal rein.