Brasilien jagt moderne Sklavenhalter

Liebe Leserinnen, liebe Leser, 

die UN-Generalversammlung hat gestern – am Internationalen Tag zum Gedenken an die Opfer der Sklaverei – für eine Resolution gestimmt, in der der Handel und die rassistisch motivierte Versklavung von Afrikanern als das „schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet werden. Drei Länder – Argentinien, Israel und die USA – stimmten dagegen, Deutschland und 51 weitere Länder enthielten sich. Auch wenn die von Ghana eingebrachte Resolution rechtlich nicht bindend ist, gilt sie als historisch. Denn in ihr werden auch eine Entschuldigung für den Sklavenhandel sowie konkrete Schritte zur Wiedergutmachung erwogen. 

Einen mörderischen Sklavenhandel wie zwischen 1500 und 1800 gibt es zwar heute nicht mehr. Dennoch werden Arbeiterinnen und Arbeiter auch heutzutage noch ausgebeutet und müssen unter widrigsten Bedingungen ohne Schutz ihrer Gesundheit oder Rechte für Großkonzerne schuften. "welt-sichten" berichtet immer wieder darüber, ob von Arbeitern auf Bananenplantagen in Ecuador, von Olivenpflückern in Sizilien oder Goldschürfern in Ghana. Doch es gibt auch gute Nachrichten: In Brasilien hat die Politik reagiert und ein Gesetz sowie eine Einheit zur Sklavenbefreiung geschaffen. Sandra Weiss und Florian Kopp haben diese Sondereinheit beim Einsatz gegen die modernen Sklavenhalter begleitet und eine spannende Reportage geliefert.

Derweil fallen weiter täglich Bomben und Raketen im Iran, in Israel, dem Libanon und den Golfstaaten. In unserem Online-Dossier zum „Krieg im Nahen Osten“ finden Sie Meinungen, Berichte und Hintergründe dazu. Das soll helfen, die verwickelten Konflikte zu verstehen. 

Ich wünsche Ihnen Zuversicht und eine gute Woche. 

Das bewegt die Redaktion

Die deutsche Wirtschaftsministerin Katharina Reiche tut scheinbar alles dafür, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu bremsen. Obwohl uns die Kriege gegen den Iran und gegen die Ukraine deutlich zeigen, wie wirtschaftlich verwundbar und erpressbar sich die meisten Länder durch ihre enorme Abhängigkeit von Öl und Gas machen. Das einzig Richtige wäre jetzt also, schnell unabhängiger zu werden, denn „erneuerbare Energien sind auch Freiheitsenergien“. Man mag von Ex-FDP-Chef Christian Lindner halten was man will, aber mit diesem Satz, den er 2022 nach Beginn des russischen Angriffskriegs sagte, hatte er recht. 

Da Reiche beim Ausbau der Erneuerbaren auf die Bremse tritt und das europäische Klimaziel für 2050 infrage stellt, muss man sich fragen, wie die Bundesregierung eigentlich die deutschen Klimaziele einhalten will. Umweltminister Carsten Schneider hat gestern das neue Klimaschutzprogramm vorgestellt, mit dem die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 gemindert werden sollen. Kritik kam vom Expertenrat für Klimafragen, der davon ausgeht, dass das neue Programm "mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen" wird, die Klimaschutzziele zu erreichen. Zwar hat Umweltminister Schneider im Gegensatz zu seiner Kollegin Katharina Reiche erkannt, dass die Abhängigkeit von Öl und Gas „eines der Hauptprobleme“ sei. Aber solange die Regierung nicht an einem Strang zieht und weiter rückgewärtsgewandt statt visionär handelt, kommt es umso mehr darauf an, dass jeder Einzelne sich aus eigener Initiative für mehr Klimaschutz einsetzt. 

Neu auf welt-sichten

Die Schweiz setzt auf Entwicklungsbanken: Angesichts globaler Krisen betont die Schweizer Regierung den Stellenwert der multilateralen Entwicklungsbanken. Doch den Rückgang bilateraler Entwicklungshilfe werden sie nicht ausgleichen können, sagen Fachleute. Meret Michel berichtet.

Warnschuss für Kambodschas Betrugsindustrie: Kambodscha ist ein Zentrum für internationalen Onlinebetrug. Das Land geht jetzt dagegen vor, aber nur unter starkem Druck von außen. Zusätzlich dazu braucht es strenge Regeln für das globale Finanzwesen, kommentiert Bernd Ludermann.

Arbeiter riskieren ihr Leben bei Coltan-Abbau für M23-Milizen: Ohne Coltan keine Handys - davon profitieren auch Rebellengruppen im Osten des Kongo. Sie verdienen Millionen an den Rohstoffen der Region - auf Kosten der Bevölkerung, berichtet Birte Mensing.

Was Sie verpasst haben könnten

Scharfe Kritik aus Südafrika, diplomatische Ermahnungen aus Indien, Brasilien und Nigeria: So unterschiedlich reagieren Staaten im globalen Süden auf den Krieg gegen den Iran. In der Bevölkerung hingegen ist das Urteil klar, wie die Angriffe der USA und Israels zu bewerten sind. Unsere Korrespondentinnen und Korrespondenten berichten. Und unser Online-Dossier "Krieg im Nahen Osten"  bietet darüber hinaus weiterführende Berichte, Kommentare und Hintergründe. 

Machtkonzentration ist der Feind der Pressefreiheit: Sich zur Pressefreiheit zu bekennen, heißt nicht nur, verfolgte Journalisten zu schützen, sondern auch, unabhängige Medien zu fördern und die Machtkonzentration auf dem Medienmarkt strenger zu kontrollieren, kommentiert Barbara Erbe. 

Noch immer interessant

Jetzt ist eingetreten, was mein Kollege Tillmann Elliesen im Oktober in seinem Kommentar prophezeit hat: Die Tagesschau berichtet, dass ein Mitglied der Taliban die afghanische Botschaft in Deutschland übernommen hat, die erste in einem EU-Land. Zur Erinnerung: Die Bundesregierung hatte den Taliban eine Zusammenarbeit angeboten, damit diese Afghanen aufnimmt, die Innenminister Alexander Dobrindt abschieben will. Die Islamisten haben durch die Übernahme der Botschaft nun Zugriff auf sensible Daten von Afghaninnen und Afghanen, die nach der Machtergreifung der Taliban nach Europa, Kanada, Australien und in die USA evakuiert wurden und jetzt erneut gefährdet werden - eine Folge des unmoralischen Angebots der Bundesregierung und generell ihres zynischen Umgangs mit gefährdeten Afghanen und früheren Ortskräften. Anders geht Österreich vor, die dortige Regierung lehnt eine Zusammenarbeit mit den Taliban ab. In der afghanischen Botschaft in Wien arbeitet weiterhin eine Diplomatin, die von den Taliban nicht anerkannt wird. Milena Österreicher hat ein Porträt über die mutige Frau geschrieben und weist auch auf den in Österreich produzierten Dokumentarfilm über sie hin. Noch immer interessant!

Medienschau: Was andere berichten

Laos zieht die richtige Lehre aus einem dummen Krieg: Es macht infolge der Ölpreiskrise E-Autos billiger und Verbrenner teurer, baut den öffentlichen Verkehr aus und schreibt Transportfirmen eine Elektroquote vor, berichtet "Eco Business".

Husten für die KI: In Indien gibt es eine App, die am Klang des Hustens erkennt, ob man eine einfache Erkältung hat oder etwas Ernstes wie Tuberkulose dahinter stecken könnte. In Teilen Indiens wenden mobile Kliniken die App schon an - mit sehr guten Ergebnissen, wie "Reasons to be cheerful" berichtet. 

Denkfabrik: Was Fachleute sagen

Klimaschutz mit weniger Bergbau: Die Energiewende ist ohne Landraub und großflächige Umweltzerstörung möglich, so eine von Greenpeace beauftragte Studie: mit mehr Kreislaufwirtschaft und einem gezielteren Einsatz von Mineralien. Barbara Erbe hat sie gelesen.

Gefährdeter Frieden auf den Philippinen: Der lange Friedensprozess mit der muslimischen Minderheit der Moro auf den Philippinen ist in der letzten Phase. Aber die Demobilisierung der letzten Kämpfer und eine Übergangsjustiz stocken, auch aus Geldmangel, warnt die "Crisis Group".  

Ausblick

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus laufen offiziell noch bis zum 29. März, in vielen Städten und Gemeinden in ganz Deutschland geht das Programm dazu aber noch bis in den April oder sogar darüber hinaus. Auf der Übersichtsseite der Stiftung gegen Rassismus finden Sie die teilnehmenden Städte und deren Veranstaltungen - vom Hula-Hoop-Kurs für Geflüchtete, Kreativworkshops, Filmabenden, Mahnwachen oder Aktionstagen ist alles dabei. 

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