Liebe Leserin, lieber Leser,
seit zwölf Tagen führen Israel und die USA Krieg gegen den Iran und den Libanon. Stündlich flackern Bilder von kollabierten Wohnhäusern in Teheran und Beirut und von explodierenden Ölanlagen am Golf auf unseren Bildschirmen auf. Von weinenden Frauen auf der Straße, die um ihre getöteten oder verwundeten Töchter und Söhne trauern. Und wir müssen den von Allmachts- und Gewaltfantasien gespeisten Irrsinn ertragen, den die Männer jeden Tag von sich geben, die für all das verantwortlich sind.
Das reicht eigentlich. Trotzdem möchte ich Sie bitten, unser Interview mit Kjetil Tronvoll zu einem weiteren drohenden Krieg zu lesen. Am Horn von Afrika marschieren Äthiopien und Eritrea gegeneinander auf und bereiten sich, so scheint es, auf einen Waffengang vor. Das ist zum einen eine Spätfolge des nie wirklich beendeten und aufgearbeiteten Krieges in der äthiopischen Provinz Tigray vor einigen Jahren, in dem Eritrea noch an der Seite der äthiopischen Zentralregierung gekämpft hat, erklärt Tronvoll, der an der Universität Oslo lehrt und wie kaum jemand sonst mit der politischen Lage am Horn von Afrika vertraut ist. Zum anderen, so Tronvoll, verfolgen die beiden Länder konkurrierende Interessen, die mit anderen Kriegen und Konflikten in der Region zu tun haben, etwa im Sudan oder in Somalia. Und zu all dem kommt hinzu, dass auswärtige Mächte wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und auch Israel mitmischen und die Glut anfachen. Europa und die EU? Haben keine gemeinsame Politik und deshalb auch keinen Einfluss, sagt Tronvoll.
Ich wünsche Ihnen einen friedlichen Wochenausklang.
Angesichts der Weltlage - siehe oben - kann man eigentlich nur wahnsinnig oder zynisch werden. So fühle ich mich in diesen Tagen immer wieder. Da tat es gut, diese Woche nach Hofgeismar zur diesjährigen Entwicklungspolitischen Konferenz der Kirchen und Werke (EPK) zu fahren. Es ging um Gelingensgeschichten. Um was? Lars Bedurke, Leiter der Abteilung Bildung von Brot für die Welt, sagte in seiner Keynote zu Beginn der Konferenz: Man müsse immer wieder die Realität des Scheiterns akzeptieren, dürfe aber nicht darin steckenbleiben.
Mit anderen Worten: Wahnsinnig oder zynisch zu werden, führt zu nichts. Also weitermachen, nicht aufgeben. Und dafür braucht es Geschichten, die uns Hoffnung machen, Vorbild sein können und Kraftreserven freisetzen. Gelingensgeschichten eben. In Hofgeismar wurden einige erzählt, etwa die von jungen Leuten in Sambia, die beharrlich und am Ende mit Erfolg dafür gekämpft haben, dass die Jugend im sambischen Parlament besser vertreten ist. Oder die von einer Berliner Initiative für den Rechtsstaat in Ungarn, die die Behörden dort so nervös macht, dass sie jetzt als ausländischer Agent gelistet ist. Oder die von den Emergency Response Rooms im Sudan, einer in lokalen Gemeinschaften verwurzelten Initiative, die unter schwierigsten Bedingungen humanitäre Hilfe leisten. Wenn die nicht aufgeben, dürfen wir es erst recht nicht.
Mit dem Islam lernen: Indonesien unterhält das weltweit größte islamische Bildungswesen. Es ist teilweise in das nationale Bildungssystem eingebunden und hat eine selbstbewusste islamische Mittelschicht hervorgebracht, erklärt Amanda tho Seeth. Der Artikel ist in unserer aktuellen Ausgabe "Ab in die Schule" zum Thema Bildung erschienen.
Mit dem Islam strafen: Eine neue Strafprozessordnung der Taliban in Afghanistan sorgt für scharfe Kritik. Sie rechtfertigt Gewalt gegen Frauen und verleugnet die Gleichheit aller Menschen. Auch Sklaverei werde damit de facto anerkannt, warnen Menschenrechtler. Julian Busch (epd) berichtet.
Hauptstadt-Geschwister: Mit dem Projekt Sister Cities in Action will Berlin die Beziehungen zu seinen Partnerstädten Windhuk, Mexiko-Stadt und Jakarta vertiefen und stärker gesellschaftlich verankern, berichtet Claudia Mende.
Fünf Fragen an ...: Jermina de Assunção Jersild ChirindzaIch aus Maputo wollte raus in die Welt und ihren Horizont erweitern. Dass es Deutschland geworden ist, war eher ein Zufall. Jetzt macht es ihr Spaß, in einer freien Kindertagesstätte in Frankfurt am Main zu arbeiten. Barbara Erbe hat mit ihr gesprochen.
Merz, der naive Duckmäuser: Israel und die USA führen einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran und der deutsche Bundeskanzler druckst herum, glänzt mit Einfältigkeit und katzbuckelt vor Donald Trump. Verheerend und peinlich, kommentiert Bernd Ludermann.
„Der Glaube ist für viele Menschen sinnstiftend“: Vier von fünf Menschen auf diesem Planeten sind gläubig. Eine werteorientierte Außenpolitik kommt deshalb an der Religion nicht vorbei, sagt Thomas Rachel, Beauftragter der Bundesregierung für Religionsfreiheit, im Interview mit Katja Dorothea Buck.
Madagaskar kommt nicht zur Ruhe: Diese Woche hat das Militärregime die zivile Regierung des Inselstaats entlassen, die es nach den Gen-Z-Protesten im vergangenen Herbst und dem Sturz der damaligen Regierung selbst eingesetzt hatte. Eine Begründung lieferte das Militär nicht, möglicherweise hat aber der erneut aufflammende Unmut der jungen Leute zu diesem Schritt beigetragen. Die Protestbewegung war nämlich auch mit dieser Regierung unzufrieden, weil sich ihrer Ansicht nach nichts zum Besseren entwickelt hat. Jetzt soll wieder eine neue Regierung eingesetzt werden. Ob sich unter ihr das Blatt wendet, ist offen. Die Aufgaben sind jedenfalls so groß wie die Probleme Madagaskars, die unser Autor Solofo Randrianja im vergangenen November in einem Beitrag als Ursachen für die Gen-Z-Proteste identifiziert hat - und dessen Analyse immer noch aktuell und lesenswert ist, wie sich jetzt zeigt.
Nimm das, Donald! Bei den Vereinten Nationen wollten die USA diese Woche die jährliche Sitzung der UN Commission on the Status of Women sabotieren und den Beschluss einer Erklärung zum Zugang von Frauen zu Recht und Gerechtigkeit verhindern - und sind krachend gescheitert. "PassBlue" hat die Hintergründe.
Stabiles Bangladesch? Das südasiatische Land hat eine neue Regierung, die Wahlen verliefen laut Beobachtern weitgehend fair. Doch unter der Oberfläche brodelt es, Ganggewalt und religiöser Extremismus bedrohen Minderheiten und Frauen, und der prominente Menschenrechtler Shahriar Kabir sitzt weiter im Gefängnis, berichtet "Foreign Policy in Focus".
Kreislauf oder Sackgasse? Deutschland fördert in Partnerländern den Aufbau von Kreislaufwirtschaft. So richtig funktioniert das nicht, findet das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit DEVal in einer Studie, die Barbara Erbe gelesen hat.
Rivalen oder Partner in Afrika? Die Europäische Union will China in der Entwicklungspolitik in Afrika unbedingt Paroli bieten und selbst der Platzhirsch werden. Macht solches Konkurrenzdenken Sinn? Gäbe es Möglichkeiten, stattdessen mit der Volksrepublik zu kooperieren? Und was sagen die Afrikaner dazu? Die Denkfabrik ECDPM hat zu diesen Fragen eine gut gemachte und aufschlussreiche Website eingerichtet.
Sauber dank CO2-Kompensation: Öl- und Gaskonzerne kaufen Emissionszertifikate in großem Stil und schönen so ihre CO2-Bilanzen. Zudem nutzen sie jede Gelegenheit, den Markt für die Zertifikate und seine Regeln zu ihren Gunsten zu beeinflussen, wie Carbon Market Watch in einer Studie deutlich macht.
Noch einmal China: Attac veranstaltet vom 20. bis 22. März in Köln eine große China-Konferenz. Unter dem Motto "Perspektiven für Frieden, Menschenrechte und sozial-ökologischen Wandel" nähern sich Wissenschaftler und Aktivistinnen aus aller Welt in vielen Diskussions- und Themenrunden dem vielschichtigen Riesenreich, unter anderem seiner Rolle im globalen Süden. Weitere Informationen gibt es hier.